Mein Vergnügen über diese kleine freundschaftliche Unterredung wurde durch die Wahrnehmung des sichtbaren Verdrusses, den Seimour darüber hatte, unendlich vergrössert. Der Fürst, dem es auch nicht gefiel, näherte sich uns, und ich entfernte mich, um dem Grafen F* zu sagen, dass das fräulein gerne englisch tanze. Gleich wurde die Musik dazu angefangen, und jeder suchte seine Bäuerin auf. Der junge F*, als Kompagnon des fräulein von Sternheim, stellte sich in der halben Reihe an; aber sein Vater machte alle Paare zurücktreten, um dem fräulein den ersten Platz zu geben, die ihn mit Erstaunen annahm und die Reihe mit der seltensten Geschwindigkeit und vollkommensten Anmut durchtanzte. Ich blieb bei der ersten Partie mit Fleiss zurück und ging an der Reihe mit Mylord G. und dem Fürsten auf und ab. Dieser hatte kein Auge als für fräulein Sternheim und sagte immer: tanzt sie nicht wie ein Engel? Da nun Lord G. versicherte, dass eine geborne Engländerin Schritt und Wendungen nicht besser machen könnte, so bekam der Fürst den Gedanken, das fräulein sollte mit einem Engländer tanzen. Ich trat in ein Fenster, um zu warten, auf wem die Wahl kommen würde; als einige Ruhezeit vorbei war, ersuchte der Fürst das fräulein um die gefälligkeit, noch mit der zweiten Reihe, aber mit einem von uns zwei Engländern zu tanzen. Eine schöne Verbeugung und das Umsehen nach uns zeigte ihre Bereitwilligkeit an. Wie zärtlich ihr Bild den spröden Seimourn auffoderte, dem es F* zuerst, als Mylord G. Nepoten, antrug, und der es verbat. Die jähe Errötung des Verdrusses färbte ihr Gesicht und ihre Brust; aber sogleich war eine freundliche Miene für mich da, der ich mit ehrerbietiger Eilfertigkeit meine Hand anbot; aber diese Miene hielt mich nicht schadlos und presste mir den Gedanken ab: O Sternheim! eine solche Empfindung für mich hätte dir und der Tugend mein Herz auf ewig erworben! Die Bemühung, dich andern zu entreissen, vermindert meine Zärtlichkeit; Begierde und Rache bleiben mir allein übrig. – Mein äusserliches Ansehen sagte nichts davon; ich war lauter Ehrfurcht. Sie tanzte vortrefflich; man schrieb es der Begierde zu, dem Fürsten zu gefallen. Ich wusste allein, dass es eine Bemühung ihrer beleidigten Eigenliebe war, um den Seimour durch die Schönheit und Munterkeit ihres Tanzes über seine abschlägige Antwort zu strafen. Und gestraft war er auch! Sein Herz voll Verdruss war froh, bei mir Klagen zu führen und sich selbst zu verdammen, dass er, ungeachtet sie alle seine Verachtung verdiente, sich dennoch nicht erwehren konnte, die zärtlichste Empfindlichkeit für ihre Reizungen zu fühlen.
"Warum hast du denn nicht mit ihr getanzt?"
"Gott bewahre mich", sagte er; "ich wäre gewiss unter dem Kampfe zwischen Liebe und Verachtung an ihrer Seite zu Boden gesunken." Ich lachte ihn aus und sagte: er sollte lieben wie ich, so würde er mehr Vergnügen davon haben, als ihm seine übertriebene Ideen jemals gewähren würden.
"Ich fühle, dass du glücklicher bist als ich", sagte der Pinsel, "aber ich kann mich nicht ändern." Verdammt sei die Liebe, dachte' ich, die diesen und mich zu so elenden Hunden macht. Seimour, zwischen dem Schmerz der Verachtung für einen angebeteten Gegenstand und allen Reizungen der Sinne herumgetrieben, war unglücklich, weil er nichts von ihrer Unschuld und Zärtlichkeit wusste. Ich, der meiner Hochachtung und Liebe nicht entsagen konnte, war ein Spiel des Neides und der Begierde, mich zu rächen, und genoss wenig Freude dabei, als diese, andern die ihrige sicher zu zerstören, es folge daraus, was da wolle. – Arbeit habe ich! – Denn so künstlich und sicher ich sonst meine Schlingen zu flechten wusste, so nützen mich doch meine vorigen Erfahrungen bei ihr nichts, weil sie so viele Entfernung von allen sinnlichen Vergnügungen hat. Bei einem Ball, wo beinahe alle Weibspersonen Koketten und auch die Besten von der Begierde zu gefallen eingenommen sind, hängt sie der Übung der Wohltätigkeit nach. Andre werden durch die Versammlung vieler Leute und den Lärmen eines Festes, durch die Pracht der Kleider und Verzierungen betäubt, durch die Musik weichlich gemacht und durch alles zusammen den Verführungen der Sinnlichkeit blossgegeben, sie wird auch gerührt, aber zum Mitleiden für die Armen; und diese Bewegung ist so stark, dass sie Gesellschaft und Freuden verlässt, um ein Werk der Wohltätigkeit auszuüben. Ha! wenn diese starke und geschäftige Empfindlichkeit ihrer Seele zum Genuss des Vergnügens umgestimmt sein wird, und die ersten Töne für mich klingen werden! – dann, B., dann werde ich dir aus Erfahrung von der feinen Wollust erzählen können, die Venus in Gesellschaft der Musen und Grazien ausgiesst. Aber ich werde mich dazu vorbereiten müssen. Wie Schwärmer, die in den persönlichen Umgang mit Geistern kommen wollen, eine Zeitlang mit Fasten und Beten zubringen, muss ich, dieser entusiastischen Seele zu gefallen, mich aller meiner bisherigen Vergnügungen entwöhnen. Schon hat mir meine Von ungefähr entdeckte Wohltätigkeit an der Familie T* grosse Dienste bei ihr getan; nun muss ich sie einmal in diesem haus überraschen. Sie geht manchmal hin, den Kindern Unterricht und den Eltern Trost zu geben. Dennoch hat alle ihre Moral den Einfluss meiner Guineen nicht verhindern können, durch die ich bei diesen Leuten gelegenheit Enden werde, sie zu sehen und einen Schritt zu ihrem Herzen zu machen; während dass ich auf der andern Seite die magische