; da fing er an, von einer langen verborgnen leidenschaft und der Verzweiflung zu reden, in welche ihn Mylord G. stürzte, da er ihm verboten, nicht mehr in unser Haus zu gehen, und er doch sehen müsste, dass andre mir von ihrer Liebe redeten. Mylords G. Verbot machte mich stutzend und nachdenkend; Derby redete immer in der heftigsten Bewegung fort; ich dachte an den Jast, worin ich ihn den ganzen Abend in der Gesellschaft gesehen hatte, und meine Verlegenheit vergrösserte sich dadurch. Ich foderte, dass er mich verlassen sollte, und wollte zugleich der tür zugehen; er widersetzte sich mit sehr ehrerbietigen Gebärden, aber mit einer stimme und Blicken so voll leidenschaft, dass mir bange und übel wurde. Dies war der Augenblick, wo ich böse auf mein Herz war, dass es mich gerade diesen Abend noch mein Spielgeld den Kindern bringen hiess und mich dadurch dieser Verlegenheit ausgesetzt hatte.
Ich erholte mich endlich, da ich ihn den geheiligten Namen der Tugend aussprechen hörte, in welchem er mich beschwur, ihn nur noch einen Augenblick reden zu lassen. Wiederholen kann ich nichts, aber er redete gut; wenig von meinen äusserlichen Annehmlichkeiten, aber er behauptete, meinen Charakter zu kennen, den er als selten ansieht, und am Ende legte er auf eine rührende Weise eine feierliche Gelübde von Tugend und Liebe ab.
Unzufrieden mit ihm und mit mir selbst, bestürzt und bewegt, machte ich an ihn die Bitte, mir den Beweis von seinen Gesinnungen zu geben, dass er mich verliesse. Er ging gleich mit ermunterter Abbitte seines Überraschens und legte an der Tür noch ein schweres Paket Geld für die arme Familie hin.
Ein ungewöhnlicher Kummer beklemmte mein Herz; das beste Glück, das ich mir in dieser Minute wünschte, war, einsam zu sein. Aber die Frau T* kam herein, ich übergab ihr das Geschenk samt dem gewonnenen Gelde. Ihre Freude erleichterte mich ein wenig, aber ich eilte mit dem festen Vorsatz fort, dieses Haus nicht mehr zu betreten, solange Mylord Derby in D* sein würde. Mein onkel und meine Tante spielten noch, als ich nach haus kam, und ich legte mich zu Bette. Traurige Nächte hatte ich schon durch meinen an Eltern und Freunden erlittenen Verlust gehabt; aber die mit Unruhe und Schmerzen der Seele erfüllte schlaflose Stunden habe ich niemals gekannt, welche auf die Betrachtung folgten, dass mein Schicksal und meine Umstände meinen Wünschen und meinem Charakter völlig entgegen sind. Meine äusserste Bemühung war immer, unsträflich in meiner Aufführung zu sein, und doch wurde ich durch Mylord Derby der Nachrede einer Zusammenkunft ausgesetzt. Mylord G., dessen achtung ich zu verdienen glaubte, verbietet seinen Verwandten den vorzüglichen Umgang mit mir. Ich hatte die Freundschaft eines tugendhaften Mannes gewünscht, und dieser flieht mich, während dass mich der Fürst und der Graf F* zu verfolgen anfangen. Und was soll ich von Mylord Derby sagen: Ich bekenne, die Liebe eines Engländers ist mir vorzüglich angenehm, aber – Und doch; warum wählte ich einen und verwarf den andern, ehe ich sie kannte; ich war gewiss voreilig und unbillig. Derby ist rasch und unbesonnen; aber voller Geist und Empfindsamkeit. Wie schnell, wie eifrig tut er Gutes? Sein Herz kann nicht verdorben sein, weil er so viele Aufmerksamkeit für gute Handlungen hat; ich möchte bald hinzusetzen, weil er mich und meine denkart lieben kann. Aber alle halten ihn für einen bösen Menschen; er muss Anlass zu einer so allgemeinen Meinung gegeben haben; und gleichwohl hat die Tugend Ansprüche auf sein Herz. Emilia! wenn ihn die Liebe ganz von Irrwegen zurückführte, wenn sie es um meinetwillen unternähme: Wäre ich ihr da nicht das Opfer des Vorzugs schuldig, den ich einem andern ohne sein Verlangen gab? Aber jetzt wünschte ich, aller Wahl überhoben zu sein und dass meine Tante R. bald käme. Vergeblicher Wunsch! Sie ist in Florenz und wird da ihre Wochen halten. Sie sehen also, dass alle Umstände wider mich sind. Der ländliche Frieden, die Ruhe, die edle Einfalt, welche mein einsames S*** bewohnen, wären meinem armen kopf und Herzen so erquickend, als Hofleuten der Anblick einer freien Gegend ist, wenn sie lange in Kunstgärten herumgeirrt und ihr Auge durch Betrachtungen der gesuchten und gezwungenen Schönheiten ermüdet haben. Wie gerne stellten sie ihre durch zerstossnen Marmor ermattete Füsse auf ein mit Moos bewachsnes Stück Erde und sehen sich in dem unbegrenzten schönen Gemische von Feld, Waldungen, Bächen und Wiesen um, wo die natur ihre besten Gaben in reizender Unordnung verbreitet! Bei vielen beobachtete ich in dieser gelegenheit die Stärke der reinen ersten Empfindungen der natur. Sogar ihr gang und ihre Gebärden wurden freier und ungezwungener, als sie in den sogenannten Lustgärten waren; aber einige Augenblicke darauf sah ich auch die Macht der Gewohnheit, die, durch einen einzigen Gedanken rege gemacht, die sanfte Zufriedenheit störte, welche die Herzen eingenommen hatte. Urteilen Sie, meine Emilia, wie ermüdet mein moralisches Auge über den täglichen Anblick des Erkünstelten im verstand, in den Empfindungen, Vergnügungen und Tugenden ist! Dazu kommt nun der Antrag einer Verbindung mit dem jungen Grafen F*, die ich, wenn mir auch der Mann gefiele, nicht annehmen würde, weil sie mich an den Hof fesseln würde. So sehr auch diese Fesseln übergüldet und mit Blumen bestreut wären, so würden sie doch mein Herz nur desto mehr belästigen. Ich leide durch den Gedanken, jemand