und Diderot kann Ihnen, wenn Sie wollen, sagen, warum Sie wenig oder nichts dabei verlieren werden. Inzwischen ist uns lieb, erinnert worden zu sein, dass wir Ihnen einige Nachricht schuldig sind, wie Psyche (welche wir, in einen Ganymed verkleidet, in den Händen eines Seeräubers verlassen hatten,) dazu gekommen sei, die Gemahlin des Critolaus und die Schwester Agatons zu werden. Ein kurzer Auszug aus der Erzählung, welche dem Agaton teils von seiner Schwester selbst, teils von ihrer Amme gemacht wurde, (und die letzte hatte den Fehler, ein wenig weitläufiger in ihren Erzählungen zu sein, als wir selbst,) wird hinlänglich sein, dero gerechte Wissens-Begierde über diesen Punct zu befriedigen.
Ein heftiger Sturm ist ein sehr unglücklicher Zufall für Leute, die sich mitten auf der offenen See, nur durch die Dicke eines Brettes von einem feuchten tod geschieden finden; aber für die Geschichtschreiber der Helden und Heldinnen ist es beinahe der glücklichste unter allen Zufällen, welche man herbeibringen kann, um sich aus einer Schwierigkeit herauszuhelfen. Es war also ein Sturm, (und Sie haben sich nicht darüber zu beschweren, meine Herren, denn es ist, unsers Wissens, der erste in dieser geschichte,) der die liebenswürdige Psyche aus der fürchterlichen Gewalt eines verliebten Seeräubers rettete. Das Schiff scheiterte an der Italiänischen Küste, einige Meilen von Capua; und Psyche, von den Nereiden oder liebes-Göttern beschirmt, war die einzige person auf dem Schiffe, welche auf einem Brette glücklich von den Zephyrn ans Land getragen wurde. Die Zephyrn allein wären hiezu vielleicht nicht hinreichend gewesen; aber mit hülfe einiger Fischer, welche glücklicher Weise bei der Hand waren, hatte die Sache keine Schwierigkeit. Das war nun alles sehr glücklich; aber es ist nichts in Vergleichung mit dem, was nun folgen wird. Einer von den Fischern (der mitleidigste ohne Zweifel) führte die verkleidete Psyche, welche sehr vonnöten hatte, sich zu trocknen, und von dem ausgestandenen Ungemach zu erholen, zu seinem Weib in seine Hütte. Die Fischerin, (eine hübsche, dicke Frau von drei oder vier und vierzig Jahren) welche die Mine hatte, in ihrer Jugend kein unempfindliches Herz gehabt zu haben, bezeugte ungemeines Mitleiden mit dem Unglück eines so liebenswürdigen jungen Herrn, als die schöne Psyche zu sein schien; sie pflegte seiner, so gut es nur immer möglich war, und konnte sich nicht satt an ihm sehen. Es war ihr immer, sagte sie, als ob sie schon einmal ein solches Gesicht gesehen hätte, wie das seinige; und sie konnte es kaum erwarten, bis der schöne Fremdling im stand war, nach eingeführter Gewohnheit, seine geschichte zu erzählen. Aber Psyche hatte der Ruhe vonnöten; sie wurde also zu Bette gebracht; und bei dieser gelegenheit entdeckte die Fischerin, welche auf die kleinsten Umstände aufmerksam war, dass der vermeinte Jüngling ein überaus schönes Mädchen – – aber doch nicht mehr so schön war, als sie in ihren Manns-Kleidern ausgesehen hatte. Es war natürlich, über diese Verwandlung im ersten Augenblick ein wenig missvergnügt zu sein; aber dieser kleine vorübergehende Unmut verwandelte sich bald in die lebhafteste und zärtlichste Freude – kurz, es entdeckte sich, dass die Fischerin Clonarion, die Amme der schönen Psyche war, welche, mit hülfe dieses Namens, ihrer geliebten Amme sich wieder eben so gut zu erinnern glaubte, als diese aus den Gesichts-Zügen der Psyche, aus ihrer Ähnlichkeit mit ihrer Mutter, Musarion, und besonders aus einem kleinen Mal, welches sie unter der linken Brust hatte, ihre allerliebste Pflegtochter erkannte. Clonarion war die vertrauteste Sclavin der Mutter unsrer Heldin gewesen, und ihrer Pflege wurde nach dem tod derselben die kleine Psyche, oder Philoclea, wie sie eigentlich hiess, anvertraut; denn Psyche war nur ein Liebkosungs-Name, den ihr ihre Amme aus Zärtlichkeit gab, und welchen die kleine Philoclea, weil sie sich niemals anders als Psyche oder Psycharion nennen gehört hatte, in der Folge als ihren würklichen Namen angab. Stratonicus hatte der Clonarion mit der noch unmündigen Psyche eine hinlängliche Summe Gelds übergeben, und befohlen, sie in der Nähe von Corint zu erziehen, weil er dort die beste gelegenheit hatte, sie von Zeit zu Zeit unerkannt zu sehen. Die junge Psyche, die Freude und der Stolz ihrer zärtlichen Amme, von der sie wie ihr eigenes Kind geliebet wurde, wuchs so schön heran, dass man nichts liebenswürdigers sehen konnte. Die Hoffnung des Gewinsts reizte endlich einige Bösewichter, sie, da sie ungefähr fünf bis sechs Jahre alt war, heimlich wegzustehlen, und an die Priesterin zu Delphi zu verkaufen. Ein Halsgeschmeide, woran ein kleines Bildnis ihrer Mutter hing, und womit die junge Psyche allezeit geschmückt zu sein pflegte, wurde zugleich mit ihr verkauft, und diente in der Folge zur Bestätigung, dass sie wirklich die Tochter des Stratonicus sei. Clonarion raufte sich einen guten teil ihrer Haare aus, da sie ihre Psyche vermisste; und nachdem sie eine ziemliche Zeit zugebracht hatte, sie allentalben (ausser da, wo sie wirklich war,) zu suchen, wusste sie kein ander Mittel, sich bei ihrem. Herrn von der Schuld einer strafbarn Nachlässigkeit entledigen zu können, als vorzugeben, dass sie gestorben sei; und Stratonicus konnte desto leichter hintergangen werden, weil er damals eben in Geschäfte verwickelt war, welche ihn lange Zeit hinderten, nach Corint zu kommen. Inzwischen hatte die allentalben herumirrende Clonarion eine