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des Stils, das Ungewöhnliche einiger Redensarten und Wendungen und überhaupt den Mangel einer vollkommnern Abglättung und Rundungeinen Mangel, dem ich nicht anders als auf Unkosten dessen, was mir eine wesentliche Schönheit der Schreibart meiner Freundin schien, abzuhelfen gewusst hättereichlich zu vergüten scheinen. Sie werden die Beobachtung machen, dass unsre Sternheim, ungeachtet die Vorteile ihrer Erziehung bei aller gelegenheit hervorschimmern, dennoch ihren Geschmack und ihre Art zu denken, zu reden und zu handeln mehr der natur und ihren eigenen Erfahrungen und Bemerkungen als dem Unterricht und der Nachahmung zu danken habe; dass es eben daher komme, dass sie so oft anders denkt und handelt als die meisten Personen ihres Standes; dass dieses Eigene und Sonderbare ihres Charakters und vornehmlich der individuelle Schwung ihrer Einbildungskraft natürlicherweise auch in die Art, ihre Gedanken einzukleiden oder ihre Empfindungen auszudrücken, einen starken Einfluss haben müsse; und dass es eben daher komme, dass sie für einen Gedanken, den sie selbst gefunden hat, auch selbst auf der Stelle einen eigenen Ausdruck erfindet, dessen Stärke der Lebhaftigkeit und Wahrheit der anschauenden Begriffe angemessen ist, aus welchen sie ihre Gedanken entwickelt; – und sollten die Kenner nicht geneigt sein mit mir zu finden, dass eben diese völlige Individualisierung des Charakters unsrer Heldin einen der seltensten Vorzüge dieses Werkes ausmacht, gerade denjenigen, welchen die Kunst am wenigsten und gewiss nie so glücklich erreichen würde, als es hier, wo die natur gearbeitet hat, geschehen ist? Kurz, ich habe eine so gute Meinung von der feinen Empfindung der Kunstrichter, dass ich ihnen zutraue, sie werden die Mängel, wovon die Rede ist, mit so vielen und so vorzüglichen Schönheiten verwebt finden, dass sie es mir verdenken würden, wenn ich das Privilegium der Damen, welche keine Schriftstellerinnen von Profession sind, zum Vorteil meiner Freundin geltend machen wollte. Und sollten wir uns etwa vor dem feinen und verwöhnten Geschmacke der Weltleute mehr zu fürchten haben als vor den Kunstrichtern? In der Tat, die Singularität unsrer Heldin, ihr Entusiasmus für das sittliche Schöne, ihre besonderen Ideen und Launen, ihre ein wenig eigensinnige Prädilektion für die Mylords und alles, was ihnen gleich sieht und aus ihrem land kommt, und, was noch ärger ist als dies alles, der beständige Kontrast, den ihre Art zu empfinden, zu urteilen und zu handeln mit dem Geschmack, den Sitten und Gewohnheiten der grossen Welt machtscheint ihr nicht die günstigste Aufnahme in der letzteren vorherzusagen. Gleichwohl gebe ich noch nicht alle Hoffnung auf, dass sie nicht, eben darum, weil sie eine Erscheinung ist, unter dem Namen der liebenswürdigen Grillenfängerin, ansehnliche Eroberungen sollte machen können. In der Tat, bei aller ihrer moralischen Sonderlichkeit, welche zuweilen nahe an das Übertriebene, oder was einige Pedanterei nennen werden, zu grenzen scheint, ist sie ein liebenswürdiges Geschöpfe; und wenn auf der einen Seite ihr ganzer Charakter mit allen ihren Begriffen und grundsätzen als eine in Handlung gesetzte Satyre über das Hofleben und die grosse Welt angesehen werden kann: so ist auf der andern ebenso gewiss, dass man nicht billiger und nachsichtlicher von den Vorzügen und von den Fehlern der Personen, welche sich in diesem schimmernden Kreise bewegen, urteilen kann als unsre Heldin. Man sieht, dass sie von Sachen spricht, welche sie in der Nähe gesehen hat, und dass die Schuld weder an ihrem Verstand noch an ihrem Herzen liegt, wenn sie in diesem land, wo die Kunst die natur gänzlich verdrungen hat, alles unbegreiflich findet und selbst allen unbegreiflich ist.

Vergeben Sie mir, meine Freundin, dass ich Ihnen so viel über einen Punkt, worüber Sie Ursache haben sehr ruhig zu sein, vorschwatze. Es gibt Personen, bei denen gar niemals eine Frage sein soll, ob sie auch gefallen werden; und ich müsste mich ausserordentlich irren, wenn unsre Heldin nicht in diese Klasse gehörte. Die naive Schönheit ihres Geistes, die Reinigkeit, die unbegrenzte Güte ihres Herzens, die Richtigkeit ihres Geschmacks, die Wahrheit ihrer Urteile, die Scharfsinnigkeit ihrer Bemerkungen, die Lebhaftigkeit ihrer Einbildungskraft und die Harmonie ihres Ausdrucks mit ihrer eigenen Art zu empfinden und zu denken, kurz, alle ihre Talente und Tugenden sind mir Bürge dafür, dass sie mit allen ihren kleinen Fehlern gefallen wird; dass sie allen gefallen wird, welche dem Himmel einen gesunden Kopf und ein gefühlvolles Herz zu danken haben; – und wem wollten wir sonst zu gefallen wünschen? – Doch der liebste Wunsch unsrer Heldin ist nicht der Wunsch der Eitelkeit; nützlich zu sein, wünscht sie; Gutes will sie tun; und Gutes wird sie tun und dadurch den Schritt rechtfertigen, den ich gewaget habe, sie, ohne Vorwissen und Erlaubnis ihrer liebenswürdigen Urheberin, in die Welt einzuführen. Ich bin, usw.

Der Herausgeber

geschichte des Fräuleins von Sternheim

Erster teil

Sie sollen mir nicht danken, meine Freundin, dass ich so viel für Sie abschreibe. Sie wissen, dass ich das Glück hatte, mit der vortrefflichen Dame erzogen zu werden, aus deren Lebensbeschreibung ich Ihnen Auszüge und Abschriften von den Briefen mitteile, welche Mylord Seimour von seinen englischen Freunden und meiner Emilia sammelte. Glauben Sie, es ist ein Vergnügen für mein Herz, wenn ich mich mit etwas beschäftigen kann, wodurch das geheiligte Andenken der Tugend und Güte einer person, welche unserm Geschlechte und der Menschheit Ehre gemacht, in mir erneuert wird.

Der Vater meiner geliebten Lady Sidnei war der Oberste von Sternheim, einziger Sohn eines Professors in W.,