und mechanischer Ursachen gewesen; dass er ihr zu lieb seinen Neigungen die mindeste Gewalt hätte tun sollen, so weit ging sein Entusiasmus für sie nicht. Die ungebundene Freiheit worin er vormals gelebt hatte, stellte sich ihm wieder mit den lebhaftesten Reizungen dar; und nun sah er den Plato für einen verdriesslichen Hofmeister an, und verwünschte die Schwachheit, die er gehabt hatte, sich so sehr von ihm einnehmen, und in eine Gestalt, die seiner eigenen so wenig ähnlich sah, umbilden zu lassen. Er fühlte nur allzuwohl, dass er sich selbst eine Art von Verbindlichkeit aufgelegt hatte, in den Gesinnungen zu beharren, die er sich von diesem Sophisten, wie er ihn jetzt nannte, hatte einflössen lassen: Er stellte sich vor, dass Dion und die Syracusaner sich berechtiget halten würden, die Erfüllung des Versprechens von ihm zu erwarten, welches er ihnen gewisser massen gegeben hatte, dass er künftig auf eine gesetzmässige Art regieren wolle. Diese Vorstellungen waren ihm unerträglich, und hatten die natürliche Folge, seine ohnehin bereits erkaltete Zuneigung zu dem Philosophen von Aten in Widerwillen zu verwandeln; den Dion aber, den er nie geliebt hatte, ihm doppelt verhasst zu machen. Dieses waren die geheimen Dispositionen, welche den Verführungen des Timocrates und Philistus den Eingang in sein Gemüt erleichterten. Es war schon so weit mit ihm gekommen, dass er vor diesen ehmaligen Vertrauten sich der person schämte, die er einige Wochen lang, gleichsam unter Platons Vormundschaft, gespielt hatte; und es ist zu vermuten, dass es von dieser falschen und verderblichen Scham herrührte, dass er in so verkleinernden Ausdrücken von einem mann, den er anfänglich beinahe vergöttert hatte, sprach, und seiner leidenschaft für ihn einen so spasshaften Schwung zu geben bemüht war. Er ergriff also den Vorschlag des Philistus mit der begierigen Ungeduld eines Menschen, der sich von dem Zwang einer verhassten Einschränkung je bälder je lieber loszumachen wünscht; und damit er keine Zeit verlieren möchte, so machte er gleich des folgenden Tages den Anfang, denselben ins Werk zu setzen. Er berief den Dion und den Philosophen in sein Cabinet, und entdeckte ihnen mit allen Anscheinungen des vollkommensten Zutrauens, und indem er sie mit Liebkosungen überhäufte, dass er gesonnen sei, sich der Regierung zu entschlagen, und den Syracusanern die Freiheit zu lassen, sich diejenige Verfassung zu erwählen, die ihnen die angenehmste sein würde.
Ein so unerwarteter Vortrag machte die beiden Freunde stutzen. Doch fassten sie sich bald. Sie hielten ihn für eine von den sprudelnden Aufwallungen einer noch ungeläuterten Tugend welche gern auf schöne Ausschweifungen zu verfallen pflegt und hoffeten also, dass es ihnen leicht sein werde, ihn auf reifere Gedanken zu bringen. Sie billigten zwar seine gute Absicht; stellten ihm aber vor, dass er sie sehr schlecht erreichen würde, wenn er das Volk, welches immer als unmündig zu betrachten sei, zum Meister über eine Freiheit machen wollte, die es, allem Vermuten nach, zu seinem grössesten Schaden missbrauchen würde. Sie sagten ihm hierüber alles was die gesunde Politik sagen kann; und Plato insonderheit bewies ihm, dass es nicht auf die Form der Verfassung ankomme, wenn ein Staat glücklich sein solle, sondern auf die innerliche Güte der Gesetzgebung, auf tugendhafte Sitten, auf die Weisheit desjenigen, dem die Handhabung der gesetz anvertraut sei. Seine Meinung ging dahin, dass Dionys nicht nötig habe, sich der obersten Gewalt zu begeben, indem es nur von ihm abhange, durch die vollkommene Beobachtung aller Pflichten eines weisen und tugendhaften Regenten die Tyrannie in eine rechtmässige Monarchie zu verwandeln; welcher die Völker sich desto williger unterwerfen würden, da sie durch ein natürliches Gefühl ihres Unvermögens sich selbst zu regieren, geneigt gemacht würden, sich regieren zu lassen; ja denjenigen als eine gegenwärtige Gotteit zu verehren, welcher sie schütze, und für ihre Glückseligkeit arbeite.
Dion stimmte hierin nicht gänzlich mit seinem
Freunde überein. Die Wahrheit war, dass er den Dionys besser kannte, und weil er sich wenig Hoffnung machte, dass seine guten Dispositionen von langer Dauer sein würden, gerne so schnell als möglich einen solchen Gebrauch davon gemacht hätte, wodurch ihm die Macht Böses zu tun, auf den Fall, dass ihn der Wille dazu wieder ankäme, benommen worden wäre. Er breitete sich also mit Nachdruck über die Vorteile einer wohlgeordneten Aristocratie vor der Regierung eines Einzigen aus, und bewies, wie gefährlich es sei, den Wohlstand eines ganzen Landes von dem zufälligen und wenig sichern Umstand, ob dieser einzige tugendhaft sein wolle oder nicht, abhangen zu lassen. Er ging so weit, zu behaupten, dass von einem Menschen, der die höchste Macht in Händen habe, zu verlangen, dass er sie niemalen missbrauchen solle, eine Forderung sei, welche über die Kräfte der Menschheit gehe; dass es nichts geringers sei, als von einem mit Mängeln und Schwachheiten beladenen Geschöpfe, welches keinen Augenblick aufs ich selbst zählen kann, die Weisheit und Tugend eines Gottes zu erwarten. Er billigte also das Vorhaben des Dionys, die königliche Gewalt aufzugeben, im höchsten Grade; aber darin stimmte er mit seinem Freunde überein, dass anstatt die Einrichtung des staates in die Willkür des volkes zu stellen, er selbst, mit Zuzug der Besten von der Nation, sich ungesäumt der Arbeit unterziehen sollte, eine daurhafte und auf den möglichsten Grad des allgemeinen Besten abzielende Verfassung zu entwerfen; wozu er dem Prinzen allen Beistand, der von ihm abhange, versprach. Dionys schien sich diesen Vorschlag gefallen zu lassen.