nicht zuviel Beweise von ihrer Liebe gegeben? Hätte sie ihm seinen Sieg nicht schwerer machen sollen? War es sicher, ihn die ganze Stärke ihrer leidenschaft sehen zu lassen, und sich wegen der Erhaltung seines Herzens allein auf die gänzliche Dahingebung des Ihrigen zu verlassen? – – Diese fragen waren weder spitzfündig noch so leicht zu beantworten, als manches gute Ding sich einbildet, dem man eine ewige Liebe geschworen hat, und dessen geringster Kummer nun ist, ob man ihr werde Wort halten können. Die schöne Danae kannte die Wichtigkeit derselben in ihrem ganzen Umfange; und alles was sie sich selbst darüber sagen konnte, stellte sie doch nicht so zufrieden, dass sie nicht für nötig befunden hätte, einen gelegnen Augenblick zu belauschen, um sich über alle ihre Zweifel ins Klare zu setzen; im übrigen sehr überzeugt, dass es ihr nicht an Mitteln fehlen werde, dem entdeckten Übel zu helfen, es möchte nun auch bestehen, worin es immer wollte. Agaton ermangelte nicht, ihr noch an dem nämlichen Tag gelegenheit dazu zu geben.
Schwermut und Traurigkeit machen die Seele nach und nach schlaff, und eröffnen sie allen weichen und zärtlichen Regungen. Dieser Satz ist so wahr, dass tausend Liebesverbindungen in der Welt keinen andern Ursprung haben. Ein Liebhaber verliert einen Gegenstand, den er anbetet; er ergiesst seine Klagen in den Busen einer Freundin, für deren Reizungen er bisher vollkommen gleichgültig gewesen war – – Sie bedauert ihn; er findet sich dadurch erleichtert, dass er sich frei und ungehindert beklagen kann; und die Schöne ist erfreut, dass sie gelegenheit hat, ihr gutes Herz zu zeigen: Ihr Mitleiden rührt ihn, und erregt seine Aufmerksamkeit: Sobald eine Frauensperson zu interessieren anfängt, sobald entdeckt man Reizungen an ihr: Die Regungen, worin beide sich befinden, sind der Liebe günstig; sie verschönern die Freundin, und blenden die Augen des Freundes: Überdem sucht der Schmerz natürlicher Weise eine Zerstreuung, und ist geneigt sich an alles zu hängen, was ihm Trost und Linderung verspricht: Eine dunkle Ahnung neuer Vergnügungen; der Anblick eines Gegenstands, der solche geben kann; die günstige Gemütsstellung, worin man denselben sieht, auf der Einen – – die Eitelkeit, diese grosse Treibfeder des weiblichen Herzens; das Vergnügen, so zu sagen, einen Sieg über eine Nebenbuhlerin davon zu tragen, indem man liebenswürdig genug ist, ihren Verlust zu ersetzen; die Begierde, selbst ihr Andenken auszulöschen; vielleicht, auch die Guterzigkeit der menschlichen natur, und das Vergnügen glücklich zu machen, auf der andern Seite – – wie viel Umstände, welche sich vereinigen, unvermerkt den Freund in einen Liebhaber, und die Vertraute in die Hauptperson eines neuen Romans zu verwandeln.
In einer Gemütsverfassung von dieser Art befand sich Agaton, als Danae, welche vernommen hatte, dass er den ganzen Abend in der einsamsten Gegend des Gartens zugebracht, sich nicht mehr zurückhalten konnte ihn aufzusuchen. Sie fand ihn mit halbem Leib auf einer grünen Bank liegen, das Haupt unterstützt, und so zerstreut, dass sie eine Weile vor ihm stand, ehe er sie gewahr wurde. Du bist traurig, Callias, sagte sie endlich mit einer gerührten stimme, indem sie Augen voll mitleidender Liebe auf ihn heftete. Kann ich traurig sein, wenn ich dich sehe? erwiderte Agaton, mit einem Seufzer, welcher seine Frage zu beantworten schien. Auch gab ihm Danae keine Antwort auf ein so verbindliches Compliment, sondern fuhr fort, ihn stillschweigend, aber mit einem Gesicht voll Seele, und Augen die voller wasser standen, anzusehen. Er richtete sich auf, und sah sie eine Weile an, als ob er bis in den Grund ihrer Seele schauen wollte. Ihre Herzen schienen durch ihre Blicke in einander zu zerfliessen. Liebest du mich, Danae? fragte endlich Agaton mit einer von Zärtlichkeit und Wehmut halberstickten stimme, indem er einen Arm um sie schlang, und fortfuhr sie mit wässrichten Augen anzusehen. Sie schwieg eine Zeit lang. Ob ich dich liebe? – – War alles was sie sagen konnte; aber der Ausdruck, der Ton, womit sie es sagte, hätte durch alle Beredsamkeit des Demostenes nicht ersetzt werden können. Ach Danae! (erwidert Agaton) ich frage nicht, weil ich zweifle – – Kann ich eine Versichrung, von welcher das ganze Glück meines Lebens abhängt, zu oft von diesen geliebten Lippen empfangen? Wenn du mich nicht liebtest – – wenn du aufhören könntest mich zu lieben – – Was für Gedanken, mein liebster Callias? unterbrach sie ihn: Wie elend wär ich, wenn du sie in deinem Herzen fändest – – wenn dieses dir sagte, dass eine Liebe wie die unsrige aufhören könne? – – Ein übelverhehlter Seufzer war alles was er antworten konnte. Du bist traurig, Callias, fuhr sie fort; ein geheimer Kummer bricht aus allen deinen Zügen hervor – – Du begreifst nicht, nein, du begreifst nicht, was ich leide, dich traurig zu sehen, ohne die Ursache davon zu wissen. Wenn mein Vermögen, wenn meine Liebe, wenn mein Leben selbst hinlänglich ist, sie von dir zu entfernen, mein Geliebter, o! so verzögre keinen Augenblick, dein Innerstes mir aufzuschliessen – – Der Ausdruck, die Blicke, der Ton der stimme, womit sie dieses sagte, rührte den gefühlvollen Agaton bis zu sprachloser Entzückung. Er wand seine arme um sie, druckte sein Gesicht auf ihre klopfende Brust, und konnte lange nur durch die Tränen reden,