, welche ihr mit seinem beständigen Besitz schmeichelten, doppelte Kraft ein Herz zu überreden, welches nichts anders suchte, als getäuscht zu sein. Sie bildete sich also ein, dass der Hang zu demjenigen, was man die Wolllust der Seele nennen kann, den wesentlichsten Zug von der Gemüts-Beschaffenheit unsers Helden ausmache. Seine Philosophie selbst schien ihr diese Meinung zu bestätigen, und, bei aller ihrer Erhabenheit über den groben Materialismus des grössten Haufens der Sterblichen, in der Tat mit den grundsätzen des Aristippus, welche vormals ihre eigenen gewesen waren, in dem nämlichen Punct zusammenzulaufen. Der ganze Unterscheid schien ihr darin zu liegen, dass dieser die Wolllust, welche er zum letzten Ziel der Weisheit machte, mehr in der angenehmen Bewegung der Sinnen, den Befriedigungen eines geläuterten Geschmacks, und den Ergötzlichkeiten eines von allen unruhigen Leidenschaften befreiten geselligen Lebens – – Agaton hingegen diese feinere Wollust, von welcher er in den stillen Hainen des Delphischen Tempels sich ein so liebenswürdiges Phantom in den Kopf gesetzt hatte, mehr in den Vergnügen der Einbildungs-Kraft und des Herzens suchte; eine Philosophie, bei welcher er (nach der scharfsinnigen Beobachtung unsrer Schönen) so gar von Seiten der sinnlichen Lust mehr gewann, als verlor; indem diese von den verschönernden Einflüssen einer begeisterten Einbildung und den zärtlichen Rührungen und Ergiessungen eines gefühlvollen Herzens ihren mächtigsten Reiz erhält. Dieses als gewiss vorausgesetzt, glaubte sie von der Unbeständigkeit, welche sie, nicht ohne Grund, als eine Eigenschaft einer allzuwürksamen und hoch gespannten Einbildungs-Kraft ansah, nichts zu besorgen zu haben; so lange es ihr nicht an Mitteln fehlen würde, seinen Geist und sein Herz zugleich und, mit einer solchen Abwechslung und Mannigfaltigkeit zu vergnügen, dass eine weit längere Zeit, als die natur dem Menschen zum Geniessen angewiesen hat, nicht lange genug wäre, ihn eines so angenehmen Zustandes überdrüssig zu machen. Sie hatte Ursache, dieses um so mehr zu glauben, da sie aus Erfahrung wusste, dass die Würksamkeit der Einbildungs-Kraft desto mehr abnimmt, je weniger leeres der Genuss würklicher Vergnügungen im Herzen zurücklässt, und je weniger ihm Zeit gelassen wird, etwas angenehmers als das Gegenwärtige zu wünschen.
Es ist dermalen noch nicht Zeit, dass wir über diese Grundsätze der schönen Danae unsere eigenen Gedanken sagen. Sie mochten, von einer Seite betrachtet, richtig genug sein; aber wir besorgen sehr, dass sie sich in dem Gebrauch der Mittel, wodurch sie ihren Zweck zu erhalten hoffte, von der Liebe betrogen finden werde. In der Tat liebte sie zu aufrichtig und zu heftig, um gute Schlüsse zu machen; und ihr Herz führte sie nach und nach, ohne dass sie es gewahr wurde, weit über die Grenzen der Mässigung weg, bei welcher sie sich anfangs so wohl befunden hatte. Vielleicht mochte auch eine geheime Eifersucht über die gute Psyche (so wenig sie gleich, aller Wahrscheinlichkeit nach, zu befürchten hatte, dass sie jemals persönlich auftreten, und das Herz ihres Liebhabers von ihr zurückfodern werde) sich mit ins Spiel gemischt, und sie begierig gemacht haben, so gar die Erinnerung an die Freuden seiner ersten Liebe, welche ihr vielleicht noch allzulebhaft zu sein schien, aus seinem Gedächtnis auszulöschen. So viel ist gewiss, dass sie (vor lauter Begierde, unsern Helden mit Glückseligkeiten zu überschütten,) ihm eine grenzenlose Liebe zu zeigen, und ihn einen solchen Grad von Wonne, über welchem dem Herzen nichts zu wünschen, und der Phantasie nichts zu denken übrig bliebe, erfahren zu machen, – – einen Weg einschlug, auf welchen sie ihres Zwecks fast notwendig verfehlen musste. Der vortreffliche Brief des liebenswürdigsten Moralisten der neuern zeiten, des Saint Evremond, in den Briefen der Ninon Lenclos an den Marquis von Sevigne, überhebt uns der Mühe, dem unerfahrnen teil unserer schönen Leserinnen zu erklären, wie es zugehe, dass die Liebe von allzuvieler Nahrung abzehrt; und dass ein unvorsichtiges Übermass von Zärtlichkeit gerade das gewisseste Mittel ist, einen Ungetreuen zu machen. Wir wollen sie also auf die bemeldete Unterweisung eines der besten Kenner des menschlichen Herzens verwiesen haben, und uns begnügen, ihnen zu sagen, dass Agaton, nachdem er (dem neuen Plan seiner mehr zärtlichen als behutsamen Geliebten zufolge) etliche Wochen lang von allem, was die Liebe süsses und entzückendes hat, mehr erfahren hatte, als selbst die glühende Einbildungs-Kraft des Marino fähig war, seinen Adon in den Armen der liebes-Göttin geniessen zu lassen, unvermerkt in eine gewisse Mattigkeit der Seele verfiel, welche wir nicht kürzer zu beschreiben wissen, als wenn wir sagen, dass sie vollkommen das Widerspiel von der Begeisterung war, worin wir ihn bisher gesehen haben. Man würde sich vermutlich sehr irren, wenn man diese Entgeisterung einer so unedeln Ursache beimessen wollte, als diejenige war, welche den verachtenswürdigen Helden des Petronius nötigte, seine Zuflucht zu den Beschwörungen und BrennNesseln der alten Enotea zu nehmen. Nach allem, was wir von unserm Helden wissen, kann kein Verdacht von dieser Art auf ihn fallen. Wir finden weit wahrscheinlicher, dass die wahre Ursache davon in seiner Seele lag, und aus einer Überfüllung mit Vergnügen, auf welche notwendig eine Art von Betäubung folgen musste, ihren Ursprung nahm. Unsere Seele (mit Erlaubnis derjenigen Philosophen, welche von der grenzenlosen Capacität und Unersättlichkeit ihrer Begierden so viel schönes zu sagen wissen,) ist doch nur eines gewissen Masses von Vergnügen fähig, und kann einen anhaltenden Zustand von Entzückung eben so wenig ertragen, als eine