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Sie können hoffen, in unserem haus wechselsweise jede Schattierung von Talenten und Tugenden zu finden, die in dem Kreise von etlichen Meilen um uns wohnen. Und hier hat der Charakter meiner geliebten Lady Seimour einen neuen Glanz dadurch erhalten, dass sie die Verdienste anderer Personen ihres Geschlechts so lebhaft fühlt und schätzt. Mein Bruder ist der beste Ehemann und würdigste Gebieter von etlichen hundert Untertanen geworden; Seligkeit ist in seinem gesicht, wenn er seinen Sohn, an der Brust der besten Frau, Tugend einsaugen sieht; und jeder Tag nimmt etwas von dem lodernden Feuer hinweg, welches in alle seine Empfindungen gedrungen wäre. Er hat die schwere Kunst gelernt, sein Glück zu geniessen, ohne irgend jemand durch ein ausserordentliches Geräusche mit seinem Glücke Schmerzen zu machen. Das einfache, obgleich edle Aussehen unserer Kleidung und unsers Hauses lässt auch die ärmste Familie unserer Nachbarschaft mit Zuversicht und Freude zu uns kommen. Von diesen Familien nimmt Lady Seimour von Zeit zu Zeit ein paar Töchter zu sich und flösst durch Beispiel und liebreiches Bezeugen die Liebe der Tugend und schönen Kenntnisse in sie. Der reizende Entusiasmus von Wohltätigkeit, die lebendige Empfindung des edlen und Guten beseelt jeden Atemzug meiner geliebten Schwester. Sie begnügt sich nicht, gut zu denken; alle ihre Gesinnungen müssen Handlungen werden. Gewiss ist niemals kein inniger Gebet zum Himmel gegangen, als die Danksagung war, welche ich die Lady Seimour für die Empfindsamkeit ihres Herzens und für die Macht, Gutes zu tun, mit tränenden Augen aussprechen hörte. Wieviel Segen, wie viele Belohnung verdienen die, welche uns den Beweis geben, dass alles, was die Moral fodert, möglich sei und dass diese Übungen den Genuss der Freuden des Lebens nicht stören, sondern sie veredeln und bestätigen, und unser wahres Glück zu allen Zufällen des Lebens sind!

Fussnoten

1 Der Verfolg und der ganze Zusammenhang dieser geschichte gibt die Auslegung über diesen Ausdruck. Er soll ohne Zweifel nichts anders sagen, als einen Mann, der dem besonderen Ideal von Tugend und moralischer Vollkommenheit, welches sich in ihrer Seele ausgebildet hatte, bis auf die kleinsten Züge ähnlich wäre. A. d. H. 2 Eine Bemerkung, welche der Herausgeber aus vieler Erfahrung an sich und andern von Herzen unterschreibt. 3 Um die vortreffliche Schreiberin für nichts responsabel zu machen, was nicht wirklich von ihr kommt, gesteht der Herausgeber, dass die in [ ] eingeschlossenen Zeilen von ihm selbst eingeschoben worden, da er das Glück hat, die Dame, deren getreues Bildnis hier entworfen wird, persönlich zu kennen. 4 Ich habe der kleinen Parteilichkeit des fräulein von Sternheim für die englische Nation bereits in der Vorrede als eines Fleckens erwähnt, den ich von diesem vortrefflichen Werke hätte wegwischen mögen, wenn es ohne zu grosse Veränderungen tunlich gewesen wäre. – Wenn wir den weisesten Engländern selbst nesart, als fräulein Sternheim, in England nicht weniger selten als in Deutschland. Doch, hier spricht ein junger Engländer, welcher billig für seine Nation eingenommen sein darf, und ein Entusiast, der das Recht hat, zuweilen unrichtig zu räsonieren. A. d. H. 5 Man kann schwerlich sagen, dass es Gattungen von Blumen oder Pflanzen gebe, welche nur zu Ergötzung des Auges dienten; und, soviel mir bekannt ist, kennt man keine einzige Gattung, welche nicht entweder einen ökonomischen oder offizinalischen Nutzen für den Menschen hätte, oder zum Unterhalt einiger Tiere, Vögel, Insekten und Gewürm diente, folglich in Absicht des ganzen Systems unsers Planeten wirklich einen Nutzen hätte. A. d. H. 6 Es gehöret immer noch viele Einsicht dazu, den Zufall so wohl zu benutzen, und vielleicht mehr, als einen wohlausgedachten Entwurf zu machen. Aber das ist der grosse Haufe nicht fähig zu begreifen: und daher pflegt man ihn immer gerne glauben zu lassen, was seinen Begriffen nach, denen die ihn regieren, die meiste Ehre macht. Die Welt wird nur darum so viel betrogen, weil sie betrogen sein will. A. d. H. 7 Wohlverstanden, dass die Spekulationen der Gelehrten, sobald sie einigen Nutzen für die menschliche Gesellschaft haben, eben dadurch den Wert von guten 8 Herr * * (den wir zu kennen die Ehre haben) hat uns auf Befragen gesagt, seine Meinung sei eigentlich diese gewesen: Er habe an dem fräulein von St. eine gewisse Neigung, über moralische Dinge aus allgemeinen grundsätzen zu räsonieren, Distinktionen zu machen und ihren Gedanken eine Art von systematischer Form zu geben, wahrgenommen und zugleich gefunden, dass ihr gerade dieses am wenigsten gelingen wolle. Ihn habe bedünkt, das, worin ihre Stärke liegt, sei die Feinheit der Empfindung, der Beobachtungsgeist und eine wunderbare und gleichsam zwischen allen ihren Seelenkräften abgeredete Geschäftigkeit derselben, bei jeder gelegenheit die Güte ihres Herzens tätig zu machen; und dieses habe er eigentlich dem fräulein von St. sagen wollen. H. 9 Ich habe so viel Wahres und zugleich dem eigentümlichen Charakter des Geistes der fräulein von St. so Angemessenes in diesem Gleichnisse gefunden, dass ich mich nicht entschliessen konnte, etwas davon zu ändern, ungeachtet ich sehr wohl empfinde, dass das Feuer der Untersuchung und das wasser der Widerwärtigkeit keine Gnade vor der Kritik finden können und wirklich in Bunyans Pilgrimsreise besser an ihrem platz sind als in diesem buch. H. 10 Wenige Leser werden der Erinnerung bedürfen, von St. in den Wegen der Welt ganz natürlich war, für eine wirkung des Zufalls zu halten, was Absicht und Kunst war. An