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Orgya um diese Zeit zu begehen pflegten; und dass sie, wenn sie sich zu solchem Ende versammelten, in ihrem schönsten Putz aufzuziehen pflegten, ob sie gleich vor Besteigung des berges sich dessen wieder entledigten, und alles bis zu ihrer Wiederkunft von einer Anzahl Sclavinnen bewachen liessen. Die Hoffnung, ausser diesen Weibern, von denen sie die schönsten für die Asiatischen Harems bestimmten, eine Menge von kostbaren Kleidern und Juwelen zu erbeuten, schien ihnen wohl wert, sich etwas länger aufzuhalten. Sie teilten sich also in zwei Haufen, davon der eine sich derer bemächtigte, welche die Kleider hüteten, indessen dass die übrigen den Berg bestiegen, und mit grossem Geschrei unter die Tracierinnen einstürmend, sich von ihnen Meister machten, ehe sie Zeit oder Mut hatten, sich zur Wehr zu setzen. Die Umstände waren allerdings so beschaffen, dass sie sich allein mit den gewöhnlichen und anständigsten Waffen ihres Geschlechts verteidigen konnten. Allein diese Cilicier waren allzusehr Seeräuber, als dass sie auf die Tränen und Bitten, noch selbst auf die Reizungen dieser Schönen einige achtung gemacht hätten, welche doch in diesem Augenblick, da Schrecken und Zagheit ihnen die Weiblichkeit (wenn es erlaubt ist, dieses Wort einem grossen Dichter abzuborgen) wiedergegeben hatte, selbst dem sittsamen Agaton so verführerisch vorkamen, dass er vor gut befand, seine nicht gerne gehorchende Augen an den Boden zu heften. Allein die Räuber hatten jetzt andre Sorgen, und waren nur darauf bedacht, wie sie ihre Beute aufs schleunigste in Sicherheit bringen möchten. Und so entging Agaton, für etliche nicht allzufeine Scherze über die Gesellschaft, worin man ihm gefunden hatte, und für seine Freiheit, einer Gefahr, aus der er seinen Gedanken nach sich nicht zu teuer loskaufen konnte. Der Verlust der Freiheit schien ihn in den Umständen worin er war, wenig zu bekümmern; und in der Tat, da er alles übrige verloren hatte was die Freiheit schätzbar macht, so hatte er wenig Ursache sich wegen eines Verlusts zu kränken, der ihm wenigstens eine Veränderung im Unglück versprach.

Viertes Capitel

Agaton wird zu Schiffe gebracht

Nachdem die Cilicier mit ihrer gesamten Beute wieder zu Schiffe gegangen, und die Teilung derselben mit grösserer Eintracht, als womit die Vorsteher einer kleinen Republik sich in die öffentlichen Einkünfte zu teilen pflegen, geendiget hatten; brachten sie den Rest der Nacht mit einem Schmause zu, bei welchem sie nicht vergassen, sich wegen der mehr als stoischen Unempfindlichkeit, die sie bei Eroberung der tracischen Schönen bewiesen hatten, schadlos zu halten. Unterdessen aber, dass das ganze Schiff beschäftiget war, das angefangne Bacchusfest zu vollenden, hatte sich Agaton unbemerkt in einen Winkel zurück gezogen, wo er vor Müdigkeit abermals einschlummerte, und den Traum gerne fortgesetzt hätte, aus welchem ihn das Evan Evan der berauschten Mänaden geweckt hatte.

Fünftes Capitel

Eine Entdeckung

Die aufgehende Sonne, die von der rosenfingrichten Aurora angekündiget, das Jonische Meer mit ihren ersten Strahlen vergoldete, fand alle diejenigen, mit dem Virgil zu reden, von Wein und Schlaf begraben, welche die Nacht durch dem Bacchus und seiner Göttin Schwester geopfert hatten. Nur Agaton, der gewohnt war mit der Morgenröte zu erwachen, wurde von den ersten Strahlen geweckt, die in horizontalen Linien an seiner Stirne hinschlüpften. Indem er die Augen aufschlug, sah er einen jungen Menschen in einer Sclaven-Kleidung vor sich stehen, der ihn mit grosser Aufmerksamkeit betrachtete. So schön als Agaton war, so schien er doch von diesem liebenswürdigen Jüngling an Feinheit der Gestalt und Farbe übertroffen zu werden; in der Tat hatte er in seiner Gesichtsbildung und in seiner ganzen Figur etwas so jungfräuliches, dass er, gleich dem schönen Liebling des Horaz, in weiblicher Kleidung unter einer Schar von Mädchen gemischt, gar leicht das Auge des schärfsten Kenners betrogen haben würde. Agaton erwiderte den Anblick dieses jungen Sclaven mit einer Aufmerksamkeit, in welcher ein angenehmes Erstaunen nach und nach sich bis zur Entzückung erhob. Eben diese Bewegungen entüllten sich auch in dem anmutigen gesicht des jungen Sclaven; ihre Seelen erkannten einander in eben demselben Augenblicke, und schienen durch ihre Blicke schon in einander zu fliessen, eh ihre arme sich umfangen, und die von Entzückung bebende LippenPsycheAgaton, ausrufen konnten. Sie schwiegen eine lange Zeit; dasjenige, was sie empfanden, war über allen Ausdruck; und wozu bedurften sie der Worte? Der Gebrauch der Sprache hört auf, wenn sich die Seelen einander unmittelbar mitteilen, sich unmittelbar anschauen und berühren, und in einem Augenblick mehr empfinden, als die Zunge der Musen selbst in ganzen Jahren auszusprechen vermöchte. Die Sonne würde vielleicht unbemerkt über ihrem Haupt hinweg, und wieder in den Ocean hinab gestiegen sein, ohne dass sie in den fortdaurenden Augenblick der Entzückung den Wechsel der Stunden bemerkt hätten; wenn nicht Agaton dem es allerdings zukam hierin der erste zu sein, sich mit sanfter Gewalt aus den Armen seiner Psyche losgewunden hätte, um von ihr zu erfahren, durch was für einen Zufall sie in die Gewalt der Seeräuber gekommen sei. Die Zeit ist kostbar, liebste Psyche, sagte er, wir müssen uns der Augenblicke bemächtigen, da diese Barbaren, von der Gewalt ihres Gottes bezwungen, zu Boden liegen. Erzähle mir, durch was für einen Zufall wurdest du von meiner Seite gerissen, ohne dass es mir möglich war zu erfahren, wie oder wohin? Und wie finde ich dich jetzt in diesem Sclavenkleid, und in der Gewalt dieser Seeräuber?

Sechstes Capitel

Erzählung der Psyche

Du erinnerst dich, antwortete ihm