Reizendes an andern ihres Geschlechts gesehen, ist nichts gegen den einnehmenden Ausdruck von Empfindung, der über ihre ganze person ausgegossen war. Kaum konnte ich dem glühenden Verlangen widerstehen, sie in meine arme zu schliessen. Aber ganz zu schweigen war mir unmöglich. Ich fasste eine ihrer hände mit einem arme, der vor Begierde zitterte, und sagte ihr auf englisch: ich weiss nicht mehr was; aber die Wut der Liebe muss aus mir gesprochen haben; denn ein ängstlicher Schrecken nahm sie ein und entfärbte sie bis zur Totenblässe. Da war's Zeit mich zu erholen, und ich befliss mich, den ganzen übrigen Abend recht ehrerbietig und gelassen zu sein. Mein Täubchen ist noch nicht kirre genug, um das Feuer meiner leidenschaft in der Nähe zu sehen. Dieses loderte die ganze Nacht in meiner Seele; keinen Augenblick schlief ich; immer sah ich das fräulein vor mir, und meine Hand schloss sie zwanzigmal mit der nämlichen Heftigkeit zu, mit welcher ich die ihrige gefasst hatte. Rasend dachte ich, sehnsucht und Liebe in ihr gesehen zu haben, die einen Abwesenden zum Gegenstand hatten; aber ich schwur mir, sie mit oder ohne ihre Neigung zu besitzen. Wenn sie Liebe, feurige Liebe für mich bekömmt, so kann es sein, dass sie mich fesselt; aber auch kalt soll sie mein Eigentum werden.
Der Morgen kam und fand mich wie einen tollen brennenden Narren mit offener Brust und Verstörten Gesichtszügen am Fenster. Der Spiegel zeigte mich mir unter einer Satansgestalt, die fähig gewesen wäre, das gute furchtsame Mädchen auf immer vor mir zu verscheuchen. wild über die Gewalt, so sie über mich gewonnen, und entschlossen, mich dafür schadlos zu halten, warf ich mich aufs Bette und suchte einen Ausweg aus diesem Gemische von neuen Empfindungen und meinen alten grundsätzen zu finden. Geduld brauchte es auf dem langweiligen Weg, den ich vor mir sah; weil ich nicht wissen konnte, dass der Nachmittag mir zu einem grossen Sprung helfen würde. Als ich wieder in ihre Gesellschaft kam, war ich lauter Sanftmut und Ehrfurcht; das fräulein stille und zurückhaltend. Nach dem Essen liess man uns junge Leute wieder gehen, weil die Tante und die Gräfin F* die Karte noch vollends zu mischen hatten, mit welcher sie das fräulein dem Fürsten zuspielen wollten. Nach unserer Abrede vom vorigen Tage gingen wir in das Dorf. Als wir gegen das Wirtshaus kamen, wo meine Leute einquartieret waren, begegnete uns ein kleiner Wagen mit einer Frau und Kindern beladen, der langsam vorbeiging und uns hinderte vorzukommen. Meine Sternheim sieht die Frau starr an, wird rot, nachdenklich, betrübt, alles schier in einem Anblick, und sieht dem Wagen melancholisch nach. Dieser hält an dem wirtshaus, die Leute steigen aus; die Blicke des Fräuleins sind unbeweglich auf sie geheftet; Unruhe nimmt sie ein; sie sieht mich und das fräulein R* an, wendet die Augen weg, endlich legt sie ihre Hand auf meinen Arm, und sagt mir auf englisch mit einem verschönerten gesicht und bittender zärtlicher stimme: "Lieber Lord, unterhalten Sie doch das fräulein R* einige Augenblicke hier, ich kenne diese Frau und will ein paar Worte mit ihr reden." Ich stutzte, machte eine einwilligende Verbeugung und küsste den Platz meines Rocks, wo ihre Hand gelegen war und mich sanft gedrückt hatte. Sie sieht dieses. Brennendrot und verwirrt eilt sie weg. Was T- dachte ich, muss das Mädchen mit dem weib haben; sie mag wohl irgend einmal Briefträgerin oder sonst eine dienstfertige Kreatur in einem verborgenen Liebeshandel gewesen sein. Gestern nach meiner zärtlichen Anrede war das Mädchen stutzig; heute den ganzen Tag trocken, hoch, sah mich kaum an; ein Bettelkarrn führt eine Art Kupplerin herbei, und ihre Gesichtszüge verändern sich, sie hat mit sich zu kämpfen, und endlich werde ich der liebe Lord, auf den man die schöne Hand legt, seinen Arm zärtlich drückt, die stimme, den blick beweglich macht, um zu einer ungehinderten Unterredung mit diesem weib zu kommen. Hm! Hm! wie sieht's mit dieser strengen Tugend aus? Ich hätte das fräulein R* in der Mistpfütze ersäufen mögen, um mich in dem wirtshaus zu verbergen und zuzuhören. Diese sieht der Sternheim nach; und sagt: "Was macht das fräulein in dem wirtshaus?" Ich antwortete kurz: sie hätte mir gesagt, dass sie diese Bettelfrau kenne und mit ihr etwas zu reden hätte. Sie lacht, schüttelt den Kopf mit der Miene des Affengesichts, das lang über die Vorzüge der Freundin neidisch war, nichts tadeln konnte, und nun eine innerliche Freude über den Schein eines Fehlers fühlte. "Es wird wohl eine alte gute Bekanntin vom dorf P. sein", zischte die Natter, mit einem Ansehen, als ob sie ganz unterrichtet wäre. Ich sagte ihr: ich wollte einen meiner Leute horchen lassen, denn ich wäre selbst über diesen Vorgang in Erstaunen; schickte auch einen nach ihr und suchte indessen die R* folgends auszulocken: was sie wohl von fräulein Sternheim denke?
"Dass sie ein wunderliches Gemische von bürgerlichem und adeligem Wesen vorstellt und ein wunderlich Gezier von Delikatesse macht, die sie doch nicht souteniert. Denn was für ein Bezeugen von einer person vom stand ist das, von einer Dame und einem Kavalier wegzulaufen, um – ich weiss nicht, wie ich sagen soll – eine Frau zu sprechen, die sehr schlecht aussieht und die vielleicht am besten die Art angeben