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vor dem Fürsten nieder, und indem sie ihre hände gegen ihn erhob, rief sie:

"O wenn es wahr ist, dass Sie mich lieben, lassen Sie mich nirgend anderswohin führen als in mein Haus."

Der Fürst hob sie auf und sagte ihr bewegt: Er schwöre ihr die ehrerbietigsten Gesinnungen und hätte keinen Gedanken, sie zu betrügen; er bäte sie nur, dass sie sich fassen möchte, der Doktor sollte sie begleiten.

Sie gab dem Alten ihre Hand, nachdem sie ihr Halstuch um ihren Hals gelegt hatte, und ging mit wankenden Füssen aus dem Zimmer. Ihre Tante blieb und fing an, über das Mädchen zu reden. Der Fürst hiess sie schweigen und sagte ihr mit Zorn: sie hätten ihm alle eine falsche idee von dem Charakter des Fräuleins gegeben und ihn lauter verkehrte Wege geführt. Damit ging er fort, die Gräfin auch, und John wurde seines Gefängnisses erlediget.

Im Saal hatte man fortgetanzt, aber daneben viel von der Begebenheit gezischelt. Fast bei allen wurde die Aufführung des Fräuleins als ein übertriebenes Geziere getadelt. "Man kann tugendhaft sein, ohne ein grosses Geräusch zu machen. Sollte man nicht denken, der Fürst hätte noch keine Dame als sie geliebt? Aber es gibt eine sanftere und edlere Art von Verteidigung seiner Ehre, zu der man just nicht die ganze Welt zu Zeugen nimmt"; und dergleichen.12

Andre hielten es für eine schöne Komödie, und waren begierig, wie weit sie die Rolle treiben würde.

Ich war überzeugt, dass Seimour die Ursache dieses aufwallenden Jastes von Tugend gewesen sein müsse, aber was er ihr gesagt, und was für einen Eindruck er dadurch auf sie gemacht hätte, das wünschte ich zu wissen, um meine Massregeln darnach zu nehmen. Ich verbarg diese Unruhe und spottete eins mit; indem ich die Zurückkunft des Johns erwartete, der nach haus geeilt war, um den Seimour auszuspähen.

Aber stelle dir, wenn du kannst, das Erstaunen vor, als mein John sagte, Seimour wäre gleich nach seiner Zurückkunft in einer Post-Chaise mit Sechsen und einem einzigen Kerl davongefahren. Was T- konnte das anders bedeuten als eine verabredete Entführung! Ich riss John am Arm zum Saal hinaus, warf auf der Strasse meine Maske ab und zog den Überrock meines Kerls an, in welchem ich an das Löbauische Haus eilte, um Nachricht von der neuen Aktrice zu hören. Eifersucht, Wut und Liebe jagten sich in meinem kopf herum; und gewiss derjenige, der mir gesagt hätte, sie wäre fort, hätte es mit seinem Leben bezahlen müssen; aber ehe eine Viertelstunde um war, lief jemand aus dem haus nach der Apotek. Die Tür blieb offen; ich schlich in den Hof und sah Licht in den Zimmern der Sternheim. Es wurde mir leichter, aber meine Zweifel blieben; diese Lichter konnten Blendwerk sein. Ich wagte mich in das Zimmer ihrer Kammerjungfer; die Tür des Kabinetts war offen, und ich hörte mein Mädchen reden. Also war Seimour allein fort. Ich sann auf eine taugliche Entschuldigung meines Daseins und gab dem Kammermädchen ganz herzhaft ein Zeichen, zu mir zu kommen. Sie kannte mich nicht, rannte auf die Tür zu, die sie den Augenblick hinter sich zuschloss und fragte hastig: wer ich sei, was ich haben wollte?

Ich gab mich zu erkennen, bat sie in kummervollen ehrerbietigen Ausdrücken um Nachricht von des göttlichen Fräuleins Befinden und beschwur sie auf den Knien, alle Tage einem meiner Leute etwas davon zu sagen. Ich sagte ihr, ich wäre Zeuge gewesen, wie edel und anbetungswürdig sich der Charakter des Fräuleins gezeigt hätte, ich verehrte und liebte sie über allen Ausdruck; ich sei bereit, mein Leben und alles zu ihrem Dienste aufzuopfern, aber mir sei für ihre Gesundheit bange, indem ich den Medicum von einem Fieber hätte reden hören.

Die Katze war froh, die geschichte des Abends von mir zu hören, indem, wie sie sagte, das fräulein fast nichts als weinte und zitterte. Ich putzte die geschichte so sehr als mir möglich war zur Verherrlichung des Fräuleins aus und nannte die weisse Maske; da fiel mir das Mädchen ein: O diese Maske ist's, die mein fräulein krank gemacht hat! Denn sie sagte ihr ganz frei: Ob sie denn alle gesetz der Ehre und Tugend so sehr unter die Füsse getreten habe, dass sie sich in einer Kleidung und einem Schmuck sehen lasse, welche der Preis von ihrer Tugend sein werde; dass es ihr alle Masken sagen würden; dass alle sie verachteten, weil man von ihrem Geist und ihrer Erziehung etwas Bessers erwartet hätte.

"Und wer war diese Maske?" Dies wisse das fräulein nicht; aber sie nenne sie eine edle wohltätige Seele, ungeachtet sie ihr das Herz zerrissen habe.

Ich dachte: Der Himmel segne den wohltätigen Seimour für seine Narrheit! Sie soll meinem verstand schöne Dienste tun. Ich versprach dem Mädchen, mich um die Entdeckung zu bemühen, und erzählte ihr noch die Urteile der Gesellschaft, mit dem Zusatz, dass ich der Verteidiger des Fräuleins werden wollte, und sollte es auch auf Unkosten meines Halses sein; sie sollte mir nur sagen, was ich für sie tun könnte. Das Mädchen war gerührt. Mädchen sehen die Gewalt der Liebe gerne; sie nehmen Anteil an der Macht, die ihr Geschlecht über uns ausübt, und helfen mit Vergnügen an den Kränzen flechten, womit unsre Beständigkeit belohnt wird. Sie sagte