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zu leben, ihres Umgangs zu geniessen, vielleichtihrer Freundschaft gewürdiget zu werdenhier hielt seine entzückte Einbildungskraft stille. Die Hoffnungen eines gewöhnlichen Liebhabers würden weiter gegangen sein; allein Agaton war kein gewöhnlicher Liebhaber. Ich liebe die schöne Danae, sagte Hyacintus, da er nach ihrem Genuss lüstern war; eben darum liebt ihr sie nicht, würde ihm die Socratische Diotima geantwortet haben. Derjenige, der in dem Augenblick, da ihm seine Geliebte den ersten Kuss auf ihre Hand gestattet, einen Wunsch nach einer grösseren Glückseligkeit hat, muss nicht sagen, dass er liebe.

Viertes Capitel

Veränderung der Scene

Danae hatte von der Freigebigkeit des Prinzen Cyrus, ausser dem haus, welches sie zu Smyrna bewohnte, ein Landgut, in der anmutigsten Gegend ausserhalb dieser Stadt, wo sie von Zeit zu Zeit einige dem Vergnügen geweihte Tage zuzubringen pflegte. Hieher musste sich Agaton begeben, um von seinem neuen amt Besitz zu nehmen, und dasjenige zu veranstalten, was zum Empfang seiner Gebieterin nötig war, welche sich vorgenommen hatte, den Rest der schönen Jahrszeit auf dem land zu geniessen. Wir widerstehen der Versuchung, eine Beschreibung von diesem Landgut zu machen, um dem Leser das Vergnügen zu lassen, sich dasselbe so wohlangelegt, so prächtig und so angenehm vorzustellen als er selbst es will. Alles, was wir davon sagen wollen, ist, dass diejenigen, deren Einbildungskraft einiger Unterstützung nötig hat, den sechszehnten Gesang des befreiten Jerusalems lesen müssten, um sich eine Vorstellung von dem Orte zu machen, den sich diese griechische Armide zum Schauplatz der Siege auswählte, die sie über unsern Helden zu erhalten hoffte. Sie fand nicht für gut, oder konnte es nicht über sich selbst erhalten, ihn lange auf ihre Ankunft warten zu lassen; und sie war kaum angelangt, als sie ihn zu sich rufen liess, und ihn durch folgende Anrede in eine angenehme Bestürzung setzte: "Die Bekanntschaft, die wir vor einigen Tagen mit einander gemacht haben, wäre, auch ohne die Nachrichten, die mir Hippias von dir gegeben, schon genug gewesen, mich zu überzeugen, dass du für den Stand nicht geboren bist, in den dich ein widriger Zufall gesetzt hat. Die Gerechtigkeit, die ich Personen von Verdiensten widerfahren zu lassen fähig bin, gab mir das Verlangen ein, dich aus einer Abhänglichkeit von dem Hippias zu setzen, welche die Verschiedenheit deiner denkart von der seinigen, dir in die Länge beschwerlich gemacht hätte. Er hatte die gefälligkeit, dich mir als eine person vorzuschlagen, die sich schickte, die Stelle eines Aufsehers in meinem haus zu vertreten. Ich nahm sein Erbieten an, um das Vergnügen zu haben, den Gebrauch davon zu machen, den ich deinen Verdiensten und meiner denkart schuldig bin. Du bist frei, Callias, und vollkommen Meister zu tun was du für gut befindest. Kann die Freundschaft, die ich dir anbiete, dich bewegen bei mir zu bleiben, so wird der Name eines Amtes, von dessen Pflichten ich dich völlig freispreche, wenigstens dazu dienen, der Welt eine begreifliche Ursache zu geben, warum du in meinem haus bist; wo nicht, so soll das Vergnügen, womit ich zu Beförderung der Entwürfe, die du wegen deines künftigen Lebens machen kannst, die Hand bieten werde, dich von der Lauterkeit der Bewegungsgründe überzeugen, welche mich so gegen dich zu handeln angetrieben haben." Die edle und ungezwungene Anmut, womit dieses gesprochen wurde, vollendete die Würkung, die eine so grossmütige Erklärung auf den Empfindungs-vollen Agaton machen musste. "Was für eine Art zu denken! was für eine Seele!" konnte' er weniger tun, als sich zu ihren Füssen werfen, um in Ausdrücken, deren Verwirrung ihre ganze Beredsamkeit ausmachte, der Bewundrung und der Dankbarkeit Luft zu machen, deren Übermass seine Brust zersprengen zu wollen schien. Keine Danksagungen, Callias unterbrach ihn die grossmütige Danae, was ich getan habe, ist nicht mehr als ich einem jeden andern, der deine Verdienste hätte, eben sowohl schuldig zu sein glaubteIch habe keine Ausdrücke für das was ich empfinde, anbetungswürdige Danae, rief der entzückte Agaton, ich nehme dein Geschenk an, um das Vergnügen zu geniessen, dein freiwilliger Sclave zu sein eine Ehre, gegen die ich die Crone des Königs von Persien verschmähen würde. Ja, schönste Danae, seitdem ich dich gesehen habe, kenne ich kein grösseres Glück als dich zu sehen; und wenn alles, was ich in deinem Dienste tun kann, fähig sein kann, dich von der unaussprechlichen Empfindung, die ich von deinem Werte habe, zu überzeugen; würdig sein kann, mit einem zufriednen blick von dir belohnt zu werden – o Danae! wer wird denn so glücklich sein als ich? Lasst uns, sagte die bescheidne Nymphe, ein Gespräch enden, das die allzugrosse Dankbarkeit deines Herzens auf einen zu hohen Ton gestimmt hat. Ich habe dir gesagt, auf was für einem Fuss du hier sein wirst. Ich sehe dich als einen Freund meines Hauses an, dessen Gegenwart mir Vergnügen macht, dessen Wert ich hoch schätze, und dessen Dienste mir in meinen Angelegenheiten desto nützlicher sein können, da sie freiwillig und die Frucht einer uneigennützigen Freundschaft sein werden. Mit diesen Worten verliess sie den dankbaren Agaton, in dessen Erklärung einige vielleicht Schwulst und Unsinn, oder wenigstens zuviel Feuer und Entzückung gefunden haben werden. Allein sie werden sich zu erinnern belieben, dass Agaton weder in einer so gelassenen Gemütsverfassung war, wie