mit ihr zu tanzen, nachdem er vieles Lob von ihren Fingern gemacht hatte. Mein Kopf fing an warm zu werden, und ich empfahl meinem Freunde John, dem Sekretär von Mylord G., seine Aufmerksamkeit zu verdoppeln, weil mein aufkochendes Blut nicht mehr Ruhe genug dazu hatte. Doch machte ich noch in zeiten die Anmerkung, dass unser Gesicht, und das was man Physionomie nennt, ganz eigentlich der Ausdruck unsrer Seele ist. Denn ohne Maske war meine Sternheim allezeit das Bild der sittlichen Schönheit, indem ihre Miene und der blick ihrer Augen eine Hoheit und Reinigkeit der Seele über ihre ganze person auszugiessen schien, wodurch alle Begierden, die sie einflösste, in den Schranken der Ehrerbietung gehalten wurden. Aber nun waren ihre Augenbraunen, Schläfe und halbe Backen gedeckt und ihre Seele gleichsam unsichtbar gemacht; sie verlor dadurch die sittliche charakteristische Züge ihrer Annehmlichkeiten und sank zu der allgemeinen idee eines Mädchens herab. Der Gedanke, dass sie ihren ganzen Anzug vom Fürsten erhalten, ihm zu Ehren gesungen hatte und schon lange von ihm geliebt wurde, stellte sie uns allen als wirkliche Mätresse vor; besonders da eine Viertelstunde darauf der Fürst in einer Maske von nämlichen Farben als die ihrige kam und sie, da eben deutsch getanzt wurde, an der Seite ihrer Tante, mit der sie stehend redte, wegnahm und, einen Arm um ihren Leib geschlungen, die Länge des Saals mit ihr durchtanzte. Dieser Anblick ärgerte mich zum Rasendwerden, doch bemerkte ich, dass sie sich vielfältig sträubte, und loswinden wollte; aber bei jeder Bemühung drückte er sie fester an seine Brust und führte sie endlich zurück, worauf der Graf F* ihn an ein Fenster zog und eifrig redte. Einige Zeit hernach stunde eine weisse Maske en Chauve-Souris neben dem fräulein, die ich auf einmal eine heftige Bewegung mit ihrem rechten Arm gegen ihre Brust machen und einen Augenblick darauf ihre linke Hand nach der weissen Maske ausstrecken sah. Diese entschlüpfte durch das Gedränge, und das fräulein ging mit äusserster Schnelligkeit den Saal durch. Ich folgte der weissen Maske auf die Ecke eines Gangs, wo sie die Kleider fallen liess und mir den Lord Seimour in seinem schwarzen Domino zeigte, der in der stärksten Bewegung die Treppe hinunterlief und mich über seine Unterredung mit dem fräulein in der grössten Verlegenheit liess. John, der sie nicht aus dem gesicht verlor, war ihr nachgegangen und sah, dass sie in das Zimmer, wo ihr onkel und die Gräfin F* waren, ging, gleich beim Eintritt allen Schmuck ihres Aufsatzes vom kopf riss, mit verachtungs- und schmerzensvollen Ausdrücken zu Boden warf, ihren onkel, der sich ihr näherte, mit Abscheu ansah und mit der kummervollesten stimme ihn fragte: "Womit habe ich es verdient, dass Sie meine Ehre und meinen guten Namen zum Opfer der verhassten Leidenschaften des Fürsten machten?"
Mit zitternden Händen band sie ihre Maske los, riss die Spitzen ihres Halskragens und ihre Manschetten in Stücken und streute sie vor sich her. John hatte sich gleich nach ihr an die tür gedrungen und war Zeuge von allen diesen Bewegungen. Der Fürst eilte mit dem Grafen F* und ihrer Tante herbei, die übrigen entfernten sich, und John wickelte sich in den Vorhang der tür, welche sogleich verschlossen wurde. Der Fürst warf sich zu ihren Füssen und bat sie in den zärtlichsten Ausdrücken, ihm die Ursache ihres Kummers zu sagen; sie vergoss einen Strom von Tränen und wollte von ihrem Platz gehen; er hielt sie auf und wiederholte seine Bitten.
"Was soll diese Erniedrigung von Ihnen? Sie ist kein Ersatz für die Erniedrigung meines guten Namens. – O meine Tante, wie elend, wie niederträchtig sind Sie mit dem Kind Ihrer Schwester umgegangen! – O mein Vater, was für Händen haben Sie mich anvertraut!"
Der feierliche schmerzvolle Ton, mit welchem sie dieses sagte, hätte das Innerste seiner Seele bewegt. Ihre Tante fing an: Sie begreife kein Wort von ihren Klagen und von ihrem Unmut; aber sie wünschte, sich niemals mit ihr beladen zu haben.
"Erweisen Sie mir die letzte Güte und führen Sie mich nach haus. Sie sollen nicht lange mehr mit mir geplagt sein."
Dieses sprach meine Sternheim mit einer stotternden stimme. Ein ausserordentliches Zittern hatte sie befallen; sie hielt sich mit Mühe an einem Stuhl aufrecht, der Fürst war mit der Zärtlichkeit eines Liebhabers bemüht, sie zu beruhigen. Er versicherte sie, dass seine Liebe alles in der Welt für sie tun würde, was in seiner Gewalt stünde.
"O es ist nicht in Ihrer Gewalt", rief sie, "mir die Ruhe meines Lebens wiederzugeben, deren Sie mich beraubt haben. – Meine Tante, haben Sie Erbarmen mit mir, bringen Sie mich nach haus!"
Ihr Zittern nahm zu; der Fürst geriet in Sorgen und ging selbst in das Nebenzimmer, um eine Kutsche anspannen und seinen Medicum rufen zu lassen.
Die Gräfin Löbau hatte die Grausamkeit, dem fräulein Vorwürfe über ihr Betragen zu machen. Das fräulein antwortete mit nichts als einen Strom von Tränen, die aus ihren gegen Himmel gerichteten Augen flossen und ihre gerungenen hände benetzten.
Der Fürst kam mit dem Medico, der das fräulein mit Staunen ansah, ihr den Puls fühlte und den Ausspruch tat, dass das heftigste Fieber mit starken Zükkungen vorhanden wäre; der Fürst empfohl sie seiner Aufsicht und Sorgfalt auf das inständigste. Als die angespannte Kutsche gemeldet wurde, sah sich das fräulein sorgsam und erschrocken um, fiel