, so versprach sie mir, mich nach Sternheim zu begleiten und den Überrest des Jahres dort zu bleiben. Bei diesem Versprechen hielt ich sie und erneuerte ihr das meinige.
Dies ist also die letzte Tyrannie, welche die gefälligkeit für andre an mir ausüben wird, und dann werde ich mein Sternheim wiedersehen. O Emilia! mit was für Entzücken der Freude werde ich dieses Haus betreten, wo jeder Platz an die aus geübten Tugenden meiner Eltern mich erinnern und aufmuntern wird, ihrem Beispiel zu folgen; Tugenden und Fehler der grossen Welt sind nichts für meinen Charakter; die ersten sind mir zu glänzend und die andern zu schwarz. Ein ruhiger Zirkel von Beschäftigung für meinen Geist und für mein Herz ist das mir zugemessene Glück, und dieses Ende ich auf meinem Gute. Ehemals wurde es durch den freundschaftlichen Umgang meiner Emilia vergrössert; aber die Vorsicht wollte ihre Tugenden in einer andern Gestalt leuchten lassen, liess mir aber ihren Briefwechsel.
Sehr lieb ist mir, dass ich die grosse Welt und ihre Herrlichkeiten kennengelernt habe. Ich werde sie nun in allen Teilen richtiger zu beurteilen wissen. Ich habe ihr die Verfeinerung meines Geschmacks und Witzes durch die Kenntnis des Vollkommnen in den Künsten zu danken. Ihr Luxus, ihre lärmende, ermüdende Ergötzungen haben mir die edle Einfalt und die ruhigen Freuden meines Stammhauses angenehmer gemacht; der Mangel an Freuden, den sie mich erdulden liess, hat mich den Wert meiner Emilie höher schätzen gelehrt; und ob ich schon gefühlt habe, dass die Liebe Ansprüche auf mein Herz hat, so freut mich doch, dass es allein durch den Sohn der himmlischen Venus verwundet werden kann und dass die Tugend ihre Rechte ungestört darin erhalten hat. Denn gewiss wird meine Zärtlichkeit niemals einen Gegenstand wählen, der sie verdrängen wird.
Schönheit und Witz haben keine Gewalt über mein Herz, ungeachtet ich den Wert von beiden kenne; eine feurige leidenschaft und zärtliche Reden auch nicht; am wenigsten aber die Lobeserhebungen meiner persönlichen Annehmlichkeiten; denn da sehe ich in meinem Liebhaber nichts als die Liebe seines Vergnügens. Die achtung für die guten Neigungen meines Herzens und für die Bemühungen meines Geistes, um Talente zu sammeln, dieses allein rührt mich, weil ich es für ein Zeichen einer gleichgestimmten Seele und der wahren dauerhaften Liebe halte; aber es wurde mir von niemand gesagt, von dem ich es zu hören wünschte. Derby hatte diesen Ton: Aber nicht eine Saite meines Herzens hat darauf geantwortet. Auch dieses Mannes Liebe, oder was es ist, vermehrt meine sehnsucht und Eile nach Ruhe und Einsamkeit. In acht Tagen ist der Ball: vielleicht, meine Emilia, schreibe ich Ihnen meinen nächsten Brief in dem Kabinette der Sternheim zu den Füssen des Bildnisses meiner Mama, dessen Anblick meine Feder zu einem andern Inhalt meiner Briefe begeistern wird.
Mylord Derby an
seinen Freund
Die Komödie des Fürsten mit meiner Sternheim, wovon ich dir letztin geschrieben, ist durch die romantischen Grillen des Vetters Seimour zu einem so tragischen Ansehen gestiegen, dass nichts als der Tod oder die Flucht der Heldin zu einer Entwicklung dienen kann; das erste, hoffe ich, solle die Göttin der Jugend verhüten, und für das zweite mag Venus durch meine Vermittlung sorgen.
Man hat, weil des fräulein gerne tanzt, die Hoffnung gefasst, sie durch Ballustbarkeiten eher biegsam und nachgebend zu machen; und da sie noch niemals einen Maskenball gesehen, so wurden auf den Geburtstag des Fürsten die Anstalten dazu gemacht. Man bewog das Mädchen zu dem Entschluss, bei dieser gelegenheit zu singen, und sie geriet auf den artigen Einfall, in Gesellschaft etlicher Personen einen Trupp spanischer Musikanten vorzustellen. Der Fürst erhielt die Nachricht davon und ersuchte den Grafen Löbau, ihm das Vergnügen zu lassen, die Kleidung des Fräuleins zu besorgen, um ihr dadurch unversehens ein Geschenk zu machen. onkel und Tante nahmen es an, weil ihre Masken zugleich angeschafft wurden; aber zwei Tage vor dem Ball war dem Hof und der Stadt bekannt, dass der Fürst dem fräulein die Kleidung und den Schmuck gäbe und auch selbst ihre Farben tragen werde. Seimour geriet in den höchsten Grad von Wut und Verachtung; ich selbst wurde zweifelhaft und nahm mir vor, die Sternheim scharfer als jemals zu beobachten.
Nichts kann reizender sein, als ihr Eintritt in den Saal gewesen ist. Die Gräfin Löbau, als eine alte Frau bekleidet, ging mit einer Laterne und etlichen Rollen Musikalien voraus. Der alte Graf H* mit einer Bassgeige; Löbau mit der Flütetraverse und das fräulein mit einer Laute kamen nach. Sie stellten sich vor die Loge des Fürsten, Engen an zu stimmen, die Tanzmusik musste schweigen, und das fräulein sang eine Arie; sie war in Cramoisi und schwarzen Taft gekleidet, ihre schönen Haare in fliegenden nachlässigen Locken verbreitet; ihre Brust ziemlich, doch weniger als sonst verhüllt; überhaupt schien sie mit vielem Fleiss auf eine Art gekleidet zu sein, die alle reizenden Schönheiten ihrer Figur wechselsweise entwickelte; denn der weite Ärmel war gewiss allein da, um, während sie die Laute schlug, zurückzufallen und ihren vollkommen gebildeten Armin sein ganzes Licht zu setzen. Die halbe Maske zeigte uns den schönsten Mund, und ihre Eigenliebe bemühete sich, die Schönheit ihrer stimme zu aller Zauberkraft der Kunst zu erhöhen.
Seimour in einem schwarzen Domino an ein Fenster gelehnt, sah sie mit konvulsivischen Bewegungen an. Der Fürst in einem venezianischen Mantel in seiner Loge, Begierde und Hoffnung in seinen Augen gezeichnet, klatschte fröhlich die hände zusammen und kam, einen Menuet