zu werden glaubte, als diejenigen waren, welche fünfzehn Jahre später einen der edelsten Sterblichen, die jemals gelebt haben, den Timoleon von Corint, aufmunterten, die Befreiung Siciliens zu unternehmen. Allein es ist darum nicht weniger gewiss, dass die lebhafte Empfindung des persönlichen Unrechts, welches ihm zugefüget wurde, der Unwille über die Undankbarkeit des Dionys, und der Verdruss sich einer verachtenswürdigen Buhler-Intrigue aufgeopfert zu sehen, einen grossen Einfluss in seine gegenwärtige Denkens-Art gehabt, und zur Entzündung dieses heroischen Feuers, welches in seiner Seele brannte, nicht wenig beigetragen habe. Im grund hatte er keine andre Pflichten gegen die Sicilianer, als welche aus seinem Vertrag mit dem Dionys entsprangen, und vermöge eben dieses Vertrags auf hörten, so bald diesem seine Dienste nicht mehr angenehm sein würden. Syracus war nicht sein Vaterland. Dionys hatte durch die stillschweigende Anerkenntnis der Erbfolge, kraft deren er nach seines Vaters tod den Tron bestieg, eine Art von Recht erlangt. Agaton selbst würde sich nicht in seine Dienste begehen haben, wenn er ihn nicht für einen rechtmässigen Fürsten gehalten hätte. Die nämlichen Gründe, welche ihn damals bewogen hatten, die Monarchie der Republik vorzuziehen, und aus diesem grund sich bisher den Absichten des Dion zu widersetzen, bestunden noch in ihrer ganzen Stärke. Es war sehr ungewiss, ob eine Empörung gegen den Dionys die Sicilianer wirklich in einen glücklichern Stand setzen, oder ihnen nur einen andern, und vielleicht noch schlimmern Herrn gehen würde, da sie schon so viele Proben gegeben hatten, dass sie die Freiheit nicht ertragen könnten. Dionys hatte Macht genug, seine Absetzung schwer zu machen; und die verderblichen Folgen eines Bürgerkriegs waren die einzigen gewissen Folgen, welche man von einer so zweifelhaften Unternehmung voraussehen konnte – – Alle diese Betrachtungen würden kein geringes Gewicht auf der Waagschale einer kalten unparteiischen Überlegung gemacht, und vermutlich den entgegenstehenden Gründen das Gleichgewicht gehalten haben. Aber Agaton war weder kalt noch unparteiisch; er war ein Mensch. Seine Eigenliebe war an ihrem empfindlichsten teil verletzt worden. Der Affect, in welchen er dadurch gesetzt werden musste, gab allen Gegenständen, die er vor sich hatte, eine andre Farbe. Dionys, dessen Laster er ehmals mit freundschaftlichen Augen als Schwachheiten betrachtet hatte, stellte sich ihm jetzt in der hässlichen Gestalt eines Tyrannen dar. Je besser er vorhin von Philistus gedacht hatte, desto abscheulicher fand er jetzt seinen charakter, nachdem er ihn einmal falsch und niederträchtig gefunden hatte; es war nichts so schlimm und schändlich, das er einem solchen mann nicht zutraute. Die reizenden Bilder, welche er sich von der Glückseligkeit Siciliens unter seiner Verwaltung gemacht hatte, erhielten durch den Unmut, sie vor seinen Augen vernichten zu sehen, eine desto grössere Gewalt über seine Einbildungs-Kraft. Es war ihm unerträglich, Leute, welche nur darum seine Feinde waren, weil sie Feinde alles Guten, Feinde der Tugend und der öffentlichen Wohlfahrt waren, einen solchen Sieg davontragen zu lassen. Er hielt es für eine allgemeine Pflicht, sich den Unternehmungen der Bösen zu widersetzen, und die Stelle, welche er beinahe zwei Jahre lang in Sicilien behauptet hatte, machte (wie er glaubte) seinen Beruf zur besonderen Ausübung dieser Pflicht in gegenwärtigem Falle unzweifelhaft. Diese Betrachtungen hatten, ausser ihrer eigentümlichen Stärke, noch sein Herz und seine Einbildungs- Kraft auf ihrer Seite; und mussten also notwendig alles überwägen, was die Klugheit dagegen einwenden konnte.
Sobald Agaton seinen Entschluss genommen hatte, so arbeitete er an der Ausführung desselben. Dion, welcher sich damals zu Aten befand, hatte einen beträchtlichen Anhang in Sicilien, durch welchen er bisher alle mögliche Bewegungen gemacht hatte, seine Zurückberufung von dem Prinzen zu erhalten. Er hatte sich deshalben vorzüglich an den Agaton gewandt, so bald ihm berichtet worden war, in welchem Ansehen er bei Dionysen stehe. Aber Agaton dachte damals nicht so gut vor dem charakter Dions als die Academie zu Aten. Eine Tugend, welche mit Stolz, Unbiegsamkeit und Austerität vermischt war, schien ihm, wo nicht verdächtig, doch wenig liebenswürdig; er besorgte mit einiger Wahrscheinlichkeit, dass die Gemüts- Art dieses Prinzen ihn niemals ruhig lassen, und dass er, ungeachtet seiner republicanischen Grundsätze, eben so ungelehrig sein würde, das höchste Ansehen im Staat mit jemand zu teilen, als ohne Ansehen zu leben. Er hatte also, anstatt seine Zurückberufung bei dem Dionys zu befördern, diesen der äussersten Abneigung, die er davor zeigte, überlassen, und sich durch diese Aufführung einiges Missvergnügen von Seiten der Freunde Dions zugezogen, welche es ihm eben so übel nahmen, dass er nichts für diesen Prinzen tat, als ob er gegen ihn agiert hätte. Allein seitdem seine eigene Erfahrung das schlimmste, was Dionysens Feinde von ihm denken konnten, rechtfertigte, hatte sich auch seine Gesinnung gegen den Dion gänzlich umgewandt. Dieser Prinz, welcher unstreitig grosse Eigenschaften besass, stellte sich ihm jetzt unter dem Bilde eines rechtschaffenen Mannes dar, in welchem der langwierige Anblick des gemeine Elendes unter einer heillosen Regierung, und die immer vergebliche Bemühung, dem reissenden Strom der Verderbnis entgegen zu arbeiten, einen anhaltenden gerechten Unmut erregt hat, der ungeachtet des Scheins einer gallsüchtigen Melancholie, im grund die Frucht der edelsten Menschenliebe ist. Er beschloss also, mit ihm gemeine Sache zu machen. Er entdeckte sich den Freunden Dions, welche, erfreut über den Beitritt eines Mannes, der durch seine Talente und seine Gunst beim volk ihrer Partei das Übergewicht zu geben vermögend war, ihm hinwieder