Reichtum wirklich in den wenigen Guineen besteht, welche sie für meine Verwahrung erhalten haben. Es freute sie, dass ich ruhiger wurde und zu ihnen kam; jedes befliss sich, mir Unterricht in ihrer Sprache zu geben, und ich lernte in vierzehn Tagen so viel davon, um kurze fragen zu machen und zu beantworten. Die Leute wissen, wie weit sie mich ausser dem haus lassen dürfen, und der Mann führte mich an einem der letzten Herbsttage etwas weiter hinaus. O, wie arm ist hier die natur! man sieht, dass ihre Eingeweide bleiern sind. Mit tränenden Augen sah ich das rauhe magere Stück Feld, auf dem mein Haberbrot wächst, und den über mich fliessenden Himmel an; die Erinnerung machte mich seufzen, aber ein blick auf meinen abgezehrten Führer hiess mich zu mir selbst sagen; ich habe mein Gutes in meiner Jugend reichlich genossen, und dieser gute Mann und seine Familie sind, so lange sie leben, in Elend und Mangel gewesen; sie sind Geschöpfe des nämlichen göttlichen Urhebers, ihrem Körper fehlt keine Sehne, keine Muskel, die sie zum Genuss physikalischer Bedürfnisse nötig haben; da ist kein Unterschied unter uns; aber wie viele Teile der Fähigkeiten ihrer Seele schlafen und sind untätig geblieben! Wie verborgen, wie unbegreiflich sind die Ursachen, die in unsrer körperlichen Einrichtung keinen Unterschied entstehen liessen und im moralischen Wachstum und Handeln ganze Millionen Geschöpfe zurücklassen! wie glücklich bin ich heute noch durch den erhaltenen Anbau meines Geistes und meiner Empfindung gegen Gott und Menschen! Wahres Glück, einzige Güter, die wir auf Erden sammlen und mit uns nehmen können, ich will aus Ungeduld euch nicht von mir stossen; ich will die Guterzigkeit meiner armen Wirte durch meine Freundlichkeit belohnen. – Eifrig lernte ich an ihrer Sprache fort und erfuhr beim Nachforschen über ihre manchmalige Härte gegen das junge Mädchen, dass es nicht ihr Kind, sondern des Lords Derby wäre, dass die Mutter des Kindes bei ihnen gestorben sei und der Lord nichts mehr zu dessen Unterhalt hergäbe. Ich musste bei dieser Nachricht in meinen Winkel; ich empfand mit Schmerzen mein ganzes Unglück wieder. Die arme Mutter! sie war schön wie ihr Kind, und jung, und gut; – bei ihrem grab wird das meinige sein. O Emilia, Emilia, wie kann, o wie kann ich diese Prüfung aushalten! Das gute Mädchen kam und nahm meine Hand, die über mein armes Bette hing, während mein Gesicht gegen die Wand gekehrt war. Ich hörte sie kommen; ihr Anrühren, ihre stimme machte mich schauern, und widerwillig entriss ich ihr meine Hand. Derbys Tochter war mir verhasst. Das arme Mädchen ging mit Weinen an den Fuss meines Lagers und wehklagte. Ich fühlte mein Unrecht, die unglückliche Unschuld leiden zu machen; ich gelobte mir, meinen Widerwillen zu unterdrücken und dem kind meines Mörders Liebe zu erweisen. Wie froh war ich, da ich mich aufrichtete und sie rief. Auf ihre kleine Brust gelehnt, legte ich das Gelübde ab, ihr Güte zu erweisen. Ich werde es nicht brechen, ich hab' es zu teuer erkauft!
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O Derby! wie voll, wie voll machst du das Mass deiner Härte gegen mich! heute kommt ein Bote und bringt einen grossen Pack Vorrat zur Tapezerei; niederträchtig spottet er: da mir bei hof die Zeit ohne Tapetenarbeit zu lang gewesen, so möchte es hier auch so sein; er schickte mir also Winterarbeit; im Frühjahre würde er es holen lassen. Es ist zu einem Kabinett; die Risse liegen dabei. – Ich will sie anfangen, ja ich will; er wird nach meinem tod die Stücke kriegen; er soll die Überreste seiner an mir verübten Barbarei sehen und sich erinnern, wie glücklich ich war, als er das erstemal meine Finger arbeiten sah; er wird auch denken müssen, in was für einen Abgrund von Elend er mich stürzte und darin zugrunde gehen machte.
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Niemals mehr, o Schicksal! Niemals mehr will ich mich dem Murren meiner Eigenliebe überlassen! wie verkehrt heisst sie uns urteilen! Ich klagte über das, was mein Vergnügen geworden ist. Meine Arbeit erheitert meine trüben Wintertage; meine Wirte sehen mir mit roher Entzückung zu, und ich gebe ihrer Tochter Unterweisung darin. Mit frohem Stolz sah das Mädchen um sich, als sie das erste Blättchen genäht hatte. Unglück und Mangel hat schon viele erfindsam gemacht; ich bin es auch worden. Ich weiss, dass der Graf von Hopton, dem die Bleiminen zugehören, einige Meilen von hier ein Haus hat und dass er manchmal auf einige Tage hinkömmt. Auf der letzten Reise hatte er seine Schwester bei sich, die er sehr liebt und die als Witwe oft bei ihm ist. Auf diese Dame baue ich Hoffnungen, die mit der Dauer meines Lebens wieder rege in mir sind. Ich habe meinen Wirten den Gedanken gegeben, ihre Tochter Maria in die Dienste dieser Dame zu bringen; ich versprach, sie alles zu lehren, was dazu nötig sei. Schon lehre ich sie Englisch reden und schreiben; die Tapetenarbeit kann sie, und da mich der Mangel dazu trieb, aus den Spitzen meines Halstuchs noch zwo Hauben zu machen, so hat sie auch diese Kunst gelernet. Vom übrigen gebe ich ihr Unterricht bei der Arbeit. Das Mädchen ist so geschickt zum Fassen und Urteilen, dass ich oft darüber erstaune. Diese soll mir den Weg zur Freiheit bahnen; denn durch sie hoffe ich, der Lady Douglas bekannt