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einen blossen Zuschauer abgegeben hatte, trat ein Tänzer und eine junge Tänzerin herein, die nach der Modulation eben so vieler Flöten die geschichte des Apollo und der Daphne tanzten. Die Geschicklichkeit der Tanzenden befriedigte alle Zuschauer; alles an ihnen war Seele und Ausdruck, und man glaubte sie immer zu hören, ob man sie gleich nur sah. Wie gefällt dir diese Tänzerin, Callias, fragte Danae den Agaton, welcher nur mittelmässig aufmerksam auf dieses Spiel zu sein schien, und der einzige war, der nicht beobachtete, dass die Tänzerin von ungemeiner Schönheit, und eben so wie Cyane, kaum mit etwas mehr als gewebter Luft umhüllt war. Mich deucht, versetzte Agaton, der jetzt erst anfing sie aufmerksamer anzusehen, mich deucht, dass sie, vielleicht aus allzugrosser Begierde zu gefallen, den charakter verlässt den sie vorstellen soll. Warum sieht sie sich im Fliehen um? Und mit einem blick, der es ihrem Verfolger zu verweisen scheint, dass er nicht schneller ist als sie? – Gut, sehr gut! (fuhr er fort, wie die Stelle kam, wo Daphne den Flussgott um hülfe anruft,) unverbesserlich! Wie sie mitten in ihrem Gebet sich verwandelt! Wie sie erbleicht! Wie sie schauert! Ihre Füsse wurzeln mitten in einer schreckhaften Bewegung ein; umsonst will sie ihre ausgebreiteten arme zurückziehen. – Aber warum dieser zärtlich-bange blick auf ihren Liebhaber? Warum diese Träne, die in ihrem Auge zu erstarren scheint? – Ein allgemeines Lächeln beantwortete die Frage Agatons. Du tadelst gerade, versetzte zuletzt einer von den Gästen, was wir am meisten bewundern. Eine gewöhnliche Tänzerin würde nicht fähig gewesen sein, deinen Tadel zu verdienen. Es ist unmöglich mehr Geist, mehr Feinheit und einen schönern Contrast in diese Rolle zu bringen, als die kleine Psyche, (so hiess die Tänzerin) getan hat. Daphne selbst war nicht bestürzter gewesen, da sie sich verwandelt fühlte, als Agaton in dem Augenblick, als er den Namen Psyche hörte; er stockte mitten in einem Worte, das er sagen wollte; er errötete, und seine Verwirrung war so merklich, dass Danae, welche sie der Beschämung seines Tadels zuschrieb, für nötig hielt, ihm zu hülfe zu kommen. Der Tadel des Callias, sagte sie, beweist, dass er den Geist, womit Psyche ihre Rolle gespielt, so gut empfunden hat, als Phädrias. Aber vielleicht ist er darum nicht minder gegründet. Psyche sollte die person der Daphne gespielt haben, und hat ihre eigene gespielt; ist es nicht so, Psyche? Du dachtest, wie würde mir's an Daphnens Stelle gewesen sein? – Und wie hätte ichs anders machen können, meine Gebieterin? fragte die kleine Tänzerin. "Du hättest den charakter annehmen sollen, den ihr die Dichter geben, und hast dich begnügt dich selbst in ihre Umstände zu setzen." Was für ein charakter ist denn das, erwiderte Psyche. Einer Spröden, sagte der weise Hippias; das ist der Lieblings-charakter des Callias. Abermalige gelegenheit zum Erröten für den guten Agaton. Du hast es nicht erraten, sagte er; der charakter, den Daphne nach meiner idee haben soll, ist Gleichgültigkeit und Unschuld; sie kann beides haben, ohne eine Spröde zu sein. Psyche verdient also desto mehr Lob, erwiderte Phädrias (für den sie, wie die geschichte meldet, noch etwas mehr als eine Tänzerin war) weil sie den charakter verschönert hat, den sie vorstellen sollte. Der Streit zwischen Liebe und Ehre erfordert mehr Genie um nachgeahmt zu werden, und ist für den Zuschauer rührender, als die Gleichgültigkeit, die ihr Callias geben will. Und zudem, wo ist die junge Nymphe, die gegen die Liebe eines so schönen Gottes wie Apollo ist, gleichgültig sein könnte? Ich bin deiner Meinung, sagte Hippias. Daphne flieht vor dem Apollo, weil sie ein junges Mädchen ist; und weil sie ein junges Mädchen ist, so wünscht sie heimlich, dass er sie erhaschen möge. Warum sieht sie sich so oft um, als um ihm zu verweisen, dass er nicht schneller sei? Wie er ihr so nahe ist, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so fleht sie dem Flussgotte, dass er sie verwandeln soll. Grimasse! Warum stürzte sie sich nicht in den Fluss, wenn es ihr Ernst war? Sie tat was eine Nymphe tun soll, da sie den Flussgott anrief; das war in der Ordnung: Aber wer konnte auch fürchten, so schnell erhört zu werden? Und in welchem Augenblick konnte sie es weniger wünschen, als in eben diesem, da sie sich von den begierigen Armen ihres Liebhabers schon umschlungen fühlte? Hatte sie sich denn aus einem andern Grund ausser Atem geloffen, als damit er sie desto gewisser erhaschen möchte? Was ist also natürlicher als der Unwille, der Schmerz und die Traurigkeit, womit sie sein Betragen erwidert, da sie die arme, womit sie ihnzurückstossen will, zu Lorbeerzweigen erstarret fühlt? Selbst der zärtliche blick ist natürlich; die Verstellung hört auf, wenn man in einen Lorbeerbaum verwandelt wird. War nicht dieses das ganze Spiel der Psyche? Und kann etwas natürlicher sein? Es ist der charakter eines jungen Mädchens; eines von denen jungen Mädchen, versteht sichs, mein lieber Callias, wie man sie in dieser materiellen Welt findet. Ich ergebe mich, versetzte Agaton; die Tänzerin hat alles getan, was man von ihr fodern