an; Lord Rich tiefsinnig, aber gesetzt; ich voll Unruh, voller Vorsätze und Entschlüsse. Schauer und Hitze eines wütenden Fiebers befielen mich beim Eintritt in Derbys Haus. Mein Hass gegen ihn war so aufgebracht, dass ich seines elenden Ansehens und der sichtbaren Schwachheit, die ihn im Bette hielt, nicht achtete. Mit stummer Feindseligkeit sah ich ihn an; er heftete seine erstorbenen Augen mit einem flehenden blick auf mich und streckte seine abgezehrte, rotbrennende Hand gegen mich. "Seimour", sagte er, – "ich kenne dich; aller Hass deines Herzens liegt auf mir; – aber du weisst nicht, wieviel wütende Szenen in dieser Brust wegen dir entstanden sind." Ich hatte ihm meine Hand nicht gegeben und sagte mit Widerwillen und trotzigem Kopfschütteln: "Ich weiss keinen Anlass dazu als die Ungleichheit unsrer Grundsätze." Derby antwortete: "Seimour! diesen Ton hättest du nicht, wenn ich gesund wäre, und der Stolz, mit dem du von deinen grundsätzen sprichst, ist ein ebenso grosses Vergehen als der Missbrauch, den ich von meinen Talenten machte." Lord Rich fiel ein, dass von allem diesen die Frage nicht sein könnte und dass Lord Derby nur Nachricht von der entführten Dame geben möchte. "Ja, Lord Rich, Sie sollen sie haben", sagte er; "es liegt mehr Menschlichkeit in Ihrer Kälte als in Seimours kochender Empfindlichkeit. Er mag Ihnen sagen, was in der ersten Zeit unserer Bekanntschaft mit dem fräulein von Sternheim vorging. Wir liebten sie beide zum Unsinn; aber ich bemerkte zuerst ihren vorzüglichen Hang für ihn und wandte alles an, ihn zu zerstören. Durch Verstellung und Ränke gelung es mir, sie unter der Verfolgung des Fürsten und der dummen Bedenklichkeit des Seimours durch eine falsche Vermählung in meine Gewalt zu bekommen. Aber mein Vergnügen dauerte nicht lange; ihr zu ernstafter Charakter ermüdete mich, und ihre geheime Neigung gegen Seimour regte sich, sobald nur meine Gedanken im geringsten von den ihrigen entfernet waren. Die Eifersucht macht mich rachgierig, und die Veränderung meiner Umstände, durch den Tod meines Bruders, gab mir Anlass, sie auszuüben. Ich verliess sie; doch reute es mich wenige Tage hernach, und ich schickte nach dem dorf, wo sie sich aufgehalten hatte, aber sie war fort. Lange wusste ich nichts von ihr, bis ich sie in England bei der Tante meiner Lady fand, wo ich sie nicht lassen konnte und entführen liess. Es jammerte mich ihrer schon damals, aber es war kein anders Mittel. – Mein Missvergnügen mit der Lady Alton brachte die Sternheim in meine Erinnerung zurück. Ich dachte: sie ist mein, und um von dem elenden Leben im Gebürge loszukommen, wird sie gern in meine arme eilen. Ich dachte es um so mehr, als ich wusste, dass sie mein von der Nancy Hatton zurückgelassenes Mädchen liebreich besorgte und erzog; ich schrieb es einer Art Neigung zu und schickte ihr darauf mit angenehmen Vorschlägen meinen vertrauten Kerl ab; aber sie verwarf alles mit äusserstem Stolz und Bitterkeit." – Hier hielt er mit Stocken und Bewegung inne, sah bald mich, bald den Lord Rich an, bis ich mit stampfenden Füssen und mit Schreien den Verfolg seiner Erzählung foderte. – "Seimour! – Rich! –" sagte er mit tiefem traurigen Ton, mit ringenden Händen und stotternd, "o wäre ich Elender selbst hin und hätte ihre Vergebung und Liebe erflehet. Mein Kerl, der Hund, wollte sie zwingen zurückzugehen.- Er wusste, wie glücklich mich ihre Gesellschaft gemacht hätte – er sperrte sie in ein altes verfallenes Gewölbe, worin sie zwölf Stunden lag, und – aus Kummer starb." – "Sie starb –" schrie ich, "Teufel!
Unmensch! und du lebst noch nach diesem Mord? – Du lebst noch?" – Lord Rich sagt, ich hätte die stimme und das Ansehen der Raserei gehabt. Er fiel mir in die arme und riss mich weg in ein anderes Zimmer, lange brauchte er, mich zu besänftigen und zu dem Versprechen zu bringen, dass ich nicht reden wollte. – Er sagte: "Derby liegt auf der Folter der Reue und der Erinnerung unwiederbringlicher übel verwendeter Lebenstage, willst du deine Hand an den Gegenstand des göttlichen Gerichts legen? Glaube, mein Bruder, unser Schmerz ist süss gegen die Pein seiner Seele." – "Mein Herz blutet über das unglückliche Schicksal der Sternheim; aber die Tugend und die natur rächet sie an ihrem Verfolger; lass mich ihn, ich bitte dich, noch fragen, was er von uns gewollt hat; überwinde dich, sei grossmütig, sei auch gegen das unglückliche Laster mitleidig!" – Ich versprach's ihm, wollte aber bei der Unterredung zugegen sein. – Der elende Mensch heulte, da wir wieder zu ihm kamen, und foderte, dass wir nach Schottland reisen, den Körper des Engels ausgraben lassen und ihn in einem zinnernen Sarg zu Dumfries beisetzen lassen sollten. Zweitausend Guineen will er auf ihr Grabmal verwenden, worauf die Beschreibung ihrer Tugenden und ihres Unglücks neben den Merkmalen seiner ewigen Reue aufgezeichnet werden soll. Er bat uns, nach D. Bericht davon zu geben; übergab uns alle Briefe, die er über sie an seinen Freund B. geschrieben hatte, und flehte uns, ihm zu schwören, dass wir unverzüglich abreisen wollten, damit er noch den Trost erleben möchte, dass dem Andenken der edelsten Seele eine öffentliche