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die Ewigkeit begleiten, und für euren Besitz wird meine Seele das erste Danklied anstimmen.

Zu Ende des Brachmonats

Emilia, haben Sie sich jemals in den Platz eines Menschen stellen können, der in einem elenden Kahn auf der stürmenden See ängstlich sein Leben fühlt und mit zitternder Hoffnung hin und her um Anschein der Hoffnung sieht? Lange stossen ihn die Wellen herum und lassen ihn Verzweiflung fühlen; endlich erblickt er eine Insel, die er zu erreichen hofft, mit gefalteten Händen ruft er: "O Gott, ich sehe Land!" – Ich, mein Kind, ich fühle alles dieses; ich sehe Land. Der Graf von Hopton ist in seinem Haus auf dem Gebürge und Lady Douglas, seine Schwester, hat die Tochter meiner Wirtin zu sich genommen. Sie ging mit ihrem Bruder und einer Tapete zur Lady, ihre Dienste anzubieten. Voller Verwunderung über ihre Arbeit und ihre Antworten, hat die Lady gefragt, wer sie unterrichtet hätte, und das dankbare Herz des guten Mädchens erzählte ihr von mir, was sie wusste und empfand. Die edle Dame wurde bis zu Tränen gerührt; sie versprach dem Mädchen sogleich, sie zu nehmen, liess den jungen Leuten zu essen geben und schickte den Sohn allein nach haus mit zwo Guineen für seine Eltern und dem Versprechen: sie wollte vor ihrer Abreise noch selbst zu ihnen kommen. Mich liess sie besonders grüssen und für meine Mühe mit ihrem Mädchen segnen. Ich habe sie um Papier, Feder und Dinte bitten lassen; ich will mich dieser gelegenheit bedienen, um an meine Lady Summers zu schreiben; aber ich will der Lady Douglas den Brief offen geben, um ihr meine Aufrichtigkeit zu zeigen. Ich würde strafbar sein, wenn ich nicht alle gelegenheit anwendete, um meine Freiheit zu erlangen, da sich edle Mittel dazu anbieten. Ich will auch den Lord Hopton um seine Gnade für meine armen Wirte bitten; die guten Leute wissen sich vor Freude über die Versorgung ihrer Tochter und über das Geld, so sie bekommen haben, nicht zu fassen; sie liebkosen und segnen mich wechselsweise. Meine Waise lasse ich nicht zurück; das Kind würde nun, da ich sie an gutes Bezeigen gewöhnt habe, durch den Verlust doppelt unglücklich sein, und alle meine Tage würden durch ihr Andenken beunruhiget, wenn ich zum Glücke zurückkehrte und sie dem offenbaren Elend zum Raube liesse.

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O! Meine Freundin, es war Vorbedeutung, die mich in meinem letzten Blatte das Gleichnis eines auf der tobenden See irrenden Kahns finden liess; ich war bestimmt, die höchsten Schmerzen der Seele zu fühlen und dann in dem Augenblick der Hoffnung zu sterben. Die unaussprechliche Bosheit meines Verfolgers reisst mich dahin, wie eine schäumende Welle Kahn und Menschen in den Abgrund reisst. Diese Gewalt wurde ihm gelassen und mir alle Hülfsmittel entzogen; bald wird ein einsames Grab meine Klagen endigen und meiner Seele die Endzwecke zeigen, warum ich dieses grausame Verhängnis erdulden musste. Ich bin ruhig, ich bin zufrieden; mein letzter Tag wird der freudigste sein, den ich seit zwei Jahren hatte. Ihnen, meine bis in den letzten Augenblick zärtlich geliebte Freundin, wird die Lady Summers mein Paket Papiere schicken und Ihr Herz bei dem Gedanken, dass alles mein Leiden sich in einer seligen Ewigkeit verloren hat, beruhiget werden. Meine letzten Kräfte sind Ihnen gewidmet. Sie waren die Zeugin meines glücklichen Lebens; Sie sollen auch, soviel ich es tun kann, von dem Ende meiner trübseligen Tage wissen.

Ich war voller Hoffnungen und mit fröhlichen Aussichten umgeben, als der vertrauteste Bösewicht des Derby anlangte, um mir den verhassten Vorschlag zu tun, ich sollte mich zu dem Lord nach London begeben; er liebe seine Gemahlin nicht, wäre auch selbst kränklich geworden und halte sich meistens auf einem Landhause zu Windsor auf, wo ihm mein Umgang sehr angenehm sein würde. Er selbst schrieb in einem Billett: wenn ich freiwillig kommen wollte und ihn lieben würde, so denke er, sich von Lady Alton scheiden zu lassen und unsere Heurat zu bestätigen, wie es die gesetz und meine Verdienste erfoderten; aber wenn ich aus einer meiner ehemaligen Wunderlichkeiten diesen Vorschlag verwerfe, so möchte ich mir mein Schicksal gefallen lassen, wie er es für gut finden würde. – Dies musste ich anhören, denn lesen wollte ich das Billett nicht; das Ärgste von dieser unerträglichen Beleidigung war, dass ich den unseligen Kerl sehen musste, durch dessen Hand meine falsche Verbindung geschehen war. Auf das äusserste betrübt und erbittert, verwarf ich alle diese unwürdigen Vorschläge, und der Barbar rächte seinen Herrn, indem er mich nach der zweiten förmlichen Absage mit der heftigsten Bosheit beim Arm und um den Leib packte, zum haus hinaus gegen den alten Turm hinschleppte und mit Wüten und Fluchen zu einer tür hineinstiess, mit dem Ausdruck, dass ich da krepieren möchte, damit sein Herr und er einmal meiner los würden. Mein Sträuben und die entsetzliche Angst, so ich hatte, ich möchte mit Gewalt nach London geführt werden, hatte mich abgemattet und halb von Sinnen gebracht; ich fiel nach meiner ganzen Länge in das mit Schutt und Morast angefüllte Gewölbe, wo ich auf den Steinen meine linke Hand und das halbe Gesicht beschädigte und heftig aus der Nase und Mund blutete. Ich weiss nicht, wie lang ich ohne Bewusstsein dalag; als ich mich wieder fühlte, war ich ganz entkräftet und voll Schmerzen; die faule dünstige Luft, die ich atmete, beklemmte in kurzer Zeit meine Brust so sehr, dass