seiner Familie, und mit einem Säugling an der Brust seiner Amme, und was weiss ich, mit was noch mehr, abgesehen waren! Die Verräter wollten mich durch diese süssen Wiegenliedchen erst einschläfern, hernach entwaffnen, und zuletzt wenn sie mich mit ihren gebenedeiten Maximen so fest umwunden hätten, dass ich weder arme noch Beine nach meinem Gefallen hätte rühren können, mich in ganzem Ernst, zu ihrem Wikkelkind, zu ihrer Puppe, und wozu es ihnen eingefallen wäre, gemacht haben! Aber sie sollen mir die Erfindung bezahlen! Ich will diesem verrätrischen Dion – – bist du töricht genug, Philistus, und bildest dir ein, dass er sich nur im Traum einfallen lasse, diese Spiessbürger von Syracus in Freiheit zu setzen? Regieren will er, Philistus; das will er, und darum hat er diesen Plato an meinen Hof kommen lassen, der mir, indessen dass er das Volk zur Empörung reizen, und sich einen Anhang machen wollte, so lange und so viel von Gerechtigkeit, und Wohltun, und goldnen zeiten, und väterlichem Regiment, und was weiss ich von was für Salbadereien vorschwatzen sollte, bis ich mich überreden liesse, meine Galeeren zu entwaffnen, meine Trabanten zu entlassen, und mich am Ende in Begleitung eines von diesen zottelbärtigen Knaben, die der Sophist mit sich gebracht hat, als einen Neuangeworbenen nach Aten in die Academie schicken zu lassen, um unter einem Schwarm junger Gecken darüber zu disputieren, ob Dionysius recht oder unrecht daran getan habe, dass er sich in einer so armseligen Mausfalle habe fangen lassen – – Aber ist es möglich, fragte Philistus mit angenommener Verwunderung, dass Plato den sinnlosen Einfall haben konnte, meinem Prinzen solche Räte zu geben? – Es ist möglich, weil ich dir sage, dass er es getan hat. Ich habe selbst Mühe zu begreifen, wie ich mich von diesem Schwätzer so bezaubern lassen konnte – – Das soll sich Dionys nicht verdriessen lassen, erwiderte der gefällige Philistus; Plato ist in der Tat ein grosser Mann in seiner Art; ein vortrefflicher Mann, wenn es darauf ankommt, den Entwurf zu einer Welt zu machen, oder zu beweisen, dass der Schnee nicht wirklich weiss ist; aber seine Regierungs-Maximen sind, wie es scheint, ein wenig unsicher in der Ausübung. In der Tat, das würde den Ateniensern was zu reden gegeben haben, und es wäre wahrlich kein kleiner Triumph für die Philosophie gewesen, wenn ein einziger Sophist, ohne Schwertschlag, durch die blosse Zauberkraft seiner Worte zu stand gebracht hätte, was die Atenienser mit grossen Flotten und krieges-Heeren vergeblich unternommen haben – Es ist mir unerträglich nur daran zu denken, sagte Dionys, was für eine einfältige Figur ich ein paar Wochen lang unter diesen Grillenfängern gemacht habe; hab ich dem Dion nicht selbst gelegenheit gegeben, mich zu verachten? Was mussten sie von mir denken, da sie mich so willig und gelehrig fanden? – – Aber sie sollen in kurzem sehen, dass sie sich mit aller ihrer Wissenschaft der geheimnisvollen Zahlen gewaltig überrechnet haben. Es ist Zeit, der Comödie ein Ende zu machen – – Um Vergebung, mein Gebietender Herr, fiel ihm Philistus hier ins Wort; die Rede ist noch von blossen Vermutungen; vielleicht ist Plato, ungeachtet seines nicht allzuwohl überlegten Rats, unschuldig; vielleicht ist es so gar Dion; wenigstens haben wir noch keine Beweise gegen sie. Sie haben Bewunderer und Freunde zu Syracus, das Volk ist ihnen geneigt, und es möchte gefährlich sein, sie durch einen übereilten Schritt in die notwendigkeit zu setzen, sich diesem Freiheit-träumenden Pöbel in die arme zu werfen. Lasset sie noch eine Zeitlang in dem an genehmen Wahn, dass sie den Dionysius gefangen haben. Gebet ihnen, durch ein künstlich verstelltes Zutrauen gelegenheit, ihre Gesinnungen deutlicher herauszulassen – – Wie, wenn Dionysius sich stellte, als ob er Lust hätte die Monarchie aufzugeben, und als ob ihn kein andres Bedenken davon zurückhielte, als die Ungewissheit, welche Regierungs-Form Sicilien am glücklichsten machen könnte. Eine solche Eröffnung wird sie nötigen, sich selbst zu verraten; und indessen, dass wir sie mit academischen fragen und Entwürfen aufhalten, werden sich Gelegenheiten finden, den regiersüchtigen Dion in Gesellschaft seines Ratgebers mit guter Art eine Reise nach Aten machen zu lassen, wo sie in ungestörter Musse Republiken anlegen, und ihnen, wenn sie wollen, alle Tage eine andre Form geben mögen.
Dionys war von natur hitzig und ungestüm; eine jede Vorstellung, von der seine Einbildung getroffen wurde, beherrschte ihn so sehr, dass er sich dem mechanischen Trieb, den sie in ihm hervorbrachte, gänzlich überliess; aber wer ihn so genau kannte als Philistus, hatte wenig Mühe, seinen Bewegungen oft durch ein einziges Wort, eine andere Richtung zu geben. In dem ersten Anstoss seiner unbesonnenen Hitze waren die gewaltsamsten Massnehmungen, die ersten, auf die er fiel: Aber man brauchte ihm nur den Schatten einer Gefahr dabei zu zeigen, so legte sich die auffahrende Lohe wieder; und er liess sich eben so schnell überreden, die sichersten Mittel zu erwählen, wenn sie gleich die niederträchtigsten waren.
Nachdem wir die wahre Triebfeder seiner vermeinten Sinnes-Änderung oben bereits entdeckt haben, wird sich niemand verwundern, dass er von dem Augenblick an, da sich seine Leidenschaften wieder regten, in seinen natürlichen Zustand zurücksank. Was man bei ihm für Liebe der Tugend angesehen, was er selbst dafür gehalten hatte, war das Werk zufälliger