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nach Verdiensten heirate. Sie könne an meiner Edelmütigkeit nicht zweifeln, weil sie solche mich schon oft gegen andre ausüben sehen; sie hätte mich deswegen hochgeschätzt; und nun, da das Schicksal sie zu einem gegenstand meiner Grossmut gemacht habe, so trüge sie kein Bedenken, die hülfe eines edlen Herzens anzunehmen; ich könnte auf ewig ihres zärtlichen Danks und ihrer Hochachtung versichert sein; sie ginge alle Bedenklichkeiten wegen der Bekanntmachung unsers Bündnisses ein; es wäre ihr selbst angenehm, wenn alles stille bleiben könnte, und wenn sie mich nichts als die Sorgen der Liebe kostete. Nur bäte sie mich um die Gewährung von vier Bedingnissen, davon die erste beschwerlich, aber unumgänglich nötig für ihre Ruhe sei, nämlich zu sorgen, dass ich mit ihr vermählt würde, ehe sie das Haus ihres Oncles verliesse, indem sie nicht anders als an der Hand eines würdigen Gemahls daraus gehen wolle. Die zweite: dass ich ihr erlauben möchte, von den Einkünften ihrer Güter auf drei Jahre eine Vergabung zu machen. (Die gute Haustaube!) Drittens möchte ich sie gleich zu ihrem onkel, dem Grafen R*, nach Florenz führen, denn diesem wolle sie ihre Vermählung sagen; ihre Verwandten in D* verdienten ihr Vertrauen nicht. Von Florenz aus wäre sie mein und würde in ihrem übrigen Leben keinen andern Willen als den meinigen haben; übrigens und viertens möchte ich ihre Kammerjungfer bei ihr lassen.

Ich machte bei dem ersten Artikel die Einwendung der Unmöglichkeit, weil Lord G. oder der Fürst alles erfahren würde: wir wollten uns an einem andern sichern Orte trauen lassen. Aber da war die entscheidende Antwort: so bliebe sie da, und wollte ihr Verhängnis abwarten. – Nun rückte John an, und ich schrieb ihr in zwei Tagen, dass ich unsern Gesandtschafts-Prediger gewonnen hätte, der uns trauen würde; sie möchte nur ihre Jungfer schicken, um abends selbst ihn zu sprechen. Dies geschah; das Mädchen brachte ihm einen in englischer Sprache geschriebnen Brief, worin meine Heldin die Ursachen einer geheimen Heirat auskramte und ihren Entschluss entschuldigte, sich seinem Gebet und seiner Fürsorge empfahl und einen schönen Ring beilegte.

John, der Teufel, hatte die Kleider des Doktors an und seine Perucke auf; und redete gebrochen, aber sehr patetisch Deutsch. Das Kätzchen kroch sehr andächtig um ihn herum; ich gab ihr eine Verschreibung mit, die John unterzeichnete, und sagte ihr, dass das bevorstehende fest den besten Anlass geben würde, unser Vorhaben auszuführen, weil man sie wegen ihrer andauernden Kränklichkeit nicht einladen und nicht beobachten würde.

Alles geschah nach Wunsche; sie war froh über mein Papier und meine gefälligkeit gegen ihre Vorschriften. Warum haben doch gute Leute soviel Schafmässiges an sich, und warum werden die Weibsbilder nicht klug, ungeachtet der unzähligen Beispiele unserer Schelmereien, welche sie vor sich haben? Aber die Eitelkeit beherrscht sie unumschränkt, dass eine jede glaubt, sie hätte das Recht, eine Ausnahme zu fodern, und sie sei so liebenswürdig, dass man unmöglich nur seinen Spass mit ihr treiben könne. Da mögen sie nun die angewiesne natürliche Bestrafung ihrer Torheiten annehmen, indessen wir die Belohnung unsers Witzes geniessen. Gewiss, da meine Sternheim keine Ausnahme macht, so gibt es keine in der Welt. Indessen ist ihr Verderben deswegen nicht beschlossen. Wenn sie mich liebt, wenn mir ihr Besitz alle die abwechselnden lebhaften Vergnügungen gibt, die ich mir verspreche: so soll sie Lady Derby sein und mich zum Stammvater eines neuen närrisch genug gemischten Geschlechts machen. Für mein erstes Kind ist es ein Glücke, dass seine Mutter eine so sanfte fromme Seele ist; denn wenn sie von dem nämlichen Geist angefeurt würde wie ich, so müsste der kleine Balg zum Besten der menschlichen Gesellschaft in den ersten Stunden erstickt werden; aber so gibt es eine schöne Mischung von Witz und Empfindungen, welche alle Junge von unsrer Art auszeichnen wird. Wie zum Henker komme ich zu diesem Stücke von Hausphysik! Freund, es sieht schlimm aus, wenn es fortdauert; doch ich will die probe bis auf den letzten Grad durchgehen.

Mein Mädchen liess sich noch Medizin machen und packte daneben einen Koffer mit Weisszeug und etwas leichten Kleidern voll, den ich und John an einem Abend fortschleppten. Sie schrieb einen grossen Brief im gigantischen Ton der hohen Tugend, worin sie sagt, dass sie mit einem würdigen Gemahl von der Gefahr und Bosheit fliehe! Sie wies ihrem onkel den dreijährigen Genuss aller ihrer Einkünfte an, um seinen Prozess damit zu betreiben; sie hoffte, sagte sie, er würde dadurch mehr Segen für seine Kinder erlangen, als er durch die Grausamkeit erhalten, die er an ihr ausgeübt habe. Von Florenz werde er Nachricht von ihr erhalten. Ihre reichen Kleider schenkte sie in die Pfarre für arme. Von dieser Art von Testamente schickte sie auch dem Fürsten und dem Lord G. Kopien zu.

Den Tag, wo das grosse Festin auf dem land gegeben wurde, waren meine Anstalten gemacht, ich war den ganzen Tag bei hof überall mit vermengt. Als das Getümmel recht arg wurde, schlich ich in meinen Wagen und flog nach D* John eilte mit mir in den kleinen Gartensaal des Grafen Löbau, wo ich in Wahrheit mit einem das erstemal pochenden Herzen das artige Mädchen erwartete. Sie wankte endlich am Arm ihres Kätzchens herein, niedlich gekleidet und vom Haupt bis zu den Füssen mit Adel und rührender Grazie bewaffnet. Sie zagte einen Augenblick an der tür, ich lief gegen ihr, sie machte einen