er war was alle Prinzen sind, und lebte wie sie alle leben; er tat was ich und ein jeder andrer tun würde, wenn wir zu unumschränkten Herren einer so schönen Insel, wie Sicilien ist, geboren wären – Aber er hatte die Klugheit, Simoniden und Pindare an seinem hof zu halten; sie lobten ihn in die Wette, weil sie wohl gefüttert und wohl bezahlt wurden; alle Welt erhob die Freigebigkeit dieses Prinzen, und doch kostete ihn dieser Ruhm nicht halb soviel, als seine Jagdhunde Wer wollte ein König sein, wenn ein König das alles wirklich tun müsste, was sich ein müssiger Sophist auf seinem Faulbette oder Diogenes in seinem Fasse einfallen lässt, ihm zu Pflichten zu machen? Wer wollte regieren, wenn ein Regent allen Forderungen und Wünschen seiner Untertanen genug tun müsste? Das meiste, wo nicht alles, kommt auf die Meinung an, die ein grosser Herr von sich erweckt; nicht auf seine Handlungen selbst, sondern auf die Gestalt und den Schwung, den er ihnen zu geben weiss. Was er nicht selbst tun will, oder tun kann, das können witzige Köpfe für ihn tun. Haltet euch einen Philosophen, der alles demonstrieren, einen sinnreichen Schwätzer, der über alles scherzen, und einen Poeten, der über alles Gassenlieder machen kann. Der Nutzen, den ihr von dieser kleinen Ausgabe zieht, fällt zwar nicht sogleich in die Augen; ob es gleich an sich selbst schon Vorteils genug für einen Fürsten ist, für einen Beschützer der Musen gehalten zu werden. Denn das ist in den Augen von neun und neunzig hundertteilen des menschlichen Geschlechts ein untrüglicher Beweis, dass er selbst ein Herr von grosser Einsicht, und Wissenschaft ist; und diese Meinung erweckt Zutrauen, und ein günstiges Vorurteil für alles was er unternimmt. Aber das ist der geringste Nutzen, den ihr von euern witzigen Kostgängern zieht. Setzet den Fall, dass es nötig sei eine neue Auflage zu machen; das ist alles was ihr braucht, um in einem Augenblick ein allgemeines Murren gegen eure Regierung zu erregen; die Missvergnügten, eine Art von Leuten, welche die klügste Regierung niemals gänzlich ausrotten kann, machen sich einen solchen Zeitpunct zu nutze; setzen das Volk in Gärung, untersuchen eure Aufführung, die Verwaltung eurer Einkünfte, und tausend Dinge, an welche vorher niemand gedacht hatte; die Unruhe nimmt zu, die Repräsentanten des volkes versammeln sich, man übergibt euch eine Vorstellung, eine Beschwerung um die andere; unvermerkt nimmt man sich heraus die Bitten in Forderungen zu verwandeln, und die Forderungen mit ehrfurchtsvollen Drohungen zu unterstützen; kurz, die Ruhe euers Lebens ist, wenigstens auf einige Zeit, verloren, ihr befindet euch in critischen Umständen, wo der kleinste Fehltritt die schlimmesten Folgen nach sich ziehen kann, und es braucht nur einen Dion, der sich zu einer solchen Zeit einem missvergnügten Pöbel an den Kopf wirft, so habt ihr einen Aufruhr in seiner ganzen Grösse. Hier zeigt sich der wahre Nutzen unsrer witzigen Köpfe. Durch ihren Beistand können wir in etlichen Tagen allen diesen Übeln zuvorkommen. Lasst den Philosophen demonstrieren, dass diese Auflage zur Wohlfahrt des gemeinen Wesens unentbehrlich ist, lasst den Spassvogel irgend einen lächerlichen Einfall, irgend eine lustige Hof- Anecdote oder ein boshaftes Märchen in der Stadt herumtragen, und den Poeten eine neue Comödie und ein paar Gassenlieder machen, um dem Pöbel was zu sehen und zu singen zu gehen: So wird alles ruhig bleiben; und indessen dass die politischen Müssiggänger sich darüber zanken werden, ob euer Philosoph recht oder unrecht argumentiert habe, und die kleine ärgerliche Anecdote reichlich ausgeziert und verschönert, den Witz aller guten Gesellschaften im Atem erhält: Wird der Pöbel ein paar Flüche zwischen den Zähnen murmeln, seinen Gassenhauer anstimmen, und – bezahlen. Solche Dienste sind, deucht mich wohl wert, etliche Leute zu unterhalten, die ihren ganzen Ehrgeiz darin setzen, Worte zierlich zusammenzusetzen, Sylben zu zählen, Ohren zu kitzeln und Lungen zu erschüttern; Leute, denen ihr alle ihre Wünsche erfüllt, wenn ihr ihnen so viel gebt, als sie brauchen, kummerlos durch eine Welt, an die sie wenig Ansprüche machen, hindurchzuschlentern, und nichts zu tun, als was der Wurm im Kopf, den sie ihren Genie nennen, ihnen zum grössesten Vergnügen ihres Lebens macht.
Dionys befand diesen Rat seines würdigen Ministers vollkommen nach seinem Geschmack. Philistus übergab ihm eine Liste von mehr als zwanzig Candidaten, aus denen man, wie er sagte, nach Belieben auswählen könnte. Dionys glaubte, dass man dieser nützlichen Leute nicht zuviel haben könne, und wählte alle. Alle schönen Geister Griechenlands wurden unter blendenden Verheissungen an seinen Hof eingeladen. In kurzer Zeit wimmelte es in seinen Vorsälen von Philosophen und Priestern der Musen. Alle Arten von Dichtern, Epische, Tragische, Comische, Lyrische, welche ihr Glück zu Aten nicht hatten machen können, zogen nach Syracus, um ihre Leiern und Flöten an den anmutigen Ufern des Anapus zu stimmen, und – sich satt zu essen. Sie glaubten, dass es ihnen gar wohl erlaubt sein könne, die Tugenden des Dionys zu besingen, nachdem der göttliche Pindar sich nicht geschämt hatte, die Maulesel des Hieron unsterblich zu machen. So gar der cynische Antistenes liess sich durch die Hoffnung herbeilocken, dass ihn die Freigebigkeit des Dionys in den Stand setzen würde, die Vorteile der freiwilligen Armut und der Entaltsamkeit mit desto mehr Gemächlichkeit zu studieren; Tugenden, von deren Schönheit, nach dem stillschweigenden Geständnis ihrer eifrigsten