, welche die Absichten der schlauen Danae mehr zu begünstigen als abzuschrecken schien. O du, für den wir aus grossmütiger Freundschaft uns die Mühe gegeben haben, dieses dir allein gewidmete Capitel zu schreiben, halte hier ein und frage dein Herz. Wenn du eine Danae gefunden hast (armer Jüngling! welche Molly Seagrim kann es nicht in deinen bezauberten Augen sein?) und du verstehest den Schluss dieses Capitels, so kommt unsre Warnung schon zu spät, und du bist verloren, fliehe, von dem Augenblick an, da du sie gesehen fliehe; und erstecke den Wunsch sie wieder zu sehen! Wenn du das nicht kannst; wenn du, nachdem du diese Warnung gelesen, nicht willst: so bist du kein Agaton mehr, so bist du was wir andern alle sind; tue was du willst, es ist nichts mehr an dir zu verderben.
Sechstes Capitel
Worin der Geschichtschreiber sich einiger
Indiscretion schuldig macht
Die schöne Danae war sehr weit entfernt, gleichgültig gegen die Vorzüge des Callias zu sein, und es kostete ihr wirklich, so gesetzt sie auch war, einige Mühe, ihm zu verbergen, wie sehr sie von seiner Liebe gerührt war, und wie gern sie sich dieselbe zu Nutz gemacht hätte. Allein aus einem Agaton einen Alcibiades zu machen, das konnte nicht das Werk von etlichen Tagen sein, und um so viel weniger, da er durch unmerkliche Schritte, und ohne, dass sie selbst etwas dabei zu tun schien, zu einer so grossen Veränderung gebracht werden musste, wenn sie anders dauerhaft sein sollte. Die grosse Kunst war, unter der Maske der Freundschaft seine Begierden zu eben der Zeit zu reizen, da sie selbige durch eine unaffectierte Zurückhaltung abzuschrecken schien. Allein auch dieses war nicht genug; er musste vorher die Macht zu widerstehen verlieren; wenn der Augenblick einmal gekommen sein würde, da sie die ganze Gewalt ihrer Reizungen an ihm zu prüfen entschlossen war. Eine zärtliche Weichlichkeit musste sich vorher seiner ganzen Seele bemeistern, und seine in Vergnügen schwimmende Sinnen mussten von einer süssen Unruhe und wollüstigen sehnsucht eingenommen wer den, ehe sie es wagen wollte, einen Versuch zu machen, der, wenn er zu früh gemacht worden wäre, gar leicht ihren ganzen Plan hätte vereiteln können. Zum Unglück für unsern Helden ersparte ihr seine magische Einbildungskraft die Hälfte der Mühe, welche sie aus einem Übermass von Freundschaft anwenden wollte, ihm die Verwandlung, die mit ihm vorgehen sollte, zu verbergen. Ein Lächeln seiner Göttin war genug, ihn in Vergnügen zu zerschmelzen; ihre Blicke schienen ihm einen überirdischen Glanz über alles auszugiessen, und ihr Atem der ganzen natur den Geist der Liebe einzuhauchen: Was musste denn aus ihm werden, da sie zu Vollendung ihres Sieges alles anwendete, was auch den unempfindlichsten unter allen Menschen zu ihren Füssen hätte legen können? Agaton wusste noch nicht, dass sie die Laute spielte, und in der Musik eine eben so grosse Virtuosin als in der Tanzkunst war. Die Feste und Lustbarkeiten, in deren Erfindung er unerschöpflich war, um ihr den ländlichen Aufentalt angenehmer zu machen, gaben ihr Anlass, ihn durch Entdeckung dieser neuen Reizungen in Erstaunen zu setzen. Es ist billig, sagte sie zu ihm, dass ich deine Bemühungen, mir Vergnügen zu machen, durch eine Erfindung von meiner Art erwidre. Diesen Abend will ich dir den Wettstreit der Sirenen und der Musen geben, ein Stück des berühmten Damons, das ich noch aus Aspasiens zeiten übrig habe, und das von den Kennern für das Meisterstück der Tonkunst erklärt wurde. Die Anstalten sind schon dazu gemacht, und du allein sollst der Zuhörer und Richter dieses Wettgesangs sein. Niemals hatte den Agaton eine Zeit länger gedaucht, als die wenigen Stunden, die er in Erwartung dieses versprochenen Vergnügens zubrachte. Danae hatte ihn verlassen um durch ein erfrischendes Bad ihrer Schönheit einen neuen Glanz zu geben, indessen dass er die verschwindenden Strahlen der untergehenden Sonne einen nach dem andern zu zählen schien. Endlich kam die angesetzte Stunde. Der schönste Tag hatte der anmutigsten Nacht Platz gemacht, und eine süsse Dämmerung hatte schon die ganze schlummernde natur eingeschleiert; als plötzlich ein neuer zauberischer Tag, den eine unendliche Menge künstlich versteckter Lampen verursachte, den reizenden Schauplatz sichtbar machte, welchen die Fee dieses Orts zu diesem Lustspiel hatte zubereiten lassen. Eine mit Lorbeerbäumen beschattete Anhöhe erhob sich aus einem spiegelhellen See, der mit Marmor gepflastert, und ringsum mit Myrten und Rosenhecken eingefasst war. Kleine Quellen schlängelten den Lorbeerhain herab, und rieselten mit sanftem Murmeln oder lächelndem Klatschen in den See, an dessen Ufer hier und da kleine Grotten, mit Corallenmuscheln und andern Seegewächsen ausgeschmückt hervorragten, und die wohnung der Nymphen dieses Wassers zu sein schienen. Ein kleiner Nachen in Gestalt einer Perlenmuschel, der von einem marmornen Triton emporgehalten wurde, stunde der Anhöhe gegen über am Ufer, und war der Sitz, auf welchem Agaton als Richter den Wettgesang hören sollte.
Siebentes Capitel
Magische Kraft der Musik
Agaton hatte seinen Platz kaum eingenommen, als man in dem wasser ein wühlendes Plätschern, und aus der Ferne, wie es liess, eine sanft zerflossene Harmonie hörte, ohne jemand zu sehen, von dem sie herkäme. Unser Liebhaber, den dieser Anfang in ein stilles Entzücken setzte, wurde, ungeachtet er zu diesem Spiele vorbereitet war, zu glauben versucht, dass er die Harmonie der Sphären höre, von deren Würklichkeit ihn die Pytagorischen Weisen beredet hatten; allein, während dass sie immer näher kam und deutlicher wurde, sah er