ich an dem letzten Augenblicke meines Lebens zu sein glaubte. Ich sah nichts, aber ich fühlte mit der einen Hand, dass der Boden stark abhängig war, und besorgte daher bei der geringsten Bewegung gar in einen Keller zu fallen, wo ich nicht ohne Verzweiflung meinen Geist aufgegeben hätte. Mein Jammer und die Empfindungen, die ich davon hatte, ist nicht zu beschreiben; die ganze Nacht lag ich da; es regnete stark; das wasser floss unter der tür herein auf mich zu, so dass ich ganz nass und starr wurde, und, von meinem Unglück gänzlich darniedergeschlagen, mir den Tod wünschte. Ich bekam, wie mich deucht, innerliche Zückungen. Soviel weiss ich noch; als ich mich wieder besinnen konnte, war ich auf meinem Bette, um welches meine armen furchtsamen Wirte stunden und wehklagten. Meine Waise hatte meine Hand und ächzte ängstlich; ich fühlte mich sehr übel und bat die Leute, mir den Geistlichen des Grafen von Hopton zu holen, weil ich sterben würde. Mit aufgehobenen Händen bat ich sie; der Sohn ging fort, und die Eltern erzählten mir, dass sie mir nicht hatten helfen dürfen, bis Sir John (wie sie ihn nannten) abgereiset gewesen wäre. Schreckliches Los der Armut, dass sie selten Herz genug hat, sich der Gewalt des reichen Lasters entgegenzusetzen! Der Regen hatte den Bösewicht aufgehalten, doch, sagen sie, sei er noch an die tür des Turns gegangen, hätte sie aufgemacht und gehorcht, den Kopf verdriesslich in die Höhe geworfen, und ohne die tür zuzuschliessen, oder ihnen noch etwas zu sagen, wäre er davongegangen. Sie hätten aus Furcht vor ihm noch eine Stunde gewartet und wären dann mit einem Licht zu mir gekommen, da sie mich denn für tot angesehen und herausgetragen hätten. Der Geistliche kam, und die Lady Douglas mit ihm; beide betrachteten mich aufmerksam und mitleidend. Ich reichte der Lady meine Hand, der sie die ihrige mit Güte entgegengab. "Edle Lady", sagte ich mit tränenden Augen, "Gott wird diese menschenfreundliche Bemühung um mich an Ihrer Seele belohnen; glauben Sie nur auch, dass ich es würdig bin." Ich bemerkte, dass ihre Augen auf meine Hand und das Bildnis meiner Mutter geheftet waren; – da sagte ich ihr, "es ist meine Mutter, eine Enkelin von Lord David Watson – und hier", indem ich die andere Hand erhob, "ist mein Vater, ein würdiger Edelmann in Deutschland; schon lange sind beide in der Ewigkeit, und bald, bald hoffe ich, bei ihnen zu sein", setzte ich mit gefalteten Händen hinzu. Die Dame weinte und sagte dem Geistlichen, er solle meinen Puls fühlen; er tat's und versicherte, dass ich sehr übel wäre. Mit liebreichem Eifer sah sie um sich und fragte, ob ich nicht weggebracht werden könnte. – "Nicht ohne Lebensgefahr", sagte der Geistliche – "ach, das ist mir leid", sprach die liebe Dame, indem sie mir die Hand drückte. Sie ging hinaus, und der Geistliche fing an, mit mir zu reden; ich sagte ihm kurz, dass ich aus einer edlen Familie stammte und durch den schändlichen Betrug einer falschen Heurat aus meinem vaterland gerissen worden sei; Mylady Summers, unter deren Schutz ich gestanden, könnte ihnen Zeugnisse von mir geben. Ich hiess ihn zugleich die Papiere nehmen, welche ich an Sie geschrieben hatte, und die hinter einem Brette lagen. Ich setzte selbst ohne sein fragen ein Bekenntnis meiner Grundsätze hinzu und bat ihn, sich mit Ihrem Mann in Briefwechsel einzulassen. Die Dame klopfte an und kam, mit Maria, der Tochter meiner Wirte, die eine Schachtel trug, zu meinem Bette. Sie hatte allerlei Labsale und Arzneien darin, wovon sie mir gab. Die kleine Lidy kam auch herein und warf sich bei meinem Bette auf die Knie. Die Dame betrachtete das Mädchen und mich mit zunehmender Traurigkeit. Endlich nahm sie Abschied, liess die Maria bei mir, und der Geistliche versprach, den Morgen wieder dazusein. Aber er kam den ganzen Tag nicht; doch wurde zweimal nach mir gefragt. Ich war diesen Morgen besser, als ich gestern gewesen war; daher schrieb ich Ihnen. Nun ist's bald sechs Uhr abends, und ich werde zusehens schlechter; meine zitternde ungleiche Schrift wird es Ihnen zeigen. Wer weiss, was heute nacht aus mir wird; ich danke Gott, dass ich sterblich bin und dass mein Herz mit dem Ihrigen noch reden konnte. Ich bin ganz gefasst und dem Augenblicke nah, wo Glück und Elend gleichgültig ist. –
Nachts um neun Uhr
Das letzte Mal, meine Emilia, habe ich meine schwachen, entkräfteten arme nach der Gegend ausgestreckt, wo Sie wohnen. Gott segne Sie und belohne Ihre Tugend und Ihre Freundschaft gegen mich! Sie werden ein Papier bekommen, das Ihr Mann meinem onkel, dem Grafen G., selbst übergeben soll. Es betrifft meine Güter.
Alles, was von der Familie von P. da ist, soll des Grafen Löbaus Söhnen gegeben werden. Ihr Schwager, der Amtmann, hat das Verzeichnis davon.
Was ich von meinem geliebten Vater habe, davon soll die Hälfte zu Erziehung armer Kinder gewidmet sein. Einen teil der andern Hälfte gebe ich Ihren Kindern und meiner Freundin Rosina. Von dem andern teil soll meinen armen hiesigen Hauswirten tausend Taler und der unglücklichen Lidy auch so Viel gegeben,