, dass ich nichts anders zu gewarten hätte, wenn ich den Plan meines Lebens nach meinen Ideen einrichten würde. Seine Vorhersagung hätte nicht richtiger eintreffen können. Hätte ich seinen grundsätzen gefolgt, hätte ich mich ehmals zu Aten, oder hier zu Syracus so betragen, wie Hippias an meinem platz getan haben würde – so würde ich meine Absichten ausgeführt haben; so würde ich glücklich gewesen sein – – und der Himmel weiss, ob es den Sicilianern desto schlimmer ergangen wäre. Dieses ist nun das zweite mal, dass Philistus, ein echter Anhänger des Systems meines Sophisten, ob er gleich nicht fähig wäre es so zusammenhängend und scheinbar vorzutragen, über Weisheit und Tugend den Sieg davon getragen hat. – – Und habe ich noch der Erfahrung vonnöten, um zu wissen, dass er eben so gewiss über einen andern Plato, und über einen andern Agaton siegen würde? – – Wieviel liess ich von meinen grundsätzen nach, wie tief stimmte ich mich selbst herab, da ich die Unmöglichkeit sah, diejenigen mit denen ich's zu tun hatte, so weit zu mir heraufzuziehen? Wozu half es mir? – – ich konnte mich nicht entschliessen niederträchtig zu handeln, ein Schmeichler, ein Kuppler, ein Verräter an dem wahren Interesse des Fürsten und des Landes zu werden – – und so verlor' ich die Gunst des Fürsten, und die einzige Belohnung, die ich für meine arbeiten verlange, die Vorteile, welche dieses Land von meiner Verwaltung zu geniessen anfing, auf einmal, weil ich mich nicht dazu bequemen konnte, alles für anständig und recht zu halten, was nützlich ist – – O! gewiss Hippias, deine Begriffe und Maximen, deine Moral, deine Staatskunst, gründen sich auf die Erfahrung aller zeiten. Wenn sind die Menschen jemals anders gewesen? Wenn haben sie jemals die Tugend hochgeschätzt, als wenn sie ihrer Dienste benötigt waren; und wenn ist sie ihnen nicht verhasst gewesen, so bald sie ihren Leidenschaften im Lichte stunde?
Diese Betrachtungen führten unsern Helden bis an die äusserste Spitze des tiefen Abgrunds, der zwischen dem System der Tugend, und dem System des Hippias liegt; aber der erste schüchterne blick, den er hinunter wagte, war genug, ihn mit Entsetzen zurückfahren zu machen. Die Begriffe des wesentlichen Unterschieds zwischen Recht und Unrecht, und die Ideen des sittlichen Schönen, hatten zu tiefe Wurzeln in seiner Seele gefasst, waren zu genau mit den zartesten Fibern derselben verflochten und zusammengewachsen, als dass es möglich gewesen wäre, dass irgend eine zufällige Ursache, so stark sie immer auf seine Einbildung und auf seine Leidenschaften würken mochte, sie hätte ausreuten können. Die Tugend hatte bei ihm keinen anderen Sachwalter nötig als sein eigenes Herz. In eben dem Augenblick, da eine nur allzugegründete Misantropie ihm die Menschen in einem verächtlichen Lichte, und vielleicht wie gewisse Spiegel, um ein gutes teil hässlicher zeigte, als sie wirklich sind, fühlte er mit der vollkommensten Gewissheit, dass er, um die Crone des Monarchen von Persien selbst, weder Hippias noch Philistus sein wollte; und dass er, sobald er sich wieder in die nämliche Umstände gesetzt sähe, eben so handeln würde, wie er gehandelt hatte, ohne sich durch irgend eine Folge davon erschrecken zu lassen. Hingegen konnte es nicht wohl anders sein, als dass diese Betrachtungen, denen er sich seit seinem Fall, und sonderheitlich während seiner Gefangenschaft, fast gänzlich überliess, den Überrest des moralischen Entusiasmus, von dem wir ihn bei seiner Flucht aus Smyrna erhitzt gesehen haben, vollends verzehren mussten. Der Gedanke für das Glück der Menschen, für das allgemeine Beste der ganzen Gattung zu arbeiten, verliert seinen mächtigen Reiz, sobald wir klein von dieser Gattung denken. Die Grösse dieses Vorhabens ist es eigentlich, was den Reiz derselben ausmacht – – und diese schrumpft natürlicher Weise sehr zusammen, sobald wir uns die Menschen als eine Herde von Creaturen vorstellen, deren grössester teil seine ganze Glückseligkeit, den letzten Endzweck aller seiner Bemühungen auf seine körperliche Bedürfnisse einschränkt, und dabei dumm genug ist, durch eine niederträchtige Unterwürfigkeit unter eine kleine Anzahl der schlimmsten seiner Gattung, sich fast immer in den Fall zu setzen, auch dieser bloss tierischen Glückseligkeit nur selten oder auf kurze Zeit, bittweise oder verstohlner Weise habhaft zu werden. Jedes Tier sucht seine Nahrung – – gräbt sich eine Höhle, oder baut sich ein Nest – – begattet sich – – schläft – – und stirbt. Was tut der grösseste teil der Menschen mehr? Das beträchtlichste Geschäfte, das sie von den übrigen Tieren voraus haben, ist die sorge sich bekleiden, welche die hauptsächlichste Beschäftigung vieler Millionen ausmacht. Und ich sollte, (sagte Agaton in einer von seinen schlimmsten Launen zu sich selbst) ich sollte meine Ruhe, meine Vergnügungen, meine Kräfte, mein Dasein der sorge aufopfern, damit irgend eine besondere Herde dieser edlen Creaturen besser esse, schöner wohne, sich häufiger begatte, sich besser kleide, und weicher schlafe als sie zuvor taten, oder als andere ihrer Gattung tun? – – Ist das nicht alles was sie wünschen? Und gebrauchen sie mich dazu? Was sollte mich bewegen, mir diese Verdienste um sie zu machen? Ist vielleicht nur ein einziger unter ihnen, der bei allem was er unternimmt, eine edlere Absicht hat, als seine eigne Befriedigung? Bin ich ihnen etwa einige Hochachtung oder Dankbarkeit dafür schuldig, dass sie für meine Bedürfnisse oder für mein Vergnügen arbeiten? Ich bin schuldig, sie dafür zu bezahlen