Gemahlin führte ihn zu mir; "da reden Sie selbst mit meinem Liebling", sprach sie, "und sagen: ob ich unrecht habe, mir eine solche Tochter zu wünschen?" Er sagte mir sehr viel Höfliches; beobachtete mich aber dabei mit einer Aufmerksamkeit, die mich sonderbar dünkte und mich beinahe aus aller Fassung brachte.
Mylord Seimour hatte an der Tafel seinen Platz zwischen dem fräulein C* und mir bekommen, sich meistens nur mit uns unterhalten, auch beim Kaffee uns beide mit der liebenswürdigsten Galanterie bedient, englische Verse auf Karten geschrieben und mich gebeten, sie dem fräulein zu übersetzen. Wie die Gräfin F. ihren Gemahl zu ihr führte, entfernten sich beide in etwas und redeten lang an einem andern Fenster. Der Graf begab sich von mir zu Mylord G. und nahm im Weggehen Mylord Seimour am Arm mit sich zu dem ersten hin. Das fräulein C* und ich gingen, die mit Gemälden und Kupferstichen ausgezierten Zimmer zu besehen, bis man uns zum Spielen holte. In der Zwischenzeit redeten Graf F. und Mylord G. mit mir von meinem Vater, welchen F. sehr wohl gekannt hatte, und von meiner Grossmutter Watson, die er gleich bei ihrer Ankunft gesehen hatte und von welcher er behauptete, dass ich viele Ähnlichkeiten mit ihr hätte. Mylord S. war neben dem fräulein C*, sah ernstaft und nachdenklich aus, und es schien mir, als ob seine Augen einigemal mit einer Art von Schmerzen auf mich und die beiden Herren geheftet wären. Das Getrippel vieler Leute, das man auf einmal in der Strasse hörete, machte alles an die Fenster laufen. Ich ging an das, wo Mylord Seimour und das fräulein C* stunden. Es waren Leute, die von einer kleinen, aber sehr artig angestellten Spazierfahrt des Fürsten auf dem wasser zurücke kamen, welche zu sehen sie haufenweise gegangen waren. Da ich sehr viele in armseliger Gestalt und Kleidung und uns hingegen in möglichster Pracht und die Menge Goldes auf den Spieltischen zerstreut sah, das fräulein C* aber von einem dergleichen Festin erzählte, dessen Aufwand berechnete und auch die unzählige Menge volkes anführte, die von allen Orten herzugelaufen, es zu sehen, kam ich in Bewegung und sagte: "O wie wenig bin ich für diese Ergötzlichkeiten geschaffen!"
"Warum das? wenn Sie es einmal sehen, werden Sie ganz anders denken." (Mylord Seimour war die ganze Zeit still und kalt.) "Nein, meine liebe C*, ich werde nicht anders denken, sobald ich die Pracht des Festins, des Hofes, das auf den Spieltischen verschleuderte Gold neben einer Menge Elender, welche Hunger und Bedürfnis im abgezehrten gesicht und in den zerrissnen Kleidern zeigen, sehen werde! Dieser Kontrast wird meine Seele mit Jammer erfüllen; ich werde mein eigenes glückliches Aussehen und das von andern hassen; der Fürst und sein Hof werden mir eine Gesellschaft unmenschlicher Personen scheinen, die ein Vergnügen in dem unermesslichen Unterschied finden, der zwischen ihnen und denenjenigen ist, die ihrem Übermut zusehen."
"liebes, liebes Kind; was für eine eifrige Strafpredigt halten Sie da!" sagte das fräulein; "reden Sie nicht so stark!"
"Liebe C*, mein Herz ist aufgewallt. Die Gräfin F. machte gestern so viel Rühmens von der grossen Freigebigkeit des Fürsten; und heute sehe ich so viele Unglückliche!"
Das fräulein hielt meine hände; "st, st." – Mylord Seimour hatte mich mit ernstem, unverwandtem blick betrachtet und erhob seine Hand gegen mich: "Edles, rechtschaffenes Herz!" sagte er. "fräulein C*, lieben Sie Ihre Freundin, Sie verdient's! Aber", setzte er hinzu, "Sie müssen den Fürsten nicht verurteilen; man unterrichtet die grossen Herren sehr selten von dem wahren Zustande ihrer Untertanen."
"Ich will es glauben", versetzte ich; "aber Mylord, stand nicht das Volk am Ufer, wo die Schiffahrt war? Hat der Fürst nicht Augen, die ihm ohne fremden Unterricht tausend Gegenstände seines Mitleidens zeigen konnten? Warum fühlte er nichts dabei?"
"Teures fräulein; wie schön ist Ihr Eifer! Zeigen Sie ihn aber nur bei dem fräulein C*."
Hier rief Mylord G. seinen Neffen ab, und kurz darauf gingen wir nach haus.
Heute spielte meine Tante eine seltsame Szene mit mir. Sie kam, sobald ich angezogen war, in mein Zimmer, wo ich schon bei meinen Büchern sass. "Ich bin eifersüchtig auf deine Bücher", sagte sie, "du stehst früh auf und bist gleich angezogen; da könntest du zu mir kommen; du weisst, wie gern ich mich mit dir unterrede. Dein onkel ist immer mit seinen düstern Prozesssachen geplagt; ich arme Frau muss schon wieder an ein Wochenbette denken, und du unfreundliches Mädchen bringst den ganzen Morgen mit deinen trocknen Moralisten hin. Schenke mir die Stunde, und gib mir deine ernstaften Herren zum Unterpfand."
"Meine Tante, ich will gerne zu Ihnen kommen; aber meine besten Freunde kann ich nicht von mir entfernt wissen."
"Komme immer mit, wir wollen in meinem Zimmer zanken."
Sie setzte sich an ihren Putztisch; da hatte ich auf eine Viertelstunde Unterhalt mit ihren beiden artigen Knaben, die um diese Tagszeit die Erlaubnis haben, ihre Mama zu sehen. Aber sobald sie fort waren, so blieb ich recht einfältig da sitzen, sah der ausserordentlichen Mühe zu, die sie