so guten Gründen gebührte, nach und nach ausgeschlossen zu werden. Bei solcher Bewandtnis hatte der Patriotismus das schönste Spiel, und die grossen Beweggründe der allgemeinen Wohlfahrt, die uneigennützige Betrachtung der verderblichen Folgen, welche aus einer so heillosen Beschaffenheit des Hofes über den ganzen Staat daherstürzen mussten, wurden durch jene geheimern Triebfedern so kräftig unterstützt, dass er den festen Entschluss fasste, alles zu versuchen, um seinen Verwandten auf einen bessern Weg zu bringen.
Er urteilte, den grundsätzen Platons zufolge, dass die Unwissenheit des Dionysius, und die Gewohnheit unter dem niedriggesinntesten Pöbel (es waren mit alle dem junge Herren von sehr gutem Adel darunter) zu leben, die Haupt-Quelle seiner verdorbenen Neigungen sei. Diesem nach hielt er sich seiner Verbesserung versichert, wenn er die beste Gesellschaft um ihn her versammeln, und ihm diese edle Wissensbegierde einflössen könnte, welche bei denenjenigen, die von ihr begeistert sind, die animalischen Triebe wo nicht gänzlich zu unterdrücken, doch gewiss zu dämmen und zu mässigen pflegt. Er liess also keine gelegenheit vorbei (und die unzählichen Fehler, welche täglich in der staates-Verwaltung gemacht wurden, gaben ihm gelegenheit genug) dem Tyrannen die notwendigkeit vorzustellen, Männer von einem grossen Ruf der Weisheit um sich zu haben; und er führte so viele Beweggründe an, dass er, unter einer Menge sehr erhabener, die an einem Dionysius verloren gingen, endlich auch den einzigen traf, der seine Eitelkeit interessierte. Doch selbst dieser schlüpfte nur leicht an seinen Ohren hin, und ob er gleich dem Dion immer Recht gab, und die besonderen Unterredungen, welche sie über dergleichen Materien hatten, allemal mit der Versicherung beschloss, dass er nicht ermangeln werde, von so gutem Rat, Gebrauch zu machen; so würde doch schwerlich jemals mit Ernst daran gedacht worden sein, wenn nicht ein kleiner physicalischer Umstand dazu gekommen wäre, der den Vorstellungen des weisen Dion eine Stärke gab, die nicht ihre eigene war.
Dionysius hatte, man weiss nicht aus welcher Veranlassung, seinem Hof, der an Glanz und verschwenderischer Üppigkeit es mit den Asiatischen aufnehmen konnte, ein fest gegeben, welches, nach der Versicherung der Geschichtschreiber, drei Monate in einem fort daurte. Die ausschweifendeste Einbildungs-Kraft kann nicht weiter gehen, als auf der einen Seite, Pracht und Aufwand, und auf der andern Schwelgerei und asotische Freiheit an diesem langwierigen Bacchanal getrieben wurden; denn diesen Namen verdiente es um so mehr, weil, nachdem alle andre Erfindungen erschöpft waren, die letzten Tage des dritten Monats, welche in die Weinlese fielen, zu einer Vorstellung des Triumphes des Bacchus und seiner ganzen poetischen geschichte angewendet wurden. Dionys, der durch eine Anspielung auf seinen Namen den Bacchus machte, trieb die Nachahmung so weit über das Original selbst, dass die Feder eines Aretin und der Griffel eines la Fage sich unvermögend hätten bekennen müssen, weiter zu gehen. Die Quellen der natur wurden erschöpft, und die unmächtige Begierde ihre Grenzen zu erweitern – – Doch, wir wollen kein Gemälde machen, das bei Gegenständen dieser Art die Absicht, Abscheu zu erwecken, bei manchen verfehlen möchte. Genug dass Dionys mit den Silenen, Nymphen, Faunen und Satyren, seinen Gehülfen, die Tibere und Neronen der spätern zeiten in die Unmöglichkeit setzte, etwas mehr als blosse Copisten von ihm zu sein. Wer sollte sich vorstellen, dass aus einer so schlammichten Quelle die heftigste Liebe der Philosophie, und eine Reformation, welche ganz Sicilien und Griechenland in Erstaunen setzte, habe entspringen können? – – Aber im Himmel und auf Erden sind eine Menge Dinge, wovon kein Wort in unserm Compendio steht- – sagt der Shakespearische Hamlet zu seinem Schulfreunde, Horazio.
Das unbändigste Temperament kann auf die Weise, wie es Dionysius anging, endlich zu paaren getrieben werden. Unsre Bacchanten fanden sich von der Unmässigkeit, womit sie eine so lange Zeit den Göttern der Freude geopfert, und von der Wut womit sie ihre Orgya beschlossen hatten, so erschöpft, dass sie genötiget waren, aufzuhören. Insonderheit befand sich Dionys in einem stand der Vernichtung, der ihm weder Hoffnung noch Begierden übrig liess, jemals wieder eine solche Rolle zu spielen. Zum ersten mal seit dem berauschenden Augenblicke, da er sich im Besitz der Gewalt, allen seinen Leidenschaften den Zügel zu lassen sah, fühlte er ein Leeres in sich, in welches er mit Grauen hineinschaute – – Zum ersten mal fühlte er sich geneigt, Reflexionen zu machen, wenn er das Vermögen dazu gehabt hätte. Aber er erfuhr, mit einem lebhaften Unwillen über sich selbst und alle diejenigen, welche ihn zu einem Tier zu machen geholfen hatten, dass er nichts in sich habe, das er dem Ekel vor allen Vergnügungen der Sinne, und der Langenweile, worin er sich verzehrte, entgegenstellen könnte. Alles was er indessen sehr lebhaft fühlte, war dieses, dass er mitten unter lauter Gegenständen, welche ihm seine scheinbare Grösse und Glückseligkeit ankündigten, in dem Zustande worin er war, sich selbst gegen über eine sehr elende Figur machte. Kurz, alle Fibern seines Wesens hatten nachgelassen er verfiel in eine Art von dummer Schwermut, aus welcher ihn alle seine Höflinge nicht herauslachen, und alle seine Tänzerinnen nicht heraustanzen konnten.
In diesem kläglichen Zustande, den ihm die natürliche Ungeduld seines Temperaments unerträglich machte, warf er sich in die arme des Dions, der sich während der letzten drei Monate in ein entferntes Landgut zurückgezogen hatte; hörte seine Vorstellungen mit einer Aufmerksamkeit an, deren er sonst