ein dritter der Schönheit seiner Gemahlin, und ein vierter seiner brüllenden stimme. Gehe an die Höfe, du wirst Leute finden, welche das Glück, worin sie schimmern, der Empfehlung eines Kammerdieners, der Gunst einer Dame, die sich für ihre Talente verbürgt hat, oder der Gabe des Schlafs schuldig sind, womit sie befallen werden, wenn der Vezier mit ihren Weibern scherzt. Nichts ist in diesem land der Bezauberungen gewöhnlicher, als einen unbärtigen Knaben in einen General, einen Pantomimen in einen Staatsminister, einen Kupplerin einen Oberpriester verwandelt zu sehen; ein Mensch ohne alle Verdienste kann oft durch ein einziges Talent, und wenn es auch nur das Talent eines Esels wäre, zu einem Glücke gelangen, das ein andrer durch die grössten Verdienste vergeblich zu erhalten gesucht hat. Wer könnte demnach zweifeln, dass die Kunst der Sophisten nicht fähig sein sollte, ihrem Besitzer auf diese oder jene Art die Gunst des Glückes zu verschaffen? Vorausgesetzt, dass er die natürlichen Gaben besitze, ohne welche der Mann von Verstand in der Welt allezeit dem Narren Platz machen muss, der damit versehen ist. Allein selbst auf dem Wege der Verdienste ist niemand gewisser sein Glück zu machen, als ein Sophist. Wo ist der Platz, den er nicht mit Ruhm bekleiden wird? Wer ist geschickter die Menschen zu regieren als derjenige, der am besten mit ihnen umzugehen weiss? Wer schickt sich besser zu öffentlichen Unterhandlungen? Wer ist fähiger der Ratgeber eines Fürsten zu sein? Ja, wofern er nur das Glück auf seiner Seite hat, wer wird mit grösserm Ruhm ein Kriegsheer anführen als er? Wer wird die Kunst besser verstehen, sich für die Geschicklichkeit und die Verdienste seiner Subalternen belohnen zu lassen? Wer wird die Vorsicht, die er nicht gehabt, die klugen Anstalten, die er nicht gemacht, die Wunden, die er nicht bekommen hat, besser gelten zu machen wissen, als er?
Doch es ist Zeit einen Discurs zu enden, der für beide ermüdend zu werden anfangt. Ich habe dir genug gesagt, um den Zauber zu vernichten, den die Schwärmerei auf deine Seele gelegt hat; und wenn dieses nicht genug ist, so würde alles überflüssig sein was ich sagen könnte. Glaube übrigens nicht, Callias, dass der Orden der Sophisten einen unansehnlichen teil der menschlichen Gesellschaft ausmache. Die Anzahl derjenigen die unsre Kunst ausüben, ist in allen Ständen sehr beträchtlich, und du wirst unter denen die ein grosses Glück gemacht haben, schwerlich einen einzigen finden, der es nicht einer geschickten Anwendung unsrer Grundsätze zu danken habe. Diese Grundsätze machen die gewöhnliche denkart der Hofleute, der Leute die sich dem Dienste der Grossen gewidmet haben, und überhaupt derjenigen klasse von Menschen aus, die an jedem Orte die edelsten und angesehensten sind, und (die wenigen Fälle ausgenommen, wo das spielende Glück durch einen blinden Wurf einen Narren an den Platz eines klugen Menschen fallen lässt) sind die geschickten Köpfe, die von diesen Maximen den besten Gebrauch zu machen wissen, allezeit diejenigen, die es auf der Bahn der Ehre und des Glücks am weitesten bringen.
Sechstes Capitel
Ungelehrigkeit des Agaton
Hippias konnte sich wohl berechtiget halten, einigen Dank bei seinem Lehrjünger verdient zu haben, da er sich so viele Mühe gegeben hatte, ihn weise zu machen. Allein wir müssen es nur gestehen, er hatte es mit einem Menschen zu tun, der nicht fähig war, die Wichtigkeit dieses Dienstes einzusehen, oder die Schönheit eines Systems zu empfinden, welches seinen vermeinten Empfindungen so zuwider war. Seine Erwartung wurde also nicht wenig betrogen, als Agaton, wie er sah, dass der weise wo Hippias zu reden aufgehört hatte, ihm diese kurze Antwort gab: Du hast eine schöne Rede gehalten, Hippias; deine Beobachtungen sind sehr fein, deine Schlüsse sehr bündig, deine Maximen sehr practisch, und ich zweifle nicht, dass der Weg, den du mir vorgezeichnet hast, zu der Glückseligkeit wirklich führe, deren Vorzüge vor meiner Art glücklich zu sein, du in ein so helles Licht gesetzt. Dem ungeachtet empfinde ich nicht die mindeste Lust so glücklich zu sein, und wenn ich mich anders recht kenne, so werde ich schwerlich eher ein Sophist werden, bis du deine Tänzerinnen entlässest, dein Haus zu einem öffentlichen Tempel der Diana widmest, und nach Indien ziehst, ein Bramine zu werden. Hippias lachte über diese Antwort, ohne dass sie ihm desto besser gefiel. Und was hast du gegen mein System einzuwenden? fragte er. Dass es mich nicht überzeugt, erwiderte Agaton. "Und warum nicht?" Weil meine Erfahrung und Empfindung deinen Schlüssen widerspricht. "Ich möchte wohl wissen, was dieses für Erfahrungen und Empfindungen sind, die demjenigen widersprechen, was alle Welt erfährt und empfindt." Du würdest beweisen, dass es Schimären sind. "Und wenn ich es bewiesen hätte?" Du würdest es nur dir beweisen, Hippias; du würdest nichts beweisen, als dass du nicht Callias bist. "Aber die Frage ist, ob Hippias oder Callias richtig denkt?" Wer soll Richter sein? "Das ganze menschliche Geschlecht." Was würde das wider mich beweisen? "Sehr viel. Wenn zehen Millionen Menschen urteilen, dass zwei oder drei aus ihrem Mittel Narren sind, so sind sie es; das ist unleugbar." Aber wie, wenn die zehen Millionen, deren Ausspruch dir so entscheidend vorkommt, zehn Millionen Toren wären, und die drei wären klug? "Wie müsste