gegen dem fräulein von C*), nach dem entschlossnen Ton Ihrer verehrungswürdigen Freundin, dass sie diese Ruhe behalten wird, wenn auch hier Tausende durch sie in Unruh gesetzt würden."
Da er mich nicht ansah, als er dies sagte, und das fräulein nur lächelte, so blieb ich auch stille; denn einmal fühlte ich bei dieser Höflichkeit eine Verwirrung, die ich ungern möchte gezeigt haben; und dann wollte ich ihn nicht länger mit mir in ein gespräche halten, sondern seiner ältern Freundin den billigen Vorzug lassen; zumal, da er sich ganz beflissen gegen sie gewendet hatte.
Sie sagen, ich höre es: warum ältere Freundin, Waren Sie denn auch schon seine Freundin, Sie, die ihn erst eine halbe Stunde gesehen hatten?
Ja, meine liebe Emilia, ich war seine Freundin, eh ich ihn sah; das fräulein C* hatte mit mir von seinem vortrefflichen Charakter gesprochen, ehe er von einer kleinen Reise, die er mit seinem onkel während der Abwesenheit des Fürsten machte, zurückkam, und was ich Ihnen von ihm geschrieben, war nichts anders, als dass ich alles Edle, alles Gute, so mir das fräulein von ihm erzählt, in seiner Physionomie ausgedrückt sah.
Noch mehr, Emilia, rührte mich die tiefsinnige Traurigkeit, mit welcher er sich an den Pfeiler des Fensters setzte, wo wir beide auf der kleinen Bank waren, und unsre Unterredung fortführten. Ich deutete dem fräulein C* auf ihren Freund und sagte leise: "Geschieht dies oft?"
"Ja, dies ist Spleen."
Sie machte mir hierauf allerlei fragen über die Art von Zeitvertreiben, welche ich mir, im Ernst, auf dem land machen könnte. Ich erzählte ihr kurz, aber mit vollem Herzen, von den seligen Tagen meiner Erziehung und von denen, welche ich in dem geliebten haus meines Pflegvaters zugebracht, und versicherte sie: dass ihre person und Freundschaft das einzige Vergnügen sei, welches ich in D. genossen hätte. Sie drückte mir zärtlich die Hand und bezeugte mir ihre Zufriedenheit. Ich fuhr fort und sagte, ich könnte das Wort Zeitvertreib nicht leiden; einmal, weil mir in meinem Leben die Zeit nicht einen Augenblick zu lang worden wäre (auf dem land, raunte ich ihr ins Ohr), und dann, weil es mir ein Zeichen einer unwürdigen Bewegung der Seele zu sein scheine. Unser Leben ist so kurz, wir haben so viel zu betrachten, wenn wir unsre wohnung, die Erde, kennen, und so viel zu lernen, wenn wir alle Kräfte unsers Geistes (die uns nicht umsonst gegeben sind) gebrauchen wollen; wir können so viel Gutes tun – dass es mir einen Abscheu gibt, wenn ich von einer Sache reden höre, um welche man sich selbst zu betrügen sucht.
"Meine Liebe, Ihre Ernstaftigkeit setzt mich in Erstaunen, und dennoch höre ich Sie mit Vergnügen. Sie sind in Wahrheit, wie die Prinzessin sagte, eine ausserordentliche person."
Ich weiss nicht, Emilia, wie mir war. – Ich merkte wohl, dass dieser Ton meiner Gedanken gar nicht der wäre, der sich in diese Gesellschaft schickte; aber ich konnte mir nicht helfen. Es hatte mich eine Bangigkeit befallen, eine Begierde, weit weg zu sein, eine innerliche Unruh; ich hätte sogar weinen mögen, ohne eine bestimmte Ursache angeben zu können.
Mylord G. näherte sich schleichend seinem Neffen, fasste ihn beim Arm und sagte: "Seimour, Sie sind wie das Kind, das am rand des Brunnens sicher schläft. Sehen Sie um sich. (Indem er auf uns beide wies.) Bin ich nicht das Glück, das Sie erweckt?"
"Sie haben recht, mein onkel; eine entzückende Harmonie, die ich hörte, nahm mich ein, und ich dachte an keine Gefahr dabei." Während er dies sagte, waren seine Augen mit dem lebhaftesten Ausdruck von Zärtlichkeit auf mich gewendet, so dass ich die meine niederschlug und den Kopf wegkehrte. Darauf sagte Mylord auf englisch: "Seimour, nimm dich in acht, diese Netze sind nicht vergeblich so schön und so ausgebreitet." Ich sah seine Hand, die auf meinen Kopf und meine Locken wies; da wurde ich über und über rot. Die Koketterie, die er mir zuschrieb, ärgerte mich, und ich empfand auch den Unmut, den er haben musste, wenn er hörte, dass ich Englisch verstünde. Ich war verlegen; doch um ihm und mir mehrere Verwirrung zu ersparen, sagte ich ganz kurz: "Mylord, ich verstehe die englische Sprache." Er stutzte ein wenig, lobte meine Freimütigkeit, und Seimour entfärbte sich; doch lächelte er dabei und wandte sich gleich zum fräulein C*. – "Wollen Sie nicht auch Englisch lernen?"
"Von wem?"
"Von mir, gnädiges fräulein, und von dem fräulein von Sternheim; mein onkel hälfe auch Lektionen geben, und Sie sollten bald reden können."
"Niemals so gut als meine Freundin, der es angeboren ist, denn sie ist eine halbe Engländerin." –
"Wie das?" sagte Mylord G., indem er sich zu mir wandte.
"Meine Grossmutter war eine Watson und Gemahlin des Baron P., welcher mit der Gesandtschaft in England war."
Das fräulein C* bat, er möchte Englisch mit mir reden. Er tat es, und ich antwortete so, dass er meine Aussprache lobte und dem