sind, zu öffentlichen, oder doch gewiss zu immerwährenden heimlichen Feinden haben muss. Eine Wahrheit, welche in der natur der Sachen so gegründet, und durch eine nie unterbrochene Erfahrung so bestätiget ist, dass wir weit bessere Ursache zu fragen haben: Wie sollte ein Mann, der sich so wohl betrug, keine Feinde gehabt haben? Es konnte nicht anders sein als dass derjenige, dessen beständige Bemühung dahin ging, seinen Prinzen tugendhaft, oder doch wenigstens seine Schwachheiten unschädlich zu machen, sich den herzlichen Hass dieser Höflinge zuziehen musste, welche (wie Montesquieu von allen Hofleuten behauptet) nichts so sehr fürchten, als die Tugend des Fürsten, und keinen zuverlässigern Grund ihrer Hoffnungen kennen, als seine Schwachheiten. Sie konnten nicht anders als den Agaton für denjenigen ansehen, der allen ihren Absichten und Entwürfen im Wege stunde. Er verlangte zum Exempel, dass man vorher Verdienste haben müsse, eh man an Belohnungen Ansprüche mache; sie wussten einen kürzern und bequemern Weg; einen Weg auf welchem zu allen zeiten (die Regierungen der Antonine und Juliane ausgenommen) die nichtswürdigsten Leute an Höfen ihr Glück gemacht haben – – kriechende Schmeichelei, blinde gefälligkeit gegen die Leidenschaften unsrer Obern, Gefühllosigkeit gegen alle Regungen des Gewissens und der Menschlichkeit, Taubheit gegen die stimme aller Pflichten, unerschrockne Unverschämteit sich selbst Talente und Verdienste beizulegen, die man nie gehabt hat; fertige Bereitwilligkeit jedes Bubenstück zu begehen, welches eine Stufe zu unsrer Erhebung werden kann – – und diesen Weg hatte ihnen Agaton auf einmal versperrt. Sie sahen, so lange dieser seltsame Mann den Platz eines Günstlings bei Dionysen behaupten würde, keine Möglichkeit, wie Leute von ihrer Art sollten gedeihen können. Sie hasseten ihn also; und wir können versichert sein, dass in den Herzen aller dieser Höflinge eine Art von ZusammenVerschwörung gegen ihn brütete, ohne dass es dazu einiger geheimen Verabredung bedurfte. Allein von allem diesem wurde noch nichts sichtbar. Die Maske, welche sie vorzunehmen für gut fanden, sah einem Gesicht so gleich, dass Agaton selbst dadurch betrogen wurde; und sich gegen die Philiste und Timocrate, und ihre Creaturen eben so bezeugte, als ob die Hochachtung, welche sie ihm bewiesen, und der Beifall, den sie allen seinen Massnehmungen gaben, aufrichtig gewesen wäre. Diese wackern Männer hatten einen gedoppelten Vorteil über ihn – dass er, weil er sich nichts Böses zu ihnen versah, nicht daran dachte, sie scharf zu beobachten – – und dass sie, weil sie sich ihrer eigenen Bosheit bewusst waren, desto vorsichtiger waren, ihre wahren Gesinnungen in eine undurchdringliche Verstellung einzuhüllen. Versichert wie sie waren, dass ein Mensch notwendig eine schwache Seite haben müsse, gaben sie sich alle mögliche Mühe die seinige zu finden, und stellten ihn, ohne dass er einen Verdacht deswegen auf sie werfen konnte, auf alle mögliche Proben. Da sie ihn aber gegen Versuchungen, denen sie selbst zu unterliegen pflegten, gleichgültig oder gewaffnet fanden; so blieb ihnen, bis auf irgend eine günstige gelegenheit nichts übrig, als ihn durch den magischen Dunst einer subtilen Schmeichelei einzuschläfern, welche er desto leichter für Freundschaft halten konnte, da sie alle Anscheinungen derselben hatte; und je mehr er berechtiget war, in einem land, worin er sich um alle verdient machte, einen jeden für seinen Freund zu halten. Diese Absicht gelang ihnen, und man muss gestehen, dass sie dadurch schon ein grosses über ihn gewonnen hatten.
übrigens können wir nicht umhin, es mag nun unserm Helden nachteilig sein oder nicht, zu gestehen, dass zu einer Zeit, da sein Ansehen den höchsten Gipfel erreicht hatte; da Dionys ihn mit Beweisen einer unbegrenzten Gunst überhäufte; da er von dem ganzen Sicilien für seinen Schutzgott angesehen wurde, und das seltne, wo nicht ganz unerhörte Glück zu geniessen schien, in einem so blendenden Glücksstande lauter Bewundrer und Freunde, und keinen Feind zu haben – – die Damen zu Syracus die einzigen waren, welche ihre wenige Zufriedenheit mit seinem Betragen ziemlich deutlich merken liessen. Mit einer Figur wie die seinige, mit allem dem was den Augen und Herzen nachstellt in so ausserordentlichem Grade begabt, war es sehr natürlich, dass er die Aufmerksamkeit der Schönen auf sich ziehen musste. Die Damen zu Syracus hatten so gut Augen wie die zu Smyrna – – und Herzen dazu – – oder wenn sie keine hatten, so hatten sie doch etwas, dessen Bewegungen sehr gewöhnlich mit den Bewegungen des Herzens verwechselt werden; oder wenn sie auch das nicht hatten, so hatten sie doch Eitelkeit, und konnten also nicht gleichgültig gegen die eigensinnige Unempfindlichkeit eines Mannes sein, welcher eben dadurch ein Feind wurde, dessen Überwindung seine Siegerin zur Liebenswürdigsten ihres Geschlechts zu erklären schien. In den Augen der meisten Schönen ist der Günstling eines Monarchen allezeit ein Adonis; wie natürlich war also der Wunsch, einen Adonis empfindlich zu machen, der noch dazu der Liebling eines Königs, und in der Tat, den Namen, und eine gewisse Binde um den Kopf ausgenommen, der König selbst war? Man kann sich auf die Geschicklichkeit der schönen Sicilianerinnen verlassen, dass sie nichts vergessen haben werden, seiner Kaltsinnigkeit auch nicht den Schatten einer anständigen Entschuldigung übrig zu lassen. Und womit hätte sie wohl entschuldiget werden können? Es ist wahr, ein Mann, der mit der sorge für einen ganzen Staat beladen ist, hat nicht so viel Musse als ein junger Herr, der sonst nichts zu tun hat, als sein Gesicht alle Tage ein paarmal im Vorzimmer zu zeigen,