meine Zärtlichkeit zu zeigen, weil der Graf F. ohnehin befürchtet, man werde Mühe mit ihr haben? Doch behauptet er, dass sie deswegen an den Hof geführt worden sei. Ich zeigte meinem onkel alle Verachtung, die ich wegen dieser idee auf den Grafen Löbau, ihren onkel geworfen; ich wollte das fräulein von dem abscheulichen Vorhaben benachrichtigen und bat Mylorden fussfällig, mir zu erlauben, durch meine Vermählung mit ihr, ihre Tugend, ihre Ehre und ihre Annehmlichkeiten zu retten. Er bat mich, ihn ruhig anzuhören, und sagte mir; er selbst verehre das fräulein und sei überzeugt, dass sie das ganze schändliche Vorhaben zernichten werde; und er gab mir die Versicherung, dass, wenn sie ihrem würdigen Charakter gemäss handle, er sich ein Vergnügen davon machen wolle, ihre Tugend zu krönen. "Aber solange der ganze Hof sie als bestimmte Mätresse ansieht, werde ich nichts tun. Sie sollen keine Frau von zweideutigem Ruhme nehmen; halten Sie sich an das fräulein C*, durch diese können Sie alles von den Gesinnungen der Sternheim erfahren: ich will Ihnen von den Unterhandlungen Nachricht geben, die der Graf F. auf sich genommen hat. Alle Züge des Charakters der fräulein geben mir Hoffnung zu einem Triumphe der Tugend. Aber er muss vor den Augen der Welt erlangt werden."
– Mein Oheim erregte in mir die Begierde, den Fürsten gedemütigt zu sehen, und ich stellte mir den Widerstand der Tugend als ein entzückendes Schauspiel vor. Diese Gedanken brachten mich dahin, meine ganze Aufführung nach der Vorschrift meines Oheims einzurichten. Mylord Derby hat mir einen neuen Bewegungsgrund dazu gegeben. Er sah sie und fasste gleich eine Begierde nach den seltnen Reizungen, die sie hat; denn Liebe kann man seine Neigung nicht nennen. Er ist mir mit seiner Erklärung schon zuvorgekommen; wenn er sie rührt, so ist mein Glück hin; ebenso hin, als wenn sie der Fürst erhielte; dann wenn sie einen Ruchlosen lieben kann, so hätte sie mich niemals geliebt. Aber ich bin elend, höchst elend durch die zärtlichste Liebe für einen würdigen Gegenstand, den ich unglücklicherweise mit den Fallstricken des Lasters umgeben sehe. Die Hoffnung in ihre Grundsätze und die Furcht der menschlichen Schwachheit martern mich wechselsweise. Heute, mein Freund, heute wird sie in der Hofkomödie dem blick des Fürsten zum erstenmal ausgesetzt; ich bin nicht wohl; aber ich muss hingehen, wenn es mir das Leben kosten sollte.
Ich lebe auf, mein Freund, der Graf von F. zweifelt, dass man etwas über den Geist des Fräuleins gewinnen werde.
Mylord befahl mir, mich in der Komödie nahe an ihn zu halten. Das fräulein kam mit ihrer unwürdigen Tante in die Loge der Gräfin F.; sie sah so liebenswürdig aus, dass es mich schmerzte. Eine Verbeugung, die ich zugleich mit Mylord an die drei Damen machte, war der einzige Augenblick, wo ich mir getrauete, sie anzusehen. Bald darauf war der ganze Adel und der Fürst selbst da, dessen lüsternes Auge sogleich auf die Loge der Gräfin F. gewendet war; das fräulein verbeugte sich mit so vieler Anmut, dass ihn auch dieses hätte aufmerksam machen müssen, wenn es ihre übrige Reize nicht getan hätten. Er redete sogleich mit dem Grafen F. und sah wieder auf das fräulein, die er jetzt besonders grüsste. Alle Augen waren auf sie geheftet, aber eine kleine Weile darauf verbarg sich das fräulein halb hinter der Gräfin F. Die Opera ging an; der Fürst redete viel mit F., der endlich in die Loge seiner Gemahlin ging, um Mylorden und den Gräfinnen zu verweisen, dass sie dem fräulein den Platz wegnähmen, da sie beide das Spiel schon oft, das fräulein aber es noch niemals gesehen hätte.
Die Damen sein nicht Ursache, Herr Graf, sagte das fräulein, etwas ernstaft; "ich habe diesen Platz gewählt, ich sehe genug und gewinne dabei das Vergnügen, weniger gesehen zu werden."
"Aber Sie berauben so viele des Vergnügens, Sie zu sehen." Darüber hätte sie nur eine Verbeugung gemacht, die an sich nichts als Geringschätzigkeit seines Kompliments angezeigt habe. Er hätte ihre Meinung von der Komödie begehrt; darauf hätte sie wieder mit einem ganz eignen Ton gesagt: Sie wundere sich nicht, dass diese Ergötzlichkeit von so vielen Personen geliebt würde.
"Ich wünsche aber zu wissen, wie es Ihnen gefällt, was Sie davon denken? Sie sehen so ernstaft."
"Ich bewundere die vereinigte Mühe so vieler Arten von Talente."
"Ist das alles, was Sie dabei tun, empfinden Sie nichts für die Heldin oder den Helden?"
"Nein, Herr Graf, nicht das geringste", hätte Sie mit Lächeln geantwortet.
Man speiste bei der Fürstin von W*; der Fürst, die Gesandtschaften und übrigen Fremde, worunter der Graf Löbau, onkel des fräulein Sternheims, auch gerechnet wurde. Die Gräfin F* stellte das fräulein mit vielem Gepränge dem Fürsten vor. Dieser affektierte, viel von ihrem Vater zu sprechen. Das fräulein soll kurz und in einem gerührten Tone geantwortet haben. Die Tafel war vermengt, immer ein Kavalier bei einer Dame. Graf F., ein Neffe des Ministers, war an der Seite des Fräuleins, welche gerade so gesetzt wurde, dass sie der Fürst im Gesicht hatte; er sah sie unaufhörlich an. Ich nahm mich in acht, nicht oft nach dem fräulein zu sehen; doch bemerkte