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diese Brust bewegt und diesen Ausdruck von zärtlicher Empfindung in diese Gesichtszüge legt, wie gross wird das Glück des Mannes sein, der – –"

Meine Verwirrung, die Art von Furcht, die er mir gab, war ebenso sichtbar als meine vorige Bewegungen; sogleich hielt er in seiner Rede inne, zog seine Hand ehrerbietig zurück und suchte in allem seinem Bezeugen den Eindruck von Heftigkeit seines Charakters zu mildern, den er mir gegeben hatte.

Wir gingen in die Hauptgasse des schönen Dorfs; da wir in der Hälfte waren, mussten wir einem Karrn ausweichen, der hinter uns gefahren kam. Er war mit einer dichten Korbflechte bedeckt, doch sah man eine Frau mit drei ganz jungen Kindern darin. Die rührende Traurigkeit, die ich auf dem gesicht der Mutter erblickte, das blasse, hagere Aussehen der Kinder, die reinliche, aber sehr schlechte Kleidung von allen zeugte von Armut und Kummer dieser kleinen Familie. Mein Herz wurde bewegt; die Vorstellung ihrer Not und die Begierde zu helfen wurden gleich stark. Froh, sie an dem wirtshaus absteigen zu sehen, bedacht ich mich nicht lange. Ich gab vor, ich kennte diese Frau und wollte etwas mit ihr reden, und bat den Lord Derby, das fräulein R. zu unterhalten, bis ich wiederkäme. Er sah mich darüber mit einem ernstaften Lächeln an und küsste den teil seines Ärmels, wo ich im Eifer meine Hand auf seinen Arm gelegt hatte. Ich errötete und eilte zu der armen Familie.

Bei dem Eintritt in das Haus fand ich alle im gang an einer Stiege sitzen; die Frau mit weinenden Augen beschäftigt, aus einem kleinen Sack ein seiden Halstuch und eine Schürze zu nehmen, die sie der Wirtin zu kaufen anbot, um Geld genug zu bekommen, den Fuhrmann zu bezahlen. Zwei Kinder riefen um Brot und Milch; ich fasste mich, so äusserst gerührt ich war, näherte mich und sagte der armen Frau mit der Miene einer Bekannten, es wäre mir lieb, sie wiederzusehen. Ich tat dieses, um ihr die Verwirrung zu vermeiden, die ein empfindliches Herz fühlt, wenn es viele Zeugen seines Elends hat, und weil der Unglückliche eine Art von achtung, so ihm Angesehene und Begüterte erweisen, auch als einen teil Wohltat aufnimmt. Ich sagte der Wirtin, sie sollte mir ein Zimmer anweisen, in welchem ich mit der Frau allein reden könnte, und bestellte, den Kindern ein Abendbrot zurechte zu machen. Während ich dieses sagte, machte die Wirtin ein Zimmer auf, und die gute arme Frau stunde mit ihrem kleinen Kind im Arm da und sah mich mit fremdem Erstaunen an. Ich reichte ihr die Hand und bat sie, in das Zimmer zu gehen, wohin ich die zwei ältern Kinder führte. Da ich die tür zugemacht, leitete ich die zitternde Mutter zu einem Stuhl, mit dem Zeichen, sich zu setzen, bat sie, ruhig zu sein und mir zu vergeben, dass ich mich ihr so zudringe. Ich wollte auch nicht unbescheiden mit ihr handeln; sie solle mich für ihre Freundin ansehen, die nichts anders wünsche, als ihr an einem fremden Orte nützlich zu sein. Eine Menge Tränen hinderten sie zu reden, dabei sah sie mich mit einem von Hoffnung und Jammer bezeichneten gesicht an.

Ich reichte ihr wehmütig die Hand. "Sie leiden für Sie und Ihre Kinder unter einem harten Schicksal", sagte ich; "ich bin reich und unabhängig, mein Herz kennt die Pflichten, welche Menschlichkeit und Religion den Begüterten auflegen; gönnen Sie mir das Vergnügen, diese Pflichten zu erfüllen und Ihren Kummer zu erleichtern." Indem ich dieses sagte, nahm ich von meinem Gelde, bat sie, es anzunehmen und mir den Ort ihres Aufentalts zu sagen. Die gute Frau rutschte von ihrem stuhl auf die Erde und rief mit äusserster Bewegung aus:

"O Gott, was für ein edles Herz lässt du mich antreffen!"

Die zwei grösseren Kinder liefen der Mutter zu, fielen um ihren Hals und fingen an zu weinen. Ich umarmte sie, hob sie auf, umfasste die Kinder und bat die Frau, sich zu fassen und stille zu reden. Es sollte hier niemand als ich ihr Herz und ihre Umstände kennen; sie sollte glauben, dass ich mich glücklich achten würde, ihr Dienste zu beweisen; voritzt aber wollte ich nichts als den Ort ihres Aufentalts wissen und ihr meinen Namen aufschreiben, welches ich auch sogleich mit Reissblei tat und ihr das Papier überreichte.

Sie sagte mir, dass sie wieder nach D*, wo ihr Mann wäre, zurückginge, nachdem sie von einem Bruder, zu dem sie Zuflucht hätte nehmen wollen, abgewiesen worden wäre. Sie wollte mir alle Ursachen ihres Elends aufschreiben und sich dann meiner Güte in Beurteilung ihrer Fehler empfehlen. Nach diesem las sie mein Papier. "Sind Sie das fräulein von Sternheim? O was ist der heutige Tag für mich? Ich bin die Frau des unglücklichen Rats T. Wenn Sie mich Ihrer Tante, der Gräfin L. nennen, so verliere ich vielleicht Ihr Mitleiden; aber verdammen Sie mich nicht ungehört!" – Dies sagte sie mit gefalteten Händen. Ich versprach es ihr gerne, umarmte sie und die Kinder und nahm Abschied mit dem Verbot, dass sie nichts von mir reden und die Wirtin glauben lassen sollte, dass wir einander kenneten. Im Weggehen befahl ich der Wirtin, der Mutter und den Kindern gute Betten, Essen und den folgenden Morgen eine gute Kutsche