, und sah deutlich, dass die übeln Umstände des Reichs, und eine geheime sehnsucht, seine Kräfte noch mehr erschöpften, als die Jahre. Den letzten Morgen, nach einer schlaflosen Nacht, liess er sich aus dem saal der Voreltern seine Ahnentafel bringen: er durchging die grossen Namen, die in einem Zeitraume von dreissig Menschenleben auf dieser Tafel schimmerten: er hielt sich bei dem grossen Kongfutsee etwas auf und lächelte. Mein Stamm löscht aus, sagte er, vielleicht wären meine Enkel ihrer Ahnen nicht wert gewesen. Aber ich hinterlasse eine Tochter, die ist ihrer wert. Segne sie, Herr des himmels, sie war eine gehorsame Tochter, sie erfüllte alle Pflichten, und lebte nach allen Regeln des Weisen.
Diese Beschäftigung hatte den Ehrwürdigen ermüdet, er fühlte, dass seine Kräfte verschwanden. Meine Zeit ist zu Ende, sagte er leise, du weisst, o Tien, ob ich sie nach deinem Willen angewandt habe. Doch du kennest die Menschen, keiner ist zu allen Stunden weise, keiner ist dem Bilde ähnlich, das du in den alten Weisen ihnen zum Muster gegeben hast. Aber du liebest die willigen, breite auch über mich deine verschonende Gnade, aus: und hiermit verschied er, ohne Furcht, ohne Ungeduld, ohne Zucken, wie die reife Frucht Litschi, wann die natur sie von ihrem Baume ruft, oder wie die Sonne in der Abendsee untergeht.
Liosua nahm, mit dem Beifalle des Kaisers, die grosse Trauer an: sie liess auch ein Zimmer mit der ernstaftesten Würde für die Ahnentafel einrichten, dessen ganzes Geräte aus China kam, und wohin sie ihre Büchersammlung versetzte. Hieher begab sie sich fast alle Tage, ihren Verlust zu beweinen, und sich das Gemüt mit dem erlauchten Beispiele ihrer würdigen Ahnen anzufüllen.
Aber Usong sah, dass die Geschäfte des Reichs unumgänglich seine Tätigkeit erfoderten, und fuhr fort, alle seine Augenblicke dazu anzuwenden. Er umarmte die Kaiserin aufs zärtlichste: Freude meines Lebens, sagte er, traure so, dass du dich erinnerst, deinem Usong könne ohne dich nichts die Last des Lebens erträglich machen.
Mit dem Hofmeister des würdigen Liewangs war ein Mandarin der Wissenschaften gekommen, der arm schien, und von des Kongfutsee Nachkommen war. Es ist so selten, einen Bürger von China an einem fremden hof zu sehen, dass Usong den Mandarin bemerkte, und etwas an ihm fand, das ihm unterhaltend vorkam. An einem der Abende, die Usong seinen Freunden gab, fragte er den Fremdling, was doch die Ursachen sein möchten, warum er sein gesittetes Vaterland verlassen hätte, und bei einem volk Ruhe suchte, das er von Jugend auf für barbarisch angesehen haben müsste?
Oel-fu antwortete, nirgends kan die Barbarei herrschen, wo Usong auf dem Trone sitzt. Ich bin zu Kio-sö, des Weisen Vaterstadt, in der Provinz Schang-tong gebohren: ich wurde zu den Wissenschaften erzogen, und durchging die gewöhnlichen Stufen. Ich muss flehen, sagte er ferner mit einer tiefen Verbeugung, wenn der Kaiser meine geschichte verlangt, dass ich frei reden dörfe. Die Arbeit, die man mir vorlegte, schien mir allemal zu leicht, und die Proben nicht schwer genug: ich hätte das Werk eines Jahres in einer Stunde verrichten mögen, um die Wissenschaft zu erlangen, nach welcher meine Seele hungerte. Ich trachtete die zwölf Pflichten zu erfüllen, und da ich viel schrieb, so empfahl ich über alles die Tugend, als den einzigen Weg zum Vergnügen. Ich wurde bald, und jung, in einige Betrachtung gezogen; aber die Beförderung wurde mir schwer gemacht. Wann eine Stelle aus den schönen Wissenschaften ledig war, so hiess es, ich sei ein Sternenkenner: waren es Aemter die zur Staatskunst gehörten, so war ich ein Dichter.
Endlich wurde in einer von meiner Vaterstadt entlegenen Provinz eine Mandarinstelle in den Wissenschaften ledig: ich kannte niemand daselbst, und wurde berufen. Nunmehr verdoppelte ich meine Bestrebung, der hoffnung des Zongtu zu entsprechen. Man gab mir das Amt eines Richters der Bücher: ich musste sie lesen, in einen Auszug bringen, und mit einem Zeichen unterscheiden, ob ich die Schriften gut hiess. Ich zog einen blauen Kreiss um den Namen des Verfassers, wenn sein Werk mir missfiel, und die Billigung drückte ich mit einem roten Kreise aus.
Ich tat nach meiner besten Einsicht, ich sparte dennoch aus Menschenfreundschaft meinen blauen Pinsel, und brauchte immer mehr Rot, als ich nach der Strenge hätte tun sollen. Dennoch wurde es bekannt, dass ich der Bücherrichter war, und alle Gelehrte verschwuren sich wider mich: ich wurde mit Verteidigungen, mit Widerlegungen, und mit Spottschriften umringt, und fast unterdrückt. Ein Freund riet mir: entweder lege den Pinsel nieder, oder entschlage dich der blauen Farbe. Ich zog das erstere vor: und glücklich war ich; denn der Zongtu, der dir mein Amt anvertraut hatte, war schon entschlossen, mir es wieder zu entziehen: er schmeichelt, sagte der ernstafte Greis, und vergisst seine Pflicht gegen das allgemeine Beste.
Ich kam in eine andere Provinz, wo man mir eine angemessene Stelle versprach. Aber die Bonzen lehnten sich wider mich auf: der Zongtu war ihnen ergeben. Der Mann glaubt an keinen Gott, riefen sie, und mein Glück verschwand mir unter den Händen. Die Bonzen schütteten tausend Verleumdungen wider mich aus.
Ich tröstete mich, weil die Beschuldigung ungegründet war: und kam nach Fokien, wo