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dass das Verlangen des Herrn T* nach einem amt durch die gnädigen Gesinnungen Ihres Fürsten zufriedengestellt wird. Sie kennen meine Freude über den Gedanken, Sie bald aus dem sorgenvollen stand gezogen zu sehen, in welchem Sie schmachten. Darf ich Ihnen aber auch sagen, dass diese Freude mit dem Wunsch begleitet ist: dass Sie sich bemühen möchten, Ihren künftigen Wohlstand für Sie und Ihre Kinder dauerhaft zu machen. Die Vergleichung Ihres vorigen Wohlstandes und der kummervollen Jahre, die darauf erfolgten, könnte die Grundlage eines Plans werden, den Sie jetzt mit Ihren Kindern befolgten. Die Geschenke des Lord Derby haben Sie in den Stand gesetzt, sich mit Kleidung und Hausgeräte zu besorgen, so dass das Einkommen Ihres Amts ganz rein zu Unterhaltung und Erziehung Ihrer Kinder gewidmet werden kann.

Ich trauete meinen jungen Einsichten nicht zu, den Entwurf eines solchen Plans zu machen, und habe einen Freund geistlichen Standes darum gebeten, der mir folgendes zuschrieb.

Bei den drei ältern Kindern ist (wie ich aus der Nachricht ersehe) der Verstand und die Empfindung reif genug, um jene Vergleichung in ihrer Stärke und Nutzbarkeit einzusehen. Wenn Sie ihnen sodann die Berechnung Ihres Einkommens und der nötigen Ausgaben machen, werden sie sich gerne nach Ihrem Plan führen lassen. Sagen Sie ihnen alsdann:

Gott habe zwo Gattungen Glückseligkeit für uns bestimmt, wovon die erste ewig für unsre Seele verheissen ist und deren wir uns durch die Tugend würdig machen müssen.11 Die zwote geht unser Leben auf dieser Erde an. Diese können wir durch Klugheit und Kenntnisse erhalten. Reden Sie ihnen von der Ordnung, die Gott unter den Menschen durch die Verschiedenheit der Stände eingesetzt hat. Zeigen Sie ihnen die höhere und reichere, aber auch die ärmere und niedrigere als Sie sind. Reden Sie von den Vorteilen und Lasten, die jede Klasse hat, und lenken Sie alsdenn Ihre Kinder zu einer ehrerbietigen Zufriedenheit mit ihrem Schöpfer, der sie durch die Eltern, die er ihnen gab, zu einem gewissen stand bestimmte und ihnen darin ein eigenes Mass besondrer Pflichten zu erfüllen auflegte; sagen Sie ihnen, zu den Pflichten der Tugend und der Religion sei der Fürst wie der Geringste unter den Menschen verbunden.

Der erste Rang des Privatstandes habe die edle Pflicht, durch nützliche Kenntnisse und Gelehrsamkeit auf den verschiedenen Stufen öffentlicher Bedienungen oder in der höhern Klasse des Kaufmannsstandes dem gemeinen Wesen nützlich zu sein.

Von diesem Begriffe machen Sie die Anwendung, dass Ihre Söhne durch den Stand des Herrn Rat T* in den ersten Rang der Privatpersonen gehören, darin sie nach Erfüllung der Pflichten für ihr ewiges Wohl auch denen nachkommen müssen, ihre Fähigkeiten des Geistes durch Fleiss im Lernen und Studieren so anzubauen, dass sie einst als geschickte und rechtschaffene Männer ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen könnten. Der Ursprung des Adels wäre kein besonderes Geschenk der Vorsicht, sondern die Belohnung der zum Nutzen des Vaterlandes ausgeübten vorzüglichen Tugenden und Talente gewesen. Der Reichtum sei die Frucht des unermüdeten Fleisses und der Geschicklichkeit; es stünde bei ihnen, sich auch auf diese Art vor andern ihresgleichen zu zeigen, weil Tugend und Talente noch immer die Grundsteine der Ehre und des Glücks sein.

Ihren Töchtern sollen Sie sagen, dass sie neben den Tugenden der Religion auch die Eigenschaften edelgesinnter liebenswürdiger Frauenzimmer besitzen müssen und dass sie dieses ohne grossen Reichtum werden und bleiben könnten.

Unser Herz und Verstand sind dem Schicksal nicht unterworfen. Wir können ohne eine adelige Geburt edle Seelen und ohne grossen Rang einen grossen Geist haben; ohne Reichtum glücklich und vergnügt und ohne kostbaren Putz durch unser Herz, unsern Verstand und unsre persönliche Annehmlichkeiten sehr liebenswürdig sein und also durch gute Eigenschaften die Hochachtung unsrer Zeitgenossen als die erste und sicherste Stufe zu Ehre und Glück erlangen.

Dann sagen Sie ihnen ihre Einkünfte und die Anwendung, die sie davon, nach den Pflichten für die Bedürfnisse ihres Körpers in Nahrung und Kleider, für die Bedürfnisse ihres Geistes und Vergnügens an Lehrmeistern, Büchern und Gesellschaften machen wollten. nennen Sie auch den zurücklegenden Pfennig als eine Pflicht der Klugheit für künftige Zufälle.

Wir brauchen Nahrung, um die Kräfte unsers Körpers zu unterhalten. Und diesen Endzweck der natur können wir durch die simpelsten speisen am leichtesten erreichen. Diese werden von dem kleinen Einkommen nicht zuviel wegnehmen und wir folgen dadurch der stimme der natur für unsre Gesundheit und geben zugleich unserm Schicksal nach, welches uns die Ausschweifungen unsrer Einbildung ohnehin nicht erlaubte. Und da der Reiche nach dem schwelgerischen Genuss des Überflusses seine Zuflucht zu einfachen speisen und wasser nehmen muss, um seine Gesundheit wiederherzustellen, warum sollten wir uns beklagen, weil wir durch unser Verhängnis gezwungen sind, in gesunden Tagen den einfachen Foderungen der natur gemäss zu leben? Kleider haben wir zur Bedeckung und zum Schutz gegen die Anfälle der Witterung nötig; diesen Dienst erhalten wir von den geringen und wohlfeilen Zeugen wie von den kostbaren. Die meinem gesicht anständige Farbe und die Schönheit der Form muss bei dem ersten wie bei dem letzten gesucht werden; habe ich diese, so habe ich die erste Zierde des Kleides. Ein edler gang, eine gute Stellung, die Bildung, so mir die natur gab, können meinem netten einfachen Putz ein Ansehen geben, das der Reiche bei alle seinem Aufwand nicht allezeit erhält; und bei Vernünftigen wird mir meine Mässigung ebensoviel Ehre machen, als der Reiche in dem Wechsel seiner Pracht immer finden kann.

Müssen wir in unserm Hausgeräte den Mangel vieles Schönen und Gemächlichen ertragen, so wollen wir in dem höchsten Grade der Reinlichkeit den Ersatz des Kostbaren suchen und