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einer Unruhe, welche so weit aussehend und gefährlich geschienen, einiges Verdienst um mein Vaterland erworben hätte. Ich hatte aus unsern Feinden, Freunde, und aus unsichern Untertanen, zuverlässige Bundesgenossen gemacht, deren Treu desto weniger zweifelhaft sein musste, da ich ihre Sicherheit und ihren Wohlstand durch unzertrennliche Bande mit dem Interesse von Aten verknüpft hatte; ich hatte, des gemeinen Schatzes zu schonen, mein eigenes Vermögen zugesetzt, und durch mehr als hundert ausgerüstete Galeeren, die ich von dem guten Willen der wieder beruhigten Insulaner erhalten, unsrer Seemacht eine ansehnliche Verstärkung gegeben; ich hatte das Ansehen der Atenienser befestiget, ihre Neider abgeschreckt, und ihrer Handlung einen Ruhestand verschafft, dessen Fortdauer nunmehr, wenigstens auf lange zeiten, von ihrem eigenen Betragen abhing. Das Vergnügen, welches sich über mein Gemüt ausbreitete, wenn ich alle diese Vorteile meiner Verrichtung überdachte, war so lebhaft, dass ich über alle andere Belohnung, ausser dem Beifall und Zutrauen meiner Mitbürger, weitinaus sah: Aber die Atenienser waren, in dem ersten Anstoss ihrer Erkenntlichkeit, keine Leute, welche Mass halten konnten. Ich wurde im Triumph eingeholt, und mit allen Arten der Ehrenbezeugungen in die Wette überhäuft; die Bildhauer mussten sich Tag und Nacht an meinen Statuen müde arbeiten; alle Tempel, alle öffentlichen Plätze und Hallen wurden mit Denkmälern meines Ruhms ausgeziert; und diejenige, welche in der Folge mit der grössesten Heftigkeit an meinem Verderben arbeiteten, waren jetzt die eifrigsten, übermässige und zuvor nie erhörte Belohnungen vorzuschlagen, welche das Volk in dem Feuer seiner schwärmerischen Zuneigung guterziger Weise bewilligte, ohne daran zu denken, dass mir diese Ausschweifungen seiner Hochachtung in kurzem von ihm selbst zu eben so vielen Verbrechen gemacht werden würden.

Da ich sah, dass alle meine Bescheidenheit nicht zureichend war, dem überfliessenden Strom der popularen Dankbarkeit Einhalt zu tun; so glaubte ich am besten zu tun, wenn ich mich eine Zeitlang von Aten entfernte, und bis die Ateniensische Lebhaftigkeit durch irgend eine neue Comödie, einen fremden Gaukler, oder eine frisch angekommene Tänzerin einen andern Schwung bekommen haben würde, auf meinem Landgut zu Corint in Gesellschaft der Musen und Grazien einer Musse zu geniessen, welche ich durch die arbeiten eines ganzen Jahres verdient zu haben glaubte. Ich dachte wenig daran, dass ich in einer Stadt, deren Liebling ich zu sein schien, Feinde habe, die indessen, dass ich mich mit aller Sorglosigkeit der Unschuld den Vergnügungen des Landlebens, und der geselligen Freiheit überliess, einen eben so boshaften als wohlausgesonnenen Plan zu meinem Untergang anzulegen beschäftiget seien.

Alles, womit ich mir bei der schärfsten Prüfung meines öffentlichen und Privatlebens in Aten, bewusst bin, mein Unglück, wo nicht verdient, doch befödert zu haben, ist Unvorsichtigkeit, oder der Mangel an einer gewissen Republicanischen Klugheit, welche nur die Erfahrung geben kann. Ich lebte nach meinem Geschmack, und nach meinem Herzen, weil ich gewiss wusste, dass beide gut waren, ohne daran zu denken, dass man mir andre Absichten bei meinen Handlungen andichten könne, als ich wirklich hatte. Ich lebte mit einer gewissen Pracht, weil ich das Schöne liebte, und Vermögen hatte; ich tat jedermann gutes, weil ich meinem Herzen dadurch ein Vergnügen verschaffte, welches ich allen andern Freuden vorzog; ich beschäftigte mich mit dem gemeinen Besten der Republik, weil ich dazu geboren war, weil ich eine Tüchtigkeit dazu in mir fühlte, und weil ich durch die, Zuneigung meiner Mitbürger in den Stand gesetzt zu werden hoffte, meinem Vaterland und der Welt nützlich zu sein. Ich hatte keine andere Absichten, und würde mir eher haben träumen lassen, dass man mich beschuldigen werde, nach der Crone des Königs von Persien, als nach der Unterdrückung meines Vaterlands zu streben. Da ich mir bewusst war niemands Hass verdient zu haben, so hielt ich einen jeden für meinen Freund, der sich dafür ausgab, um so mehr, als kaum jemand in Aten war, dem ich nicht Dienste geleistet hatte. Aus eben diesem grund dachte ich gleich wenig daran, wie ich mir einen Anhang mache, als wie ich die geheimen Anschläge von Feinden, welche mir unsichtbar waren, vereiteln wolle. Denn ich glaubte nicht, dass die Freimütigkeit, womit ich, ohne Galle oder Übermut, meine Meinung bei jeder gelegenheit sagte, eine Ursache sein könne, mir Feinde zu machen. Mit einem Wort, ich wusste noch nicht, dass Tugend, Verdienste und Wohltaten gerade dasjenige sind, wodurch man gewisse Leute zu dem tödlichsten Hass erbittern kann. Eine traurige Erfahrung konnte mir allein zu dieser Einsicht verhelfen; und es ist billig, dass ich sie wert halte, da sie mir nicht weniger, als mein Vaterland, die Liebe meiner Mitbürger, meine schönsten Hoffnungen, und das glückselige Vermögen, vielen Gutes zu tun, und von niemand abzuhangen, gekostet hat.

Siebentes Capitel

Agaton wird von Aten verbannt

Der Zeitpunct meines Lebens, auf den ich nunmehr gekommen bin, führt allzuunangenehme Erinnerungen mit sich, als dass ich nicht entschuldiget sein sollte, wenn ich so schnell davon wegeile, als es die Gerechtigkeit zulassen wird, die ich mir selbst schuldig bin. Es mag sein, dass einige von meinen Feinden aus Beweggründen eines republicanischen Eifers gegen mich aufgestanden sind, und sich durch meinen Sturz eben so verdient um ihr Vaterland zu machen geglaubt haben, als Harmodius und Aristogiton durch die Ermordung der Pisistratiden. Aber es ist doch gewiss, dass diejenige, welche die Sache mit der grössesten Wut betrieben, keinen andern Beweggrund