verehrt ihn mein Herz! Wie viele Wünsche mache ich für seine Erhaltung! Und wie selig müssen seine Abendstunden nach so edel ausgefüllten Tagen sein!
Mein Brief ist lang; aber meine Emilia hat eine Seele, die sich mit Ergötzen bei der Beschreibung einer übenden Tugend verweilt und mir Dank dafür weiss. Herr ** reiste abends weg und wir, zu meinem Vergnügen, den zweeten Morgen darauf. Denn jeder Platz des Hauses und Gartens, wo ich ihn gesehen hatte und jetzt mit Schmerzen vermisste, stürzte mich in einen Abfall innerlicher Traurigkeit, die mir an unserm Hof nicht vermindert wird. Doch ich will nach seinem Rat immer die schöne Seite meines Schicksals suchen und Ihnen in Zukunft nur diese zeigen.
Nun muss ich mich zu einem fest anschicken, welches Graf F* auf seinem Landgut geben wird. Ich liebe die aufgehäuften Lustbarkeiten nicht; aber man wird tanzen, und Sie wissen, dass ich von allen andern Ergötzungen für diese die meiste Neigung habe. –
Mylord Derby
an seinen Freund B *
Ich schreibe dir, um der Freude meines Herzens einen Ausbruch zu schaffen; denn hier darf ich sie niemand zeigen. Aber es ist lustig zu sehen, wie alle Anstalten, die man dem Fürsten zu Ehren macht, sich nur alleine dazu schicken müssen, das schöne schüchterne Vögelchen in mein verstecktes Garn zu jagen. Der Graf F*, der den Oberjägermeister in dieser gelegenheit macht, gab letztin dem ganzen Adel auf seinem Gute ein recht artig Festin, wobei wir alle in Bauerkleidungen erscheinen mussten.
Wir kamen nachmittags zusammen, und unsre Bauerkleider machten eine schöne probe, was natürlich edle oder was nur erzwungene Anstalten waren. Wie manchem unter uns fehlte nur die Grabschaufel oder die Pflugschare, um der Bauerknecht zu sein, den er vorstellte; und gewiss, unter den Damen war auch mehr als eine, die mit einem Hühnerkorbe auf dem kopf oder bei Melkerei nicht das geringste Merkmal einer besonderen Herkunft oder Erziehung behalten hätte. Ich war ein schottischer Bauer und stellte den kühnen entschlossnen Charakter, der den Hochländern eigen ist, ganz natürlich vor; und hatte das Geheimnis gefunden, ihn mit aller der Eleganz, die, wie du weisst, mir eigen ist, ohne Nachteil meines angenommenen Charakters, zu verschönern. Aber diese Zauberin von Sternheim war in ihrer Verkleidung lauter Reiz und schöne natur; alle ihre Züge waren unschuldige ländliche Freude; ihr Kleid von hellblauem Taft, mit schwarzen Streifen eingefasst, gab der ohnehin schlanken griechischen Bildung ihres Körpers ein noch feineres Ansehen und den Beweis, dass sie gar keinen erkünstelten Putz nötig habe. Alle ihre Wendungen waren mit Zauberkräften vereinigt, die das neidische Auge der Damen und die begierigen Blicke aller Mannsleute an sich hefteten. Ihre Haare, schön geflochten und mit Bändern zurückgebunden, um nicht auf der Erde zu schleppen, gaben mir die idee, sie einst in der Gestalt der Miltonischen Eva zu sehen, wenn ich ihr Adam sein werde. Sie war munter und sprach mit allen Damen auf das gefälligste. Ihre Tante und die Gräfin F* überhäuften sie mit Liebkosungen, sie dachten dadurch das Mädchen in der muntern Laune zu erhalten, in welcher sie ihre gefälligkeit auch auf den Fürsten ausbreiten könnte.
Seimour fühlte die ganze Macht ihrer Reizungen, verbarg aber, nach der politischen Verabredung mit seinem onkel, seine Liebe unter einem Anfall von Spleen, der den sauertöpfischen Kerl, stumm und unruhig, bald unter diesen, bald unter jenen Baum führte, wohin ihm fräulein C*, als seine Bäuerin, wie ein Schatten folgte. Meine leidenschaft kostete mich herkulische Mühe, sie im Zügel zu halten; aber schweigen konnte ich nicht, sondern haschte jede gelegenheit, wo ich an dem fräulein von Sternheim vorbeigehen und ihr auf englisch etwas Bewunderndes sagen konnte. Aber etlichemal hätte ich sie zerquetschen mögen, da ihre Blicke, wiewohl nur auf das flüchtigste, mit aller Unruh der Liebe nach Seimour gerichtet waren. Endlich entschlüpfte sie unter dem volk, und wir sahen sie auf die tür des Gartens vom Pfarrhofe zueilen; man beredete sich darüber, und ich blieb an der Ecke des kleinen Milchhauses stehen, um sie beim Zurückkommen zu beobachten. Ehe eine Viertelstunde vorbei war, kam sie heraus. Die schönste Karminfarbe und der feinste Ausdruck des Entzückens war auf ihrem Gesicht verbreitet. Mit leutseliger Güte dankte sie für die Bemühung etlicher Zuseher, die ihr Platz geschafft hatten. Niemals hatte ich sie so schön gesehen als in diesem Augenblick, sogar ihr gang schien leichter und angenehmer als sonst. Jedermann hatte die Augen auf sie gewandt; sie sah es; schlug die ihre zur Erden und errötete ausserordentlich. In dem nämlichen Augenblick kam der Fürst auch mitten durch das Gedränge des volkes aus dem Pfarrgarten heraus. Nun hättest du den Ausdruck des Argwohns und des boshaften Urteils der Gedanken über die Zusammenkunft der Sternheim mit dem Fürsten sehen sollen, der auf einmal in jedem spröden, koketten und devoten Affengesicht sichtbar wurde; und die albernen Scherze der Mannsleute über die Röte, da sie der Fürst mit Entzücken betrachtete. Beides wurde als ein Beweis ihrer vergnügten Zusammenkunft im Pfarrhaus aufgenommen, und alle sagten sich ins Ohr: wir seien das fest der Übergabe dieser für unüberwindlich gehaltenen Schönen. Die reizende Art, mit welcher sie dem Fürsten etwas Erfrischung brachte; die Bewegung, mit der er aufstund, ihr entgegenging und bald ihr gesicht, bald ihre Leibesgestalt mit verzehrenden Blicken ansah, und nachdem er den Sorbet getrunken hatte, ihr den Teller wegnahm und dem jungen F* gab, sie aber neben