von dem Überrest aber mir, zu den Füssen der Grabmäler meiner Eltern, ein Grabstein errichtet werden mit der simplen Aufschrift:
Zum Andenken ihrer nicht unwürdigen
Tochter, Sophia von Sternheim –
Ich will hier unter den, Baume begraben werden, an dessen Fuss ich dieses Frühjahr oft gekniet und Gott um Geduld angeflehet habe. Hier, wo mein Geist gemartert wurde, soll mein Leib verwesen. Es ist auch mütterliche Erde, die mich decken wird; bis ich einst in verklärter Gestalt unter den Reihen der Tugendhaften treten und auch Sie, meine Emilia, wiedersehen werde. Rette indessen, o meine Freundin, rette mein Andenken von der Schmach des Lasters! Sage, dass ich, der Tugend getreu, aber unglücklich, in den Armen des bittersten Kummers meine Seele voll kindlichen Vertrauens auf Gott und voll Liebe gegen meine Mitgeschöpfe ihrem Schöpfer zurückgegeben, dass ich zärtlich meine Freunde gesegnet und aufrichtig meinen Feinden vergeben habe. Pflanzen Sie, meine Liebe, in Ihrem Garten eine Zypresse, um die ein einsamer Rosenstock sich winde, an einem nahen Felsstein. Weihen Sie diesen Platz meinem Andenken; gehen Sie manchmal hin; vielleicht wird es mir erlaubt sein, um Sie zu schweben und die zärtliche Träne zu sehen, mit der Sie die abfallende Blüte der Rose betrachten werden. Sie haben auch mich blühen und welken gesehen; nur das letzte Neigen meines Hauptes und den letzten Seufzer meiner Brust entzog das Schicksal Ihrem blick. – Es ist gut, meine Emilia; du würdest zu viel leiden, wenn du mich sehen könntest. – Der Grund meiner Seele ist lauter Ruhe; ich werde sanft einschlafen, denn das Verhängnis hat mich müde, sehr müde gemacht. Lebe wohl, beste freundschaftliche Seele; lass deine Tränen um mich ruhig sein, wie die, die um dich in meinen trüben Augen schwimmet. – –
Lord Seimour an Doktor T.
O Gott, warum hindert Ihre Krankheit Sie, mich auf zwei Tage zu sehen! Ich bin dem Unsinn und der Wut ganz nahe.
Mein Bruder Rich, den Sie noch aus dem haus des ersten Gemahls meiner Mutter kennen, ist mit aller seiner stoischen Philosophie durch eben den Streich zur Erde gedrückt. In zwei Tagen reisen wir in die schottischen Bleigebürge, um – o tötender Gedanke! – um das Grab des ermordeten Fräuleins von Sternheim aufzusuchen und ihren Körper in Dumfries prächtig beerdigen zu lassen. – Wie konntest du, ewige Vorsicht, wie konntest du dem verruchtesten Bösewicht das Beste, so du jemals der Erde gabst, preisgeben? Meine Leute machen Anstalten zu unserer Reise; ich kann nichts tun; ich ringe meine hände wie ein tobender Mensch und schlage sie tausendmal wider meine Brust und meinen Kopf. Derby, der Elende! hat die Frechheit zu sagen, um meinetwillen, aus Eifersucht über mich habe er das edelste, liebenswürdige Geschöpfe betrogen, unglücklich gemacht und getötet. Er beheult es nun, der wütende Hund, er beheult es. Seine Ruchlosigkeit hat ihn an den Rand des frühen Grabes geführt, vor welchem er zittert und das ihn vor der Rache schützt, die ich an ihm ausüben würde. hören Sie, mein Freund, hören Sie das Fürchterlichste, so jemals der Tugend begegnete, und das Ärgste, so jemals die Bosheit ausüben konnte. – Sie wissen, dass ich vor vier Monaten krank mit Mylord Crafton nach England zurückkam und gleich zu meiner Frau Mutter nach Seimour – House ging, dem Übel meines Körpers und meiner Seele nachzuhängen. Ich fragte endlich nach Derby, jetzt Lord N., man sagte mir, dass er auf seinem Landhause zu Windsor krank liege. Ich wollte seine und meine Genesung abwarten; aber etliche Tage nach meiner Frage um ihn liess er mich zu sich bitten. Ich war nicht wohl und schlug es ab. Einige Tage hernach reisete ich zu meinem Bruder Rich, den ich freundschaftlich ebenso finster fand, als ich es selbst war. Die brüderliche Vertraulichkeit wurde ohnehin schon durch die funfzehn Jahre gehindert, die er älter ist als ich, und seine trockne Stille munterte mich nicht auf, eine Erleichterung bei ihm zu suchen. Wir brachten vierzehn Tage hin, ohne von was anders als unsern Reisen, und auch dieses nur abgebrochen, zu reden; bis wir endlich in einer Minute zur offenherzigen Sprache kamen, da ein Kammerdiener von Lord N. einen Brief an mich brachte, worin er mich bat, mit Lord Rich zu ihm zu kommen, in einer Sache, welche das fräulein Sternheim beträfe; ich sollte dem Lord Rich nur sagen, dass es die Dame wäre, welche er bei Lady Summers gesehen und welche von da entführt worden sei. Ich fuhr wie aus einem schreckenden Traume auf und schrie nur dem Kerl zu, ich würde kommen. Meinen Bruder packte ich beim arme und fragte ihn auf eine hastige Art nach der jungen Dame, die er in Summerhall gesehen. Mit Bewegung fragte er: ob ich sie kenne und was ich von ihr wisse? – Ich zeigte ihm das Billett und erzählte ihm kurz von allem, was das ewig teure geliebte fräulein anging. Ebenso kurz, so unterbrochen, erzählte er, wie er sie gesehen und geliebt hätte; ging, mir ein Bildnis von ihr zu holen, und konnte mir nicht genug von ihrem geist, von ihren edlen Gesinnungen, von der Traurigkeit, womit sie beladen gewesen, sagen, besonders zur Zeit da Derbys Heurat mit Lady Alton bekannt worden. Wir waren bald entschlossen abzureisen und kamen in Windsor