Erörterung mit ihm kommen müsse, und war nur darüber unruhig, wie sie sich entschuldigen wollte, dass sie, über der Bemühung den Charakter des Agatons umzubilden, ihren eignen oder doch einen guten teil davon verloren hatte. Mit diesen Gedanken hatte sie sich in den Stunden der gewöhnlichen Mittagsruhe beschäftiget, und war noch nicht recht mit sich selbst einig, wie weit sie sich dem Sophisten vertrauen wolle; als er in ihr Zimmer trat, und mit der vertraulichen Freimütigkeit eines alten Freundes ihr entdeckte, dass es die Neugier über den Fortgang ihres geheimen Anschlags sei, was ihn so bald nach seiner Wiederkunft zu ihr gezogen habe. Die Glückseligkeit des Callias (setzte er hinzu) schimmert zu lebhaft aus seinen Augen und aus seinem ganzen Betragen hervor, schöne Danae, als dass ich durch überflüssige Fragstücke das reizende Incarnat dieser liebenswürdigen Wangen zu erhöhen suchen sollte. Und findest du ihn also der Mühe würdig, die du auf seine Bekehrung ohne Zweifel verwenden musstest? Der Mühe? sagte Danae lächelnd; ich schwöre dir, dass mir in meinem Leben keine Mühe so leicht geworden ist, als mich von dem liebenswürdigsten Sterblichen, den ich jemals gekannt habe, lieben zu lassen. Denn das war doch alle Mühe – – Nicht ganz und gar, (unterbrach sie Hippias) wenn du so auf richtig sein willt, als es unsrer Freundschaft gemäss ist. Ich bin gewiss, dass er an keine Verstellung dachte, da er noch in meinem haus war; und die Veränderung, die ich an ihm wahrnehme ist so gross, verbreitet sich so sehr über seine ganze person, hat ihn so unkenntlich gemacht, dass Danae selbst, auf deren Lippen die Überredung wohnt, mich nicht überreden soll, dass eine solche Seelenwandlung im Schlafe vorgehen könne. Keine Zurückhaltungen, schöne Danae, die Würkungen zeugen von ihren Ursachen; ein grosses Werk setzt grosse Anstalten voraus; wenn ein Callias dahin gebracht wird, dass er wie ein Liebling der Venus herausgeputzt ist, dass er mit einer Sybaritischen Zunge von der Niedlichkeit der speisen und dem Geschmack der Weine urteilt; dass er die wollüstigsten Läufe eines in Liebe schmelzenden Liedes mit entzücktem Händeklatschen wiederholen heisst, und sich die Trinkschale von einer jungen Circasserin mit unverhülltem Busen eben so gleichgültig reichen lässt, als er sich in die weichen Polster eines Persischen Ruhebettes hineinsenkt – – wahrhaftig, schöne Danae, das nenn ich eine Verwandlung, welche in so kurzer Zeit zu bewerkstelligen, ich keiner von allen unsterblichen Göttinnen zugetraut hätte. Ich weiss nicht, was du damit sagen willst, erwiderte Danae mit einer angenommenen Zerstreuung; mich deucht nichts natürlichers, als alles, worüber du dich so verwundert stellst; und gesetzt, dass du dich in deinem Urteil von Callias betrogen hättest, ist es seine Schuld? Wenn ich dir die Wahrheit sagen soll, so kann nichts unähnlichers sein, als wie du ihn mir abgeschildert, und wie ich ihn gefunden habe. Du machtest mich einen Pedantischen Toren, den Gegenstand einer Comödie erwarten, und ich wiederhole es, du magst über mich lachen so lange du willt, Alcibiades selbst im Frühling seiner Jahre und Reizungen war nicht liebenswürdiger als derjenige, den du mir für ein comisches Mittelding von einem Phantasten und von einer Bildsäule gegeben hast. Wenn eine Verschiedenheit zwischen Callias und den Besten ist, für welche ich ehmals aus Dankbarkeit, Geschmack oder Laune, Gefälligkeiten gehabt habe, so ist sie gänzlich zu seinem Vorteil; so ist es, dass er edler, aufrichtiger, zärtlicher ist, dass er mich liebt, da jene nur sich selbst in mir liebten; dass ihn mein Vergnügen glücklicher macht als sein eigenes; dass er das grossmütigste und erkenntlichste Herz mit den glänzendesten Vorzügen des Geistes, mit allem was den Umgang reizend macht, vereinigt besitzt. – – Welch ein Strom von Beredsamkeit, rief Hippias mit dem Lächeln eines Fauns aus; du sprichst nicht anders als ob du seine Apologie gegen mich machen müsstest; und wenn habe ich denn was anders gesagt? Beschrieb ich ihn nicht als liebenswürdig? Sagt' ich dir nicht, dass er dir die Hyacinte, und alle diese artigen gaukelnden Sommervögel unerträglich machen würde? Aber wir wollen uns nicht zanken, schöne Danae. Ich sehe, dass Amor hier mehr Arbeit gemacht als ihm aufgetragen war; er sollte dir nur helfen, den Callias zu unterwerfen; aber der übermütige kleine Bube hat es für eine grössere Ehre gehalten, dich selbst zu besiegen; diese Danae, welche bisher mit seinen Pfeilen nur gescherzt hatte. Bekenne, Danae – – Ja, (fiel sie ihm lebhaft ein) ich bekenne, dass ich liebe wie ich nie geliebt habe; dass alles was ich sonst Glückseligkeit nannte, kaum den Namen des Daseins verdient hat; ich bekenne es, Hippias, und bin stolz darauf, dass ich fähig wäre, alles was ich besitze, alle Ergötzlichkeiten von Smirna, alle Ansprüche an Beifall, alle Befriedigungen der Eitelkeit, und eine ganze Welt voll Liebhaber wie eine Nussschale hinzuwerfen, um mit Callias in einer mit Stroh bedeckten Hütte zu leben, und mit diesen Händen, welche nicht zu weiss und zärtlich dazu sein sollten, die Milch zuzubereiten, die ihm, vom feld wiederkommend, weil ich sie ihm reichte, lieblicher schmecken würde, als Nektar aus den Händen der Liebesgöttin.
O, das ist was anders, rief Hippias, der sich nun nicht länger halten konnte, in ein lautes Gelächter auszubrechen; wenn Danae aus diesem Tone spricht, so hat Hippias nichts mehr