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Schuttaufen, worinn die Leichen seiner Bürger zu Asche werden.

Tabris griff zu den Waffen, zehntausend streitbare Männer, der Ausbund seiner tausenden, vereinigten sich mit der Kriegsmacht, und zogen augenblicklich gegen Arzendgan. Alle Greise, die Persien hatten befreien helfen, griffen zur Lanze, und stellten sich vor die Gewafneten. Eilende Boten flogen voran, den Kaiser aufzusuchen, und ihm anzukündigen, dass die Verstärkung anrückte. Andere Boten beriefen auf flüchtigen Pferden Persiens Landmacht zusammen. Nuschirwani zog mitten unter den Kriegern aus, ihren Vater zu retten. Hat doch Ajeschah, sagte sie, in einer weit schlimmern Sache, auf einem Kameele die Schlagenden angefrischt36.

Sie sorgte für die Gemahlin ihres edlen Vaters, und liess sie, halb verschmachtend, mit einer genugsamen Bedeckung, auf das Schloss Karpurt37 bringen, dessen feste Lage es vor einem feindlichen Ueberfalle sicher stellte.

Machmund rückte langsam und zweifelhaft fort. Seine Reuterei war vernichtet, ein teil seiner Jenjitscheri war unter den Säbeln der verzweifelnden Perser gefallen, er besorgte ohne wasser und ohne Mundvorrat zu sein, und sah in einiger Entfernung die persischen Heere ihn beobachten.

In wenigen Tagen vereinigte sich das neue Heer mit dem Kaiser, und alle Stunden kamen Verstärkungen an, die eine wirkung der von der standhaften Nuschirwani ausgesandten Boten waren. Ganz Persien stunde auf, ein einziger Wille herrschte in dem grossmütigen volk; den Kaiser und des Vaterlandes Ehre retten, war der einzige Wunsch, gegen den die Liebe des Lebens verstummete.

Nuschirwani liess sich ungesäumt zu ihrem erlauchten Vater bringen. Alles ist gerettet, da Usong lebet, sagte sie, und eilte zu seinen Füssen. Der Kaiser sah keinen weiblichen Zug in ihrem Angesichte, keine Spur der Furcht oder der Niedergeschlagenheit, sie atmete nichts als Grossmut, und die Bestrebung das Reich zu retten, glänzte in ihren Angen. Usong umarmte sie aufs zärtlichste. Mit einer solchen Tochter, sagte er mit Wehmut lächelnd, wer könnte Söhne wünschen!

Machmud hatte keine hoffnung mehr Tabris zu erobern, er musste befürchten, seine ermüdeten Völker würden umringt, und ein Raub des Schwerdtes werden. Er zog sich langsam zurück, und kein Haus rauchte in Persien von den fackeln des siegenden Heeres. Aber Machmud war grausam, er liess die verwundeten und auf dem Schlachtfeld aufgehobenen Perser niedermetzeln, und wollte keine gemeine Rache ausüben, sondern liess auf einen jeden Tag hundert dieser Unglücklichen ermorden38. Er zog sich nach Karamanien, verwüstete was noch verschont geblieben war, und führte sein Heer gegen das schwache Trapezunt.

David war ausser Stand dem Sieger zu widerstehen, er übergab sich dem Machmud, der ihm sein Leben versicherte. Aber dieser blutdürstige Sultan kannte die wahre Ehre und die Würde seines Wortes nicht, er liess den ganzen kaiserlichen Stamm der Comnenen ausrotten.

Fussnoten

1 Bizarrs hat diesen Sieg angemerkt. 2 Moscheen. 3 Unter den Aliden blieb diese Einrichtung. 4 Chardin in seiner Reisebeschreibung. 5 Chardin descr. d'Ispahan. 6 Chardin T.V. 7 Della Valle T. II. 8 Völker im Gebürge zwischen Persien und Multan. 9 Völker zwischen Kerman und Sind. 10 Darius der Sohn des Hydaspes. 11 Auch Della Valle rühmt sie. 12 Chardins Reise. 13 Schwaben. 14 Uladislaus, König in Polen und Ungarn. 15 Die Schlacht bei Varna. 16 Des chinesischen Epicurs. 17 Im Jahr 1409 rückten die freien Helvetier durch den halb gefrornen Rhein gegen die Oesterreicher an: wie sie im Strome stunden, so siel etwas vor, das nicht zuliess, sie fortrücken zu lassen. Diese tapfern Männer, die keinen Feldherrn, und ihre Kinder und Brüder zu Hauptleuten hatten, stunden die Kälte und die Ungeduld ganze Stunden aus, und zogen nicht eher ans Ufer, als bis es ihnen etwa befohlen würde. 18 Della Valle T. IV. & V. 19 Raubtiere, die des Nachts die Leichen auswühlen. 20 Das kaspische Meer schwillt aus den persischen Ufern, und macht das nächste Land zum ungesunden Sumpfe. 21 Kämpfer. 22 Kinderpocken. 23 Unter dem Mir Wais und Machmud. 24 So waren sie vor dem Schach Abbas. 25 Dieses Volk besitzt von den alten zeiten her, und noch jetzt, den Vorzug der edelsten Züge. 26 Timur hatte eben so vom Bajazid gesprochen. 27 Bizarro. 28 Starke Stunden. 29 Dieses ist der Gebrauch der Türken bei Uebeln, wider die sie kein Mittel wissen. 30 Bizarro hat diese Schlacht. 31 Bizarro erzählt den Feldzug, als ob Machmud selber die Türken angeführt hatte. Der hitzige Sieger würde schwerlich seinem Feinde ausgewichen sein. 32 Zu Paris gemacht, sagt die geschichte. 33 Die abendländischen Geschichtschreiber machen diesen Dschuneid zum Sohne des Usongs. Marco Guazzo schreibt eben diesem Dschuneid, den er Dschenial nennt, den Befehl in der Schlacht, und seiner Verwegenheit zu, dass Persien dieselbe verlohren habe. Usong hätte ihm verboten zu schlagen. Der junge Fürst, der zwei Pascha überwunden hatte, wäre aber wider den väterlichen Willen vorgerückt, von Machmud umringt, und mit dem ganzen Heere erlegt worden. Aber des Bizarro Erzählung ist gläublicher, und höchst unwahrscheinlich, dass der erfahrne Usong bei einer so wichtigen gelegenheit den Befehl des persischen Heeres einem jungen Herrn überlassen habe. 34 40000 Mann gegen 8000 Perser. Bizarro 35 Gänsefelder nennt es Bizarro. 36 In der Schlacht des Kameels, wo die Syrer vom Ali geschlagen wurden. 37 Bizarro. 38 Bizarro.

Viertes Buch.

Das persische Heer lagerte sich in den Wiesen um Tabris. Usong