fort." "Wohin, Leute, wohin", rief ich; "betrügt ihr uns nicht?" "Nein, guter Lord, sie ist bei des Grafen Hoptons Schwester; diese hat sie zu sich genommen und gesagt, wir sollten dem Lord melden, sie wäre tot; wir hatten die Frau lieb und liessen sie gehen; aber wenn es nun der Lord erfährt, so wird er Rache an uns nehmen." Seimour umarmte den Mann mit lautem Freudengeschrei und sagte: "O mein Freund, du sollst mit mir kommen, ich will dich beschützen und belohnen. Wo ist der Graf Hopton? Wie ist dies zugegangen? – Rich – lieber Bruder, Rich, wir wollen gleich abreisen." – Ich versicherte ihn, dass ich ebenso begierig sei wie er, die Dame selbst zu sehen; er solle Anstalten zur Reise machen, ich wollte indessen mit den Leuten reden. Ich beruhigte sie mit dem Verspruch, dass der Lord sie für ihre Liebe zu der Frau selbst belohnen würde; denn er habe gar nicht gerne gehört, dass John so übel mit ihr umgegangen sei; dabei gab ich ihnen eine Handvoll Guineen und fragte sie nach dem Leben und Bezeugen der Dame. O Doktor! wieviel Glanz breitete die einfache abgekürzte Erzählung dieser Leute über die Tugend meiner Freundin aus! Gestern murrte ich über ihr hartes Schicksal; und jetzt möchte ich der Vorsicht für das edle Beispiel danken, welches sie den übrigen Menschen durch die Prüfung dieser grossen Seele gegeben hat. Tief, unauslöschlich sind die Züge ihres Charakters in mein Herz gegraben! – Wir reisen ab. Am fuss des berges schickte ich einen meiner Leute an Lord Derby mit der für ihn gewiss trostvollen Nachricht. Denn da er sich dem Zeitpunkt nähert, wo man alles versäumte Gute möchte einholen und alles verübte Böse auslöschen können: so muss es eine Erquikkung für ihn sein, die Summe seiner Vergehungen um ein so grosses vermindert zu sehen.
Madam Leidens
an Emilia
Tweedale, Sitz des Grafen von Douglas-March
Ich schreibe auf meinen Knien, um meine Dankbarkeit gegen Gott für das entzückende Gefühl von Freiheit, Leben und Freundschaft in kindlicher Demut auszudrücken. O meine geliebte, meine teure Freundin! durch wieviel Schmerzen bin ich gegangen, und wie sehr erfreut es mich, Ihren Kummer und die Sorgen meiner Lady Summers endigen zu können. Morgen schickt die Gräfin Douglas einen Kurier an meine Lady; dieser wird auch gleich mit einem Paket an Ihren Mann nach Harwich abgehen, um ja Ihre Unruhe nicht einen Augenblick zu verlängern. Die Auszüge von meinen mit Reissblei geschriebenen Papieren werden Ihnen zeigen, wie hart und dornicht der Weg war, welchen ich in dem letzteren Jahre zu gehen hatte. Aber wie angenehm ist mir der Ausgang davon geworden, da ich von der Hand der leutseligsten Tugend daraus geführt wurde! Ist dieses nicht die probe, dass ich mich in den Tagen meiner Prüfung der Vorsorge Gottes nicht unwürdig machte, weil sie eine der edelsten Seelen zu meiner hülfe schickte? – Auf meinem letzten Blatte glaubte ich die letzte Nacht meines Lebens angebrochen zu sehen und dachte auch, von der Gräfin Douglas verlassen, zu sterben; aber um elf Uhr kam der Geistliche mit einem Wundarzt und Morgens darauf ein von zwei Pferden getragenes Bette mit der Lady Douglas selbst, die mir auf die liebreichste Art ihr Haus, ihre Vorsorge und Freundschaft anbot. Bald wäre mir das Übermass meiner Freude schädlich geworden; denn indem ich der Lady Hand an meine Brust drückte und von meinem Dank und von meiner Freude sprechen wollte, sank ich zurück; als ich erwachte, baten sie mich, ruhig zu bleiben und sagten, dass sie mit meinen Wirten verabredet hätten, sie sollten ein Grab im Garten aufwerfen und dem Lord Derby wissen lassen, ich wäre tot; die Leute waren es zufrieden, und sie wollte mich nun in des Grafen von Hoptons Haus bringen. Nachmittags um vier Uhr fühlte ich mich stark genug, um aufzustehen, Molly kleidete mich in Gegenwart der Lady Douglas an; ich nahm die fünf Guineen, so ich bei mir hatte, und machte sie zusammen, um sie meinen Wirten zu geben. Den Augenblick, als ich aufstund, der Lady eine Bitte wegen der guten Waise zu machen, kroch die arme kleine Lidy auf ihren Knien herein und bat mit Schluchzen und aufgehobenen Händchen, ich sollte sie doch mitnehmen; innig gerührt sah ich sie und die Lady an, welche nach einem Augenblick Nachdenken dem Mädchen die Hand bot und mit mitleidiger stimme sagte: "Ja, meine Kleine, du sollst auch mitkommen." "Gott segne Sie, teure Lady", sagte ich, "für Ihre grossmütige Menschenliebe; ich wollte Sie um Erlaubnis bitten, dieses unschuldige Opfer auch zu retten." "Gerne", antwortete sie, "sehr gerne, es erfreut mich, dass Sie so zärtlich für sie sorgen." Ich umarmte meine weinende Wirte mit Tränen, sah noch seufzend mich in der traurigen Gegend um und reiste mit der Lady ab. Graf Hopton empfing mich mit vieler Höflichkeit; aber seine Blicke durchspürten zugleich meine ganze person mit einem Ausdruck, als ob er abwägen wollte, ob ich mehr die Nachstellungen eines Liebhabers oder des Mitleidens einer tugendliebenden Dame verdiente. Eine Bewegung seiner Augen von Betrachtung der Lidy auf mich machte mich erröten und dieses ihn lächeln; ich erriet, dass er mich für ihre Mutter hielt und empfand die Verringerung seiner für mich vorteilhaft gefassten Begriffe. Lady