eine Hoffnung von Glück zu rauben, deren Erfüllung in meiner Gewalt steht; aber warum machen die Leute keine Vergleichung zwischen ihrer Denkart und der meinigen? Sie würden darin ganz deutlich die Unmöglichkeit sehen, mich jemals auf den Weg ihrer Gesinnungen zu lenken. Mein onkel und meine Tante machen mich erstaunen. Sie, die meine Eltern und meine Erziehung kannten, sie, die von der Festigkeit meiner Ideen und Empfindungen überzeugt sind, sie dachten mich durch glänzende Spielwerke von Rang, Pracht und Ergötzlichkeiten zur Übergabe meiner Hand und meines Herzens zu bewegen? Ich kann nicht böse über sie werden; sie suchen mich nach ihren Begriffen von Glück durch eine vornehme Verbindung glücklich zu machen und geben sich alle ersinnliche Mühe, mir den Hof von seiner verführerischen Seite vorzustellen. Sie haben gesucht, meine Liebe zur Wohltätigkeit als eine Triebfeder anzuwenden. Weil der Graf F* versicherte, dass mich der Fürst sehr hochschätze, dass er mit Vergnügen alle Gnaden bewilligen würde, die ich mir immer ausbitten könnte; so haben sie, denke ich, Leute angestellt, mich um Fürsprache bei dem Herrn anzuflehen. Ihre Vermutung, dass dieses die stärkste Versuchung für mich sei, ist ganz richtig; dann die Gewalt Gutes zu tun, ist das einzige wünschenswerte Glück, das ich kenne.
Zu meinem Vergnügen war die erste Bitte ein Wunsch von Eitelkeit, welcher etwas begehrte, dessen man wohl entbehren konnte; so dass ich ohne Unruhe mein Vorwort versagen konnte. Ich zeigte dabei meinen Entschluss an, den Fürsten niemals mehr zu beunruhigen, indem mich nur die äusserste Not und Hülflosigkeit der Familie T* dazu veranlasst habe. Ware es eine notleidende person gewesen, die mich um Fürbitte angesprochen hätte, so wäre mein Herz wieder in Verlegenheit geraten, zwischen meiner Pflicht und Neigung, ihr zu dienen, und zwischen meinem Widerwillen, dem Fürsten für eine gefälligkeit zu danken, einen Entschluss zu machen. Für meines Oncles Prozess muss ich noch reden, und es soll auf einem Maskenball geschehen, dazu man schon viele Anstalten macht. Eine allgemeine Anstrengung der Erfindungskraft ist aus diesem Vorhaben erfolgt; ein jedes will sinnreich und gefällig gekleidet sein, Hof- und Stadtleute werden dazu geladen, es soll eine Nachahmung der englischen Maskenbälle zu Vauxhall werden. Ich bekenne, dass der ganze Entwurf etwas Angenehmes für mich hat; einmal, weil ich das Bild der römischen Saturnalien, die ich Gleichheitsfeste nennen möchte, sehen werde, und dann, weil ich mir ein grosses Vergnügen aus der Betrachtung verspreche, den Grad der Stärke und Schönheit der Einbildungskraft so vieler Personen in ihren verschiedenen Erfindungen und Auswahlen der Kleidungen zu bemerken. Der Graf F*, sein Nepote, mein onkel, meine Tante und ich werden eine truppe spanischer Musikanten vorstellen, die des Nachts auf die Strasse ziehen, um vor den Häusern etwas zu ersingen. Der Gedanke ist artig, unsre Kleidung in Cramoisi mit schwarzem Taft, sehr schön; aber meine stimme vor so vielen Leuten erschallen zu lassen, dies vergället meine Freude; es scheint so zuversichtlich auf ihre Schönheit und so begierig nach Lob. Doch man will damit dem Fürsten, der mich gerne singen hört, gefällig sein, weil man glaubt, der Prozess meines Oncles gewinne dabei, und ich will ihm lieber vor der ganzen Welt singen als noch einmal in unsern Garten, wie gestern; wo ich darauf mit ihm spazierengehen und ihn von Liebe reden hören musste. Er hatte sie zwar in Ausdrücke der Bewunderung meines Geistes und meiner Geschicklichkeit eingewickelt; aber meine Augen, meine Gestalt und meine hände hatten viel Verwirrung an seinem Hof angerichtet, ihm wäre es unmöglich, Rat darin zu schaffen, weil die Macht meiner Reize den Herrn ebensowenig verschonet hätte als seine Diener.
"Meine Entfernung wird also das beste Mittel wider diese Unordnung sein", sagte ich.
"Das sollen Sie nicht tun, Sie sollen meinen Hof der Zierde nicht berauben, die er durch Sie erhalten; einen Glücklichen sollen Sie wählen, und sich niemals von D* entfernen."
Ich wusste ihm Dank, dass er dieses hinzusetzte; er muss es getan haben, weil er bemerkte, dass ich in Verwirrung geraten war und auf einmal traurig und ernstaft aussah. Denn wie er von der Wahl eines Glücklichen redete, wandte er sich zu mir und blickte mich so sehnsuchtsvoll an, dass ich mich vor seinen weiteren Erklärungen fürchtete. Er fragte mich zärtlich nach der Ursache meiner Ernstaftigkeit; ich fasste mich und sagte ihm ziemlich munter: Der Gedanke von einer Auswahl wäre schuld daran; weil ich in D* nach meiner Phantasie keine zu machen wüsste.
"Gar keine? Nehmen Sie den, der Sie am meisten liebt; und Ihnen seine Liebe am besten beweisen kann." – Mit diesem gespräche kamen wir zur Gesellschaft an. Alle suchten etwas in den Gesichtszügen des Fürsten zu lesen; er war sehr höflich gegen sie; ging aber bald darauf weg und sagte mir noch mit Lächeln: ich möchte seinen Rat nicht vergessen. Ich redete mit meiner Tante ernstaft von den Gesinnungen, die ich bemerkt hätte, und dass ich in keinem Menschen Liebe sehen und ernähren würde, die ich nicht billigen könnte; dass ich also auf dem Ball nicht singen wollte und sie bäte, mich nach Sternheim zurück zu lassen.
Da war Jammer über meine zu weit getriebne grillenhafte Ideen, die nicht einmal eine zärtliche Höflichkeit ertragen könnten; ich möchte doch um des himmels und ihrer Kinder willen die Ball-Partie nicht verschlagen; wenn ich nach diesem unzufrieden wäre