Beschützer hat,) möchten sie über die eurige wachen! Möchten sie euch zu rechter Zeit warnen, euch einer Zärtlichkeit nicht zu vertrauen, welche, bezaubert von dem grossmütigen Vergnügen, den Gegenstand ihrer Liebe glücklich zu machen, so leicht sich selbst vergessen kann! Möchten sie endlich in jenen Augenblicken, wo das Anschauen der Entzückungen, in die ihr zu setzen fähig seid, eure Klugheit überraschen könnte, euch in die Ohren flüstern: Dass selbst ein Agaton, weder Verdienst noch Liebe genug hat, um wert zu sein, dass die Befriedigung seiner Wünsche euch die Ruhe eures Herzens koste.
Zehentes Capitel
Welches alle unsre verheiratete Leser, wofern sie
nicht sehr glücklich oder vollkommne Stoiker sind
überschlagen können
Die schöne Danae war keine von denen, welche das, was sie tun, nur zur Hälfte tun. Nachdem sie einmal beschlossen hatte, ihren Freund glücklich zu machen, so vollführte sie es auf eine Art, welche alles was er bisher Vergnügen und Wonne genannt hatte, in Schatten und Wolkenbilder verwandelte. Man erinnert sich vermutlich noch, dass eine Art von Vorwitz oder vielmehr ein launischer Einfall, die Macht ihrer Reizungen an unserm Helden zu probieren, anfangs die einzige Triebfeder der Anschläge war, welche sie auf sein Herz gemacht hatte. Die persönliche Bekanntschaft belebte dieses Vorhaben durch den Geschmack, den sie an ihm fand; und der tägliche Umgang, die Vorzüge Agatons, und, was in den meisten Fällen die Niederlage der weiblichen Tugend wo nicht allein verursacht, doch sehr befördert, die ansteckende Kraft, das Sympatetische der verliebten Begeisterung, welcher der göttliche Plato mit Recht die wundertätigsten Kräfte zuschreibt; alles dieses zusammen genommen, verwandelte zuletzt diesen Geschmack in Liebe, aber in die wahreste, zärtlichste und heftigste, welche jemals gewesen ist. Unserm Helden allein war die Ehre auf behalten (wenn es eine war) ihr eine Art von Liebe einzuflössen, worin sie, ungeachtet alles dessen, was uns von ihrer geschichte schon entdeckt worden ist, noch so sehr ein Neuling war, als es eine Vestalin in jeder Art von Liebe sein soll. Kurz, er, und er allein, war dazu gemacht, den Widerwillen zu überwinden, den ihr die gemeinen Liebhaber, die schönen Hyacinte, diese tändelnden Gecken, an denen (um uns ihres eigenen Ausdrucks zu bedienen) die Hälfte ihrer Reizungen verloren ging; gegen alles was die Mine der Liebe trug, einzuflössen angefangen hatten.
Die meisten von derjenigen klasse der Naturkündiger, welche mit dem Herrn von Büffon davorhalten, dass das Physikalische der Liebe das beste davon sei, werden ohne Bedenken eingestehen, dass der Besitz, oder (um unsern Ausdruck genauer nach ihren Ideen zu bestimmen) der Genuss einer so schönen Frau als Danae war, an sich selbst betrachtet die vollkommenste Art von Vergnügungen in sich schliesse, deren unsre Sinnen fähig sind; eine Wahrheit, welche, ungeachtet einer Art von stillschweigender Übereinkunft, dass man sie nicht laut gestehen wolle, von allen Völkern und zu allen zeiten so allgemein anerkannt worden ist, dass Carneades, Sextus, Cornelius Agrippa, und Bayle selbst sich nicht getrauet haben, sie in Zweifel zu ziehen. Ob wir nun gleich nicht Mut genug besitzen, gegen einen so ehrwürdigen Beweis als das einhellige Gefühl des ganzen menschlichen Geschlechts abgibt, öffentlich zu behaupten, dass diejenigen Vergnügungen der Liebe, welche der Seele eigen sind, den Vorzug vor jenen haben: So werden doch nicht wenige mit uns einstimmig sein, dass ein Liebhaber, der selbst eine Seele hat, im Besitz der schönsten Statue von Fleisch und Blut, die man nur immer finden kann, selbst jene von den neuern Epicuräern so hoch gepriesene Wollust nur in einem sehr unvollkommnen Grade erfahren würde; und dass diese allein von der Empfindung des Herzens jenen wunderbaren Reiz erhalte, welcher immer für unaussprechlich gehalten worden ist, bis Rousseau, der Stoiker, sich herabgelassen, sie in dem fünf und vierzigsten der Briefe der neuen Heloise, in einer Volkommenheit zu schildern, welche sehr deutlich beweist, was für eine begeisternde Kraft die blosse halberloschene Erinnerung an die Erfahrungen seiner glücklichen Jugend über die Seele des Helvetischen Epictets ausgeübt haben müsse. Ohne Zweifel sind es Liebhaber von dieser Art, Saint Preux und Agatons, welchen es zukömmt, über die berührte Streitfrage einen entscheidenden Ausspruch zu tun; sie, welche durch die Feinheit und Lebhaftigkeit ihres Gefühls eben so geschickt gemacht werden, von den physicalischen, als durch die Zärtlichkeit ihres Herzens, oder durch ihren innerlichen Sinn für das sittliche Schöne, von den moralischen Vergnügungen der Liebe zu urteilen. Und wie wahr, wie natürlich werden nicht diese jene Stelle finden, die den Verehrern der animalischen Liebe unverständlicher ist als eine Hetruscische Aufschrift den Gelehrten, – – "O, entziehe mir immer diese berauschenden Entzückungen, für die ich tausend Leben gäbe! – – Gib mir nur das alles wieder was nicht sie, aber tausendmal süsser ist als sie" – –
Die schöne Danae war so sinnreich, so unerschöpflich in der Kunst (wenn man anders dasjenige so nennen kann, was natur und Liebe allein, und keine ohne die andre geben kann) ihre Gunstbezeugungen zu vervielfältigen, den innerlichen Wert derselben durch die Annehmlichkeiten der Verzierung zu erhöhen, ihnen immer die frische Blüte der Neuheit zu erhalten, und alles Eintönige, alles was die Bezauberung hätte auflösen, und dem Überdruss den Zugang öffnen können, klüglich zu entfernen; dass sie oder eine andre ihres gleichen den Herrn von Büffon selbst dahin gebracht hätte, seine Gedanken von der