, einen an Mylord C. und einen an ihren Oheim, dem sie noch ein Verzeichnis angeschlossen von den Kleidern, die sie an den Pfarrer geschickt habe, um sie zu verkaufen und das Geld den Armen des Kirchspiels zu geben. Ihrem Oheim hätte sie kurz, aber mit vieler Würde und Rührung, von den Klagen gesprochen, die sie über ihn und seine Frau zu führen habe, und von den Ursachen, warum sie sich von ihnen entferne und sich in den Schutz eines Gemahls begebe, den sie sich gewählt hätte und mit welchem sie als seine vermählte Frau aus ihrem haus gehe, um sich nach Florenz zum Grafen R. zu begeben, woher sie wieder Nachricht von ihr erhalten sollten; indessen überlasse sie ihm auch drei Jahre den Genuss aller Einkünfte ihrer Güter, um damit die Beendigung seines Rechtshandels zu betreiben, die er auf eine niederträchtige Art durch die Aufopferung ihrer Ehre zu erhalten gesucht hätte; es wäre ein Geschenk, welches sie seinen zweenen Söhnen machte und wodurch sie mehr Segen erhalten würden, als durch den Entwurf ihres Untergangs. Dem Fürsten hätte sie geschrieben: sie fliehe an der Hand eines edelmütigen und würdigen Gemahls vor den Verfolgungen seiner verhassten und entehrenden leidenschaft; sie habe inzwischen ihrem onkel die Einkünfte von ihren Gütern auf drei Jahre überlassen, hoffe aber, nach Verfluss dieser Zeit sie von der Gerechtigkeit des Landesfürsten wieder zurückzuerlangen; gegen Mylord aber hätte sie sich erklärt: dass sie seinen Geist und seinen Gemütscharakter jederzeit verehrt und gewünscht habe, einigen Anteil an seiner achtung zu haben; es wäre sehr wahrscheinlich, dass die Umstände, in welche man sie gestellt, ihre Gemütsart mit einem so starken Nebel umhüllet hätten, dass er sich keinen richtigen Begriff davon habe machen können; sie versichere ihn aber, dass sie seiner Hochachtung niemals unwürdig gewesen und seine harte nachteilige Beurteilung nicht verdient habe; und dieses möchte er auch seinen Neffen Seimour lesen lassen; Löbau sei nach dieser Entdekkung zum Fürsten geeilt, der darüber ins grösste Erstaunen geraten und aller Orten habe nachschicken wollen, aber Graf F. hätte es missraten, und es wäre allein ein Kurier an den Grafen R. nach Florenz abgeschickt worden, von wannen man aber bis jetzt keine Nachricht von dem fräulein erhalten habe.
Solange die Erzählung von Mylord dauerte, schienen alle Triebfedern meiner Seele zurückgehalten zu sein; aber als er aufhörte, kamen sie in volle Bewegung. Er musste meine bittersten Klagen über seine Politik hören, durch die er mich verhindert hatte, mich mit dem edelsten Herzen zu Verbinden. Ihre grossmütige Wohltätigkeit an ihrem onkel, diese edle Rache für seine abscheuliche Beleidigung, ihr Andenken an die arme; und an mich, bei dem sie gerechtfertigt zu sein suchte; wie viele Risse in mein Herz! Wie verhasst wurde mir D., wie viele Mühe hatte ich, die Ausdrücke meines Zorns zu verbergen, wenn ich ihre Feinde sah, oder wenn mir jemand von ihr reden wollte! Denn der herzhafte Schritt, welchen sie zu ihrer Rettung gemacht, wurde von jedermann getadelt, alle ihre vortrefflichen Eigenschaften verkleinert und ihr Fehler und Lächerlichkeiten angedichtet, deren sie gänzlich unfähig war. Wie elend, aber auch wie allgemein ist das Vergnügen, Fehler am Verdienst aufzuspähen! Tausend Herzen sind eher bereit, sich zu der Bosheit zu erniedrigen, an einer vortrefflichen person die Gebrechen der Menschheit zu entdecken, als eines zu finden ist, das die edle Billigkeit hat, einem andern den grössten Anteil an Kenntnissen und Tugend einzugestehen und ihn aufrichtig zu verehren.
Ich schickte einen Kurier nach Florenz und schrieb dem Grafen R. die geschichte seiner würdigen Nichte. Aus der Antwort, so ich von ihm erhielt, erfuhr ich, dass er nicht das geringste von ihrem Aufentalte wisse. Alle Bemühungen, welche er bis jetzt angewandt, sie auszuspähen, sind vergeblich gewesen; – und alles dies vergrössert die Vorwürfe, die ich mir wegen meiner übereilten Abreise von D. mache. Warum wartete ich nicht auf die Folge meiner Unterredung? – wenn man bessern will, ist es genug, bittere Verweise zu geben? – Mein ganzes Herz würde sich empören, wenn ich einen Kranken schlagen oder misshandeln sähe: und ich gab einer person, die ich liebte, die ich für verblendet hielt, Streiche, die ihre Seele verwunden mussten! Aber ich sah sie als eine freiwillig weggeworfene, meiner achtung unwürdige Kreatur an und dünkte mich berechtiget, ihr auch so zu begegnen. Wie grausam war meine Eigenliebe gegen das liebenswerte Mädchen! erst wollte ich nicht von meiner Liebe reden, bis sie sich ganz nach meinen Begriffen in dem vollen Glanz einer triumphierenden Tugend gezeigt haben würde. Sie ging ihren eigenen schönen Weg, und weil sie meinen idealischen Plan nicht befolgte, eignete ich mir die Gewalt zu, sie darüber auf das empfindlichste zu bestrafen. Wir beurteilten und verdammten sie alle; aber sie – wie edel, wie gross wird sie in dem Augenblick, da ich sie für erniedrigt hielt! sie segnete in der weissen Maske mich wütenden Menschen, da sie an den Rand eines frühen Grabes gestossen hatte. – O, was kann sie jetzt von dem Geschöpfe sagen, durch dessen Unbesonnenheit sie in eine übereilte und gewiss unglückliche Ehe gestürzt wurde, die sie schon bereut und nicht wieder brechen kann. Sie schrieb meinen Namen noch, sie wollte, dass ich Gutes von ihr glauben soll! O Sternheim, selbst in deinem von mir verursachten Elende würde deine grossmütige, unschuldige Seele die Marter meines Herzens beweinen, wenn