sich um ihren Putz gab, und hörte Hoferzählungen an, die mir missfielen; Ehrgeiz, und liebes-Intrigen, Tadel, Satyren, aufgetürmte Ideen zu dem Glücksbau meines Oncles. "Sei doch recht gefällig gegen die Gräfin F.", setzte sie hinzu; "du kannst deinem onkel grosse Dienste tun und selbst ein ahnsehnliches Glück machen."
"Dies sehe und wünsche ich nicht, meine Tante; aber was ich für Sie tun kann, soll geschehen."
"Liebste Sophie, du bist eines der reizendsten Mädchen; aber der alte Pfarrer hat dir eine Menge pedantische Ideen gegeben, die mich plagen. Lass dich ein wenig davon zurückbringen."
"Ich bin überzeugt, meine Frau Tante, dass das Hofleben für meinen Charakter nicht taugt; mein Geschmack, meine Neigungen gehen in allem davon ab; und ich bekenne Ihnen, gnädige Tante, dass ich froher abreisen werde, als ich hergekommen bin."
"Du kennest ja den Hof noch nicht; wenn der Fürst kommt, dann lebt alles auf. Dann will ich dein Urteil hören! und mache dich nur gefasst; du kömmst vor künftigem Frühjahr nicht aufs Land."
"O ja, meine gnädige Tante, auf den Herbst gehe ich zur Gräfin R., sobald sie zurückgekommen sein wird."
"Und mein Wochenbette soll ich allein ohne dich halten müssen?"
Sie sah mich zärtlich an, indem sie dies sagte, und reichte mir die Hand. Ich küsste ihre Hand, versicherte sie, bei ihr zu bleiben, wenn diese Zeit käme.
Vor der Tafel ging ich in mein Zimmer. Da fand ich mein Büchergestelle leer: "Was ist dies, Rosine?" Der Graf, sagte sie, wäre gekommen, und hätte alles wegnehmen lassen. Es wäre ein Spass von der Gräfin, hätte er gesagt.
Ein unartiger Spass, der sie nichts nützen wird! denn ich will desto mehr schreiben; neue Bücher will ich nicht kaufen, um sie nicht über meinen Eigensinn böse zu machen. O wenn nur meine Tante R. bald käme! Zu dieser, Emilia, zu dieser geh ich mit Vergnügen. Sie ist zärtlich, ruhig, sucht und findet in den Schönheiten der natur, in den Wissenschaften und in guten Handlungen das Mass von Zufriedenheit, das man hier sucht, wo man es nicht Endet, und darüber das Leben vertändelt.
Mein fräulein C* hat Lektion im Englischen angenommen; ich denke, sie wird es bald lernen. Sie weiss schon viele, lauter zärtliche Redensarten, an denen ich den Lehrmeister erkenne. Sie hat mit uns gespeist. Ich klagte meine Tante, über ihren Bücherraub, im Scherz an. Das fräulein stunde ihr bei: "Das ist gut ausgedacht", sagte sie, "wir wollen sehen, was der Geist unsrer Sternheim macht, wenn sie ohne Führer, ohne Ausleger, mit uns lebt." Ich lachte mit und sagte: "Ich verlasse mich auf den rechtschaffenen Gelehrten, der einmal sagte: Die Empfindungen der Frauenzimmer wären oft richtiger, als die Gedanken der Männer."2 – Darauf erhielt ich die Erlaubnis zu arbeiten. Ich sagte, es wäre mir unmöglich, am Putztisch immer zuzusehen, nachmittags allezeit zu spielen oder müssig zu sein; und es wurde eine schöne Tapetenarbeit angefangen, woran ich sehr fleissig zu sein gedenke.
Morgen kommt der Fürst und der ganze Hof mit ihm; diesen Abend sind die fremden Ministers angekommen. Mylord G. besuchte uns noch spät und brachte Mylord Seimour nebst einem andern Engländer, Lord Derby genannt, mit, den er als einen Vetter vorstellte, der durch ihn und Lord Seimour ein grosses Verlangen bekommen, mich zu sehen, besonders weil ich eine halbe Landsmännin von ihm wäre. Lord Derby redete mich sogleich auf englisch an. Er ist ein feiner Mann von ungemein vielem Geist und angenehmen Wesen. Man bat diese Herren zum Abendessen; es wurde freudig angenommen, und meine Tante schlug vor, im Garten zu speisen, weil Mondschein sein würde und der Abend schön sei.
Gleich war der kleine Saal erleuchtet, und meine Tante fing bei der tür, da sie mit Mylord G. hinausging, ganz zärtlich an: "Sophie, meine Liebe, deine Laute bei Mondschein wäre recht vielen Dank wert."
Ich befahl, sie zu holen! Lord Derby gab mir die Hand, Seimour war schon mit dem fräulein C* voraus. Der kleine Saal war am Ende des Gartens, unmittelbar am Flusse, so dass man lange zu gehen hatte. Lord Derby unterhielt mich mit einem ehrerbietigen Ton von lauter schmeichelhaften Sachen, die er von mir gehört hätte. Mein onkel kam zu uns, und wie wir kaum etliche Schritte über den halben Weg waren, stiess er mich mit dem arme und sagte: "Seht, seht, wie der trockne Seimour bei Mondschein so zärtlich die hände küssen kann!" Ich sah auf; und, liebe Emilia, es dünkte mich, ich fühlte einen Schauer. Es mag von der kühlen Abendluft gekommen sein; weil wir dem wasser ganz nahe waren. Aber da mich ein Zweifel darüber ankam, als ob dieser Schauer zweideutig wäre, weil ich ihn nur in diesem Augenblick empfand, so mussten Sie es wissen.
Der junge Graf F., Neveu des Ministers, kam auch noch, und da er den Bedienten, der die Laute trug, angetroffen und gefragt hatte, für wen? nahm er sie und klimperte