haben, weil sie nicht gerade so dachten, und handelten wie gewöhnliche Leute: So bekümmern wir uns wenig, wie dieser Agaton und diese Danae, vermöge der moralischen Begriffe des einen oder andern, der über dieses Buch gut oder übel urteilen wird, hätten handeln sollen, oder gehandelt haben würden, wenn sie nicht gewesen wären, was sie waren. Das Recht zu urteilen kann und soll niemandem streitig gemacht werden; unsre Pflicht ist zu erzählen, nicht zu dichten; und wir können nichts dafür, wenn Agaton bei dieser gelegenheit sich nicht weise und heldenmässig genug, um die Hochachtung strenger Sittenrichter zu verdienen, verhalten; oder wenn Danae die Rechte des weiblichen Stolzes nicht so gut behaupten sollte, als viele andre, welche dem Himmel danken, dass sie keine Danaen sind, an ihrem platz getan haben würden.
Die schöne Danae erwartete, auf ihrem Sopha sitzend, den Besuch, den sie bekommen sollte, mit so vieler Stärke als eine weibliche Seele nur immer zu haben fähig sein mag, welche zugleich so zärtlich und lebhaft ist, als eine solche Seele sein kann – Ob es wohl weibliche Seelen gibt? – O mein Herr, ich sagte ihnen ja, dass der letzte teil dieses Capitels nicht für sie geschrieben sei – Sie mögen vielleicht überall in Zweifel ziehen, ob die Weiber Seelen haben; denn wenn sie Seelen haben, so sind es weibliche Seelen, der Himmel bewahre uns vor den Pentesileen und Männinnen, an denen nichts als die Figur weiblich ist! – Doch darüber wollen wir jetzt nicht streiten. Danae erwartete also den Anblick ihres Flüchtlings mit ziemlicher Standhaftigkeit; aber was in ihrem Herzen vorging, mögen unsre zärtlichen Leserinnen, welche fähig sind, sich an ihre Stelle zu setzen, in ihrem eigenen Herzen lesen. Sie wusste, dass Agaton einen gefährten hatte, und dieser Umstand kam ihr zu statten; aber Agaton befand sich wenig dadurch erleichtert. Die tür des Vorzimmers wurde ihnen von der Sclavin eröffnet – er erkannte beim ersten Anblick die Vertraute seiner Geliebten, und nun konnte er nicht mehr zweifeln, dass die Dame, die er in einigen Augenblicken sehen würde, Danae sei. Er raffte seinen ganzen Mut zusammen, indem er zitternd hinter seinem Freunde Critolaus fortwankte – Er sah sie, wollte auf sie zugehen, konnte nicht, heftete seine Augen auf sie, und sank, vom Übermass seiner Empfindlichkeit überwältiget, in die arme seines Freundes zurück. Auf einmal vergass die schöne Danae alle die grossen Entschliessungen von Gelassenheit und Zurückhaltung, welche sie mit so vieler Mühe gefasst hatte. Sie lief in zärtlicher Bestürzung auf ihn zu, nahm ihn in ihre arme, liess dem ganzen Strom ihrer Empfindungen den Lauf, und dachte nicht daran, dass sie einen Zeugen davon hatte, der über alles was er sah und hörte, erstaunt sein musste. Allein die Güte seines Herzens, und diese Sympatie, welche schöne Seelen in wenigen Augenblicken vertraut mit einander macht, gab ihm in einer Situation, auf die er sich so wenig hatte gefasst machen können, gerade die nämliche Art des Betragens ein, die er hätte haben können, wenn er schon von Jahren her ihr Vertrauter gewesen wäre. Er trug seinen Freund auf den Sopha, auf welchen sich Danae neben ihn hinwarf, und da er nun schon genug wusste, um zu sehen, dass er hier weiter nichts helfen konnte, so entfernte er sich unvermerkt weit genug, um unsre Liebenden von dem Zwang einer Zurückhaltung zu entledigen, welche in so sonderbaren Augenblicken ein grösseres Übel ist, als die unempfindlichen Leute sich vorstellen können. allmählich bekam Agaton, an der Seite der gefühlvollen Danae, und von einem ihrer schönen arme umschlungen, das Vermögen zu atmen wieder; sein Gesicht ruhte an ihrem Busen, und die Tränen, welche ihn zu benetzen anfingen, waren das erste, was ihr seine wiederkehrende Empfindung anzeigte. Ihre erste Bewegung war, sich von ihm zurückzuziehen; aber ihr Herz versagte ihr die Kraft dazu; es sagte ihr, was in dem seinigen vorging, und sie hatte den Mut nicht, ihm eine Linderung zu entziehen, welche er so nötig zu haben schien, und in der Tat nötig hatte. Allein in wenigen Augenblicken machte er sich selbst den Vorwurf, dass er einer so grossen Gütigkeit unwürdig sei – er raffte sich auf, warf sich zu ihren Füssen, umfasste ihre Knie mit einer Empfindung, welche mit Worten nicht ausgedrückt werden kann, versuchte es sie anzusehen, und sank, weil er ihren Anblick nicht auszuhalten vermochte, mit Tränen beschwemmtem Gesicht, auf ihren Schoss nieder. Danae konnte nun nicht zweifeln, dass sie geliebt werde, und es kostete sie, die Entzückung zurückzuhalten, worin sie durch diese Gewissheit gesetzt wurde; aber es war notwendig, dieser allzuzärtlichen Scene ein Ende zu machen. Agaton konnte noch nicht reden – und was hätte er reden sollen? – Ich bin zufrieden, Agaton, sagte sie mit einer stimme, welche wider ihren Willen verriet, wie schwer es ihr wurde, ihre Tränen zurückzuhalten – Ich bin zufrieden – du findest eine Freundin wieder – und ich hoffe du werdest sie künftig deiner Hochachtung weniger unwürdig finden, als jemals – Keine Entschuldigungen mein Freund, (denn Agaton wollte etwas sagen, das einer Entschuldigung gleich sah, und woraus er sich in der heftigen Bewegung, worin er war, schwerlich zu seinem Vorteil gezogen hätte) du wirst keine Vorwürfe von mir hören – wir wollen uns des Vergangenen nur erinnern, um das Vergnügen