Tarent besass, und wo er sich in seiner Gesellschaft zuweilen mit der Jagd belustigte. Hier geschah es einsmals, dass sie von einem Ungewitter überrascht wurden, welches wenigstens so heftig war, als dasjenige, wodurch, auf Veranstaltung zwoer Göttinnen, Aeneas und Dido in die nämliche Höhle zusammengescheucht wurden – –
Aber da zeigte sich nirgends keine wirtschaftliche Höhle, welche ihnen einigen Schirm angeboten hätte; und das schlimmste war, dass sie sich von ihren Leuten verloren hatten, und eine geraume Zeit nicht wussten, wo sie waren; ein Zufall, der an sich selbst wenig ausserordentliches hat, aber wie man sehen wird, eines der glücklichsten Abenteuer veranlassete, das unserm Helden jemals zugestossen ist. Nachdem sie sich endlich aus dem wald herausgefunden hatten, erkannte Critolaus die Gegend wieder; aber er sah zugleich, dass sie etliche Stunden weit von Haus entfernt waren. Das Ungewitter wütete noch immer fort, und es fand sich kein näherer Ort, wohin sie ihre Zuflucht nehmen konnten, als ein einsames Landhaus, welches seit mehr als einem Jahr von einer fremden Dame von sehr sonderbarem charakter bewohnt wurde. Man vermutete aus einigen Umständen, dass sie die Witwe eines Mannes von Ansehen und Vermögen sein müsse; aber es war bisher unmöglich gewesen, ihren Namen und vorigen Aufentalt, oder was sie bewogen haben könnte, ihn zu verändern, und in einer gänzlichen Abgeschiedenheit von der Welt zu leben, auszuforschen. Das Gerüchte sagte Wunder von ihrer Schönheit; indessen war doch niemand der sich rühmen konnte, sie gesehen zu haben. Überhaupt hatte man eine Zeit lang vieles und desto mehr von ihr gesprochen, je weniger man wusste; allein da sie fest entschlossen schien, sich nichts darum zu bekümmern; so hatte man endlich auf einmal aufgehört von ihr zu reden, und es der Zeit überlassen, das Geheimnis, das unter dieser person und ihrer sonderbaren Lebens-Art verborgen sein möchte, zu entdecken. Vielleicht, sagte Critolaus, ist es eine zweite Artemisia, die sich, ihrem Schmerz ungestört nachzuhängen, in dieser Einöde lebendig begraben will. Ich bin schon lange begierig gewesen sie zu sehen; dieser Sturm hoff' ich, soll uns gelegenheit dazu geben. Sie kann uns eine Zuflucht in ihrem haus nicht versagen; und wenn wir nur einmal drinnen sind, so wollen wir wohl Mittel finden, vor sie zu kommen, ob wir gleich die ersten in dieser Gegend wären, denen dieses Glück zu teil würde. Man kann sich leicht vorstellen, dass Agaton, so gleichgültig er auch seit seiner Entfernung von der schönen Danae gegen die Damen war, dennoch begierig werden musste, eine so ausserordentliche person kennen zu lernen. Sie kamen vor dem äussersten Tor eines Hauses an, welches einem verwünschten schloss ähnlicher sah, als einem Landhause in Jonischem oder Corintischem Geschmacke. Das schlimme Wetter, ihr anhaltendes Bitten, und vielleicht auch ihre gute Mine brachte zuwegen, dass sie eingelassen wurden. Einige alte Sclaven führten sie in einen Saal, wo man sie mit vieler Freundlichkeit nötigte, alle die kleinen Dienste anzunehmen, welche sie in dem Zustande, worin sie waren, nötig hatten. Die Figur dieser Fremden schien die Leute des Hauses in Verwundrung zu setzen, und die Meinung von ihnen zu erwecken, dass es Personen von Bedeutung sein müssten; aber Agaton, dessen Aufmerksamkeit bald durch einige Gemälde angezogen wurde, womit der Saal ausgeziert war, wurde nicht gewahr, dass er von einer Sclavin mit noch weit grösserer Aufmerksamkeit betrachtet wurde. Diese Sclavin, (wie Critolaus in der Folge erzählte, denn anfangs hielt er's bloss für eine Würkung der Schönheit unsers Helden) schien einer person gleich zu sehen, welche nicht weiss, ob sie ihren Augen trauen soll; und nachdem sie ihn einige Minuten mit verschlingenden Blicken angestarrt hatte, verlor sie sich auf einmal aus dem Saal. Sie lief so hastig dem Zimmer ihrer Gebieterin zu, dass sie ganz ausser Atem kam. Und wer meinen sie wohl, gnädige Frau, keuchte sie, dass unten im Saal ist? Hat es ihnen ihr Herz nicht schon gesagt? – – Diana sei mir gnädig! Was für ein Zufall das ist! Wer hätte sich das nur im Traum einbilden können? Ich weiss vor Erstaunen nicht wo ich bin – – In der Tat deucht mich, du bist nicht recht bei Sinnen, sagte die Dame ein wenig betroffen; und wer ist denn unten im Saal? – – O! bei den Göttinnen! ich hätte es bei nahe meinen eignen Augen nicht geglaubt – – aber ich erkannte ihn auf den ersten blick, ob er gleich ein wenig stärker worden ist; es ist nichts gewisser – – er ist es, er ist es! – – Plage mich nicht länger mit deinem geheimnisvollen Galimatias, rief die Dame, immer mehr bestürzt; rede Närrin, wer ist es? – – Aber sie erraten doch auch gar nichts, gnädige Frau – – wer ist es? – – Ich sage ihnen, dass Agaton unten im Saal ist, ja Agaton, es kann nichts gewisser sein – – er selbst, oder sein Geist, eines von beiden unfehlbar, denn die Mutter die ihn geboren hat, kann ihn nicht besser kennen, als ich ihn erkannt habe, sobald er den Mantel von sich warf, worin er anfangs eingewickelt war – – Das gute Mädchen würde noch länger in diesem Ton fortgeplaudert haben, denn ihr Herz überfloss von Freude – – wenn sie nicht auf einmal wahrgenommen hätte, dass ihre