, aber doch durch die Gesellschaft der Musen und Grazien einen Schein von Bescheidenheit erhielt, welcher die Strenge der Weisheit mit ihr aussöhnen konnte. Timocrat machte sich diesen Umstand zu Nutz. Er lud den Prinzen, den ganzen Hof, und die Vornehmsten der Stadt ein, auf seinem Landhause die Wiederkunft des Frühlings zu begehen, dessen alles verjüngende Kraft, zum Unglück für den ohnehin übelbefestigten Platonismus des Dionys, auch diesem Prinzen die Begierden und die Kräfte der Jugend wieder einzuhauchen schien. Die schlaueste Wollust, hinter eine verblendende Pracht versteckt, hatte dieses fest angeordnet. Timocrat verschwendete seine Reichtümer ohne Mass, mit desto fröhlicherm gesicht, da er sie eben dadurch doppelt wieder zu bekommen versichert war. Alle Welt bewunderte die Erfindungen und den Geschmack dieses Günstlings; Dionys bezeugte, sich niemals so wohl ergötzt zu haben; und der göttliche Plato, der weder auf seinen Reisen zu den Pyramiden und Gymnosophisten, noch zu Aten so etwas gesehen hatte, wurde von seiner dichterischen Einbildungs-Kraft so sehr verraten, dass er die Gefahren zu vergessen schien, welche unter den Bezauberungen dieses Orts, und dieser Verschwendung von Reizungen zum Vergnügen, laurten. Der einzige Dion erhielt sich in seiner gewöhnlichen Ernstaftigkeit, und machte durch den starken Contrast seines finstern Bezeugens mit der allgemeinen Fröhlichkeit, Eindrücke auf alle Gemüter, welche nicht wenig dazu beitrugen, seinen bevorstehenden Fall zu befördern. Indes schien niemand darauf acht zu geben; und in der Tat liess die Vorsorge, welche Timocrat gebraucht hatte, dass jede Stunde, und beinahe jeder Augenblick ein neues Vergnügen herbeiführen musste, wenig Musse, Beobachtungen zu machen. Dieser schlaue Höfling hatte ein Mittel gefunden, dem Plato selbst, bei einer gelegenheit, wo es so wenig zu vermuten war, auf eine feine Art zu schmeicheln. Dieses geschah durch ein grosses pantomimisches Ballet, worin die geschichte der menschlichen Seele, nach den grundsätzen dieses Weisen, unter Bildern, welche er in einigen seiner Schriften an die Hand gegeben hatte, auf eine allegorische Art vorgestellt wurde. Timocrat hatte die jüngsten und schönsten Figuren hierzu gebraucht, welche er zu Corint und aus dem ganzen Griechenlande hatte zusammenbringen können. Unter den Tänzerinnen war eine, welche dazu gemacht schien, dasjenige, was der gute Plato in etlichen Monaten an dem Gemüte des Tyrannen gearbeitet, in etlichen Augenblikken zu zerstören. Sie stellte unter den Personen des Tanzes die Wollust vor; und wirklich passten ihre Figur, ihre Gesichtsbildung, ihre Blicke, ihr Lächeln, alles so vollkommen zu dieser Rolle, dass das anacreontische Beiwort Wollustatmend ausdrücklich für sie gemacht zu sein schien. Jedermann war von der schönen Bacchidion bezaubert; aber niemand war es so sehr als Dionys. Er dachte nicht einmal daran, der Wollust, welche eine so verführische Gestalt angenommen hatte, um seine erkaltete Zuneigung zu ihr wieder anzufeuren, Widerstand zu tun; kaum dass er noch so viel Gewalt über sich selbst behielt, um von demjenigen was in ihm vorging nicht allzudeutliche Würkungen sehen zu lassen. Denn er getraute sich noch nicht, wieder gänzlich Dionysius zu sein, ob ihm gleich von Zeit zu Zeitkleine Züge entwischten, welche dem beobachtenden Dion bewiesen, dass er nur noch durch einen Rest von Scham, dem letzten Seufzer der ersterbenden Tugend, zurückgehalten werde. Timocrat triumphierte in sich selbst; seine Absicht war erreicht; die allzureizende Bacchidion bemächtigte sich der Begierde, des Geschmacks und so gar des Herzens des Tyrannen: Und da er den Timocrat zum Unterhändler seiner leidenschaft, welche er eine Zeitlang geheim halten wollte, nötig hatte, so war Timocrat von diesem Augenblick an wieder der nächste an seinem Herzen. Der weise Plato bedaurte zu spät, dass er zu viel Nachsicht gegen den Hang dieses Prinzen nach Ergötzungen getragen hatte; er fühlte nun gar zu wohl, dass die Gewalt seiner metaphysischen Bezauberungen durch eine stärkere Zaubermacht aufgelöst worden sei, und fing an, um sich nicht ohne Nutzen beschwerlich zu machen, den Hof seltner zu besuchen. Dion ging weiter: Er unterstund sich, dem Dionys wegen seines geheimen Verständnisses mit der schönen Bacchidion, Vorwürfe zu machen und ihn seiner Verbindlichkeiten mit einem Ernst zu erinnern, den der Tyrann nicht mehr ertragen konnte. Dionys sprach im Ton eines asiatischen Despoten, und Dion antwortete wie ein Missvergnügter, der sich stark genug fühlt, den Drohungen eines übermütigen Tyrannen Trotz zu bieten. Philistus hielt den Dionys zurück, der im Begriff war alles zu wagen, indem er seiner Wut den Zügel schiessen lassen wollte. Allein in den Umständen worin man mit dem beleidigten Dion war, musste ein schleuniger Entschluss gefasst werden. Dion verschwand auf einmal, und erst nach einigen Tagen machte Dionys bekannt: Dass ein gefährliches Complot gegen seine person, und die Ruhe des staates, woran Dion in geheim gearbeitet, ihn genötiget hätte, denselben auf einige Zeit aus Sicilien zu entfernen. Es bestätigte sich wirklich, dass Dion in der Nacht unvermutet in Verhaft genommen, zu Schiffe gebracht und in Italien ans Land gesetzt worden war. Um das angebliche Complot wahrscheinlich zu machen, wurden verschiedene Freunde Dions, und eine noch grössere Anzahl von Creaturen des Philistus, welche gegen diesen Prinzen zu reden bestochen waren, in Verhaft genommen. Man unterliess nichts, was seinem Process das Ansehen der genauesten Beobachtung der Justiz-Formalitäten geben konnte; und nachdem er durch die Aussage einer Menge von Zeugen überwiesen worden war, wurde seine Verbannung in ein förmliches Urteil gebracht, und ihm bei Strafe des Lebens verboten, ohne besondere Erlaubnis des Dionys, Sicilien wieder zu betreten