Unruhen Siciliens mehr ausgebreitet als gedämpft, und durch seine Aufführung sich bei denenjenigen, welche noch keine Partei genommen hatten, so verhasst gemacht, dass sie im Begriff waren sich für Cartago zu erklären. Agaton glaubte, dass seine Beredsamkeit dem Dionys in diesen Umständen grössere Dienste tun könne, als die ganze, wiewohl nicht verächtliche Land- und Seemacht, welche Timocrates unter seinen Befehlen hatte. Er hielt es für besser Sicilien zu beruhigen, als zu erobern; besser es zu einer Art von freiwilliger Übergabe an Syracus zu bewegen, als es den Gefahren und verderblichen Folgen eines krieges ausgesetzt zu lassen, der, wenn er auch am glücklichsten für den Dionys ausfiele, ihm doch nichts mehr als den zweideutigen Vorteil verschaffen würde, seine Untertanen um eine Anzahl gezwungner und missvergnügter Leute vermehrt zu haben, auf deren guten Willen er keinen Augenblick hätte zählen können. Dionys konnte den Gründen, womit Agaton sein Vorhaben, und die Hoffnung des gewünschten Ausgangs unterstützte, seinen Beifall nicht versagen. Überhaupt galt es ihm gleich, durch was für Mittel er zu ruhigem Besitz der höchsten Gewalt in Sicilien gelangen könnte, wenn er nur dazu gelangte; und ob er gleich klein genug war, sich auf die zwar wenig entscheidende aber desto prahlerischer vergrösserte Siege seines Feldherrn eben so viel einzubilden, als ob er sie selbst erhalten hätte; so war er doch auch feigherzig genug, sich zu dem unrühmlichsten Frieden geneigt zu fühlen, so bald er mit einiger Aufmerksamkeit an die Unbeständigkeit des krieges-Glückes dachte. Die edlern Beweggründe unsers Helden fanden also leicht Eingang bei ihm, oder richtiger zu reden, Agaton schrieb die gefällige Disposition, die er bei ihm fand, dem Eindruck seiner eignen Vorstellungen zu, ohne wahrzunehmen, dass sie ihren eigentlichen Grund in der niederträchtigen Gemütsart des Prinzen hatte. Er begab sich also ingeheim (denn es war ihm daran gelegen, dass Timocrates von seinem Vorhaben keinen Wink bekäme) in diejenige Städte, welche im Begriff stunden, die Partei von Cartago zu verstärken. Es gelang ihm, die widrigen Vorurteile zu zernichten, womit er alle Gemüter gegen die gefürchtete Tyrannie Dionysens eingenommen fand; er überzeugte sie so vollkommen davon, dass das Beste eines jeden besonderen Teils von dem Besten des ganzen Sicilien unzertrennlich sei; machte ihnen ein so schönes Gemälde von dem glücklichen Zustande dieser Insel, wenn alle Teile derselben durch die Bande des Vertrauens und der Freundschaft, sich in Syracus als in dem gemeinschaftlichen Mittelpunct vereinigen würden – – dass er mehr erhielt als er gehofft hatte, und so gar mehr als er verlangte. Er wollte nur Bundsgenossen, und es fehlte wenig, so würden sie in einem Anstoss von überfliessender Zuneigung zu ihm, sich ohne Bedingung zu Untertanen eines Prinzen ergeben haben, von dessen Minister sie so sehr bezaubert waren.
Die Veränderung, welche hiedurch in den öffentlichen Angelegenheiten gemacht wurde, brachte den Krieg so schnell zu Ende, dass Timocrates keine gelegenheit bekam, durch ein entscheidendes Treffen (es möchte allenfalls gewonnen oder verloren sein) Ehre einzulegen. Man kann sich vorstellen, ob Agaton sich dadurch die Freundschaft dieses Mannes, den sein grosses Vermögen und die Verschwägerung mit dem Prinzen zu einer wichtigen person machte, erworben; und mit welchen Augen Timocrates den allgemeinen Beifall, die frohlockenden Segnungen der Nation, welche unsern Helden nach Syracus zurückbegleiteten, die Merkmale der Hochachtung, womit er von dem Prinzen empfangen wurde, und das ausserordentliche Ansehen, worin er sich durch diese friedsame Eroberung befestigte, angeschielt haben werde. Genötigt, seinen Unwillen und Hass gegen einen so siegreichen Nebenbuhler in sich selbst zu verschliessen, laurte er nur desto ungeduldiger auf Gelegenheiten, in geheim an seinem Untergang zu arbeiten; und wie hätte es ihm an einem hof, und an dem hof eines solchen Fürsten, an Gelegenheiten fehlen können?
Zweites Capitel
Beispiele, dass nicht alles, was gleisst, Gold ist
Wenn Agaton während einer staates-Verwaltung, welche nicht ganz zwei Jahre daurte, das vollkommenste Vertrauen seines Prinzen und die allgemeine Liebe der Nation, welche er regierte, gewann, und sich dadurch auf diese hohe Stufe des Ansehens und der scheinbaren Glückseligkeit emporschwang, welche unverdienter Weise, der Gegenstand der Bewunderung aller kleinen, und des Neides aller zugleich boshaften Seelen zu sein pflegt: So müssen wir gestehen, dass diese launische unerklärbare Macht, welche man Glück oder Zufall nennt, den wenigsten Anteil daran hatte. Die Verdienste, die er sich in so kurzer Zeit um den Prinzen sowohl als die Nation machte, die Beruhigung Siciliens, das befestigte Ansehen von Syracus, die Verschönerung dieser Hauptstadt, die Verbesserung ihrer Policei, die Belebung der Künste und Gewerbe, und die allgemeine Zuneigung, welche er einer vormals verabscheueten Regierung zuwandte – – alles dieses legte ein unverwerfliches Zeugnis für die Weisheit seiner staates-Verwaltung ab; und da alle diese Verdienste durch die Uneigennützigkeit und Regelmässigkeit seines Betragens in ein Licht gestellt wurden, welches keine Missdeutung zu zulassen schien; so blieb seinen heimlichen Feinden, ohne die ungewisse hülfe irgend eines Zufalls, von dem sie selbst noch keine Vorstellung hatten, wenig Hoffnung übrig, ihn so bald wieder zu stürzen, als sie es für ihre Privat-Absichten wünschen mochten.
Die heimlichen Feinde Agatons – – wie konnte ein Mann, der sich so untadelich betrug, und um jedermann Gutes verdiente, Feinde haben? – – werden diejenige vielleicht denken, welche bei gelegenheit, zu vergessen scheinen, dass der weise Mann notwendig alle Narren, und der Rechtschaffene, unvermeidlicher Weise, alle die es nicht