eine Folge seiner nunmehrigen, und wie er glaubte geläuterten Denkungs-Art, dass er sich dazu entschloss. Ein sanftes Entzücken, welches ihm in diesen Augenblicken den süssesten Berauschungen der Wollust unendlich vorzuziehen schien, ergoss sich durch sein ganzes Wesen bei dem Gedanken, der Mitarbeiter an der Wiedereinsetzung Siciliens in die unendlichen Vorteile der wahren Freiheit und einer durch weise gesetz und Anstalten verewigten Verfassung zu sein – Seine immer verschönernde Phantasie malte ihm die Folgen seiner Bemühungen in tausend reizende Bilder von öffentlicher Glückseligkeit aus er fühlte mit Entzücken die Kräfte zu einer so edlen Arbeit in sich; und sein Vergnügen war desto vollkommener, da er zugleich empfand, dass Herrschsucht und eitle Ruhm-Begierde keinen Anteil daran hatten; dass es die tugendhafte Begierde, in einem weiten Umfang gutes zu tun, war, deren gehoffete Befriedigung ihm diesen Vorschmack des göttlichsten Vergnügens gab, dessen die menschliche natur fähig ist. Seine Erfahrungen, so viel sie ihn auch gekostet hatten, schienen ihm jetzt nicht zu teuer erkauft, da er dadurch desto tüchtiger zu sein hoffte, die Klippen zu vermeiden, an denen die Klugheit oder die Tugend derjenigen zu scheitern pflegt, welche sich den öffentlichen Angelegenheiten unterziehen. Er setzte sich fest vor, sich durch keine zweite Danae mehr irre machen zu lassen. Er glaubte sich in diesem Stücke desto besser auf sich selbst verlassen zu können, da er stark genug gewesen war, sich von der ersten loszureissen, und es mit gutem Fug für unmöglich halten konnte, jemals auf eine noch gefährlichere probe gesetzt zu werden. Ohne Ehrgeiz, ohne Habsucht, immer wachsam auf die schwache Seite seines Herzens, die er kennen gelernt hatte, dachte er nicht, dass er von andern Leidenschaften, welche vielleicht noch in seinem Busen schlummerten, etwas zu besorgen haben könne. Keine übelweissagende Besorgnisse störten ihn in dem unvermischten Genusse seiner Hoffnungen; sie beschäftigten ihn wachend und selbst in Träumen; sie waren der vornehmste Inhalt seiner gespräche mit dem syracusischen Kaufmanne, sie machten ihm die Beschwerden der Reise unmerklich, und entschädigten ihn überflüssig für den Verlust der ehemals geliebten Danae; einen Verlust der mit jedem neuen Morgen kleiner in seinen Augen wurde; und so führten ihn günstige Winde und ein geschickter Steuermann nach einer kurzen Verweilung in einigen griechischen See-Städten, wo er sich nirgends zu erkennen gab, glücklich nach Syracus, um an dem Hof' eines Fürsten zu lernen, dass auf dieser schlüpfrigen Höhe die Tugend entweder der Klugheit aufgeopfert werden muss, oder die behutsamste Klugheit nicht hinreichend ist, den Fall des Tugendhaften zu verhindern.
Siebentes Capitel
Eine oder zwo Digressionen
Wir wünschen uns Leserinnen zu haben; (denn diese geschichte, wenn sie auch weniger wahr wäre, als sie ist, gehört nicht unter die gefährlichen Romanen, von welchen der Verfasser des gefährlichsten und lehrreichsten Romans in der Welt die Jungfrauen zurückschreckt) und wir sehen es also nicht gerne, dass einige unter ihnen, welche noch Geduld genug gehabt, dieses achte Buch bis zum Schluss zu durchblättern – – in der Meinung, dass nun nichts interessantes mehr zu erwarten sei, nachdem Agaton durch einen Streich von der verhasstesten Art, durch eine heimliche Flucht der Liebe den Dienst aufgesagt habe – den zweiten teil seiner geschichte ganz kaltsinnig aus ihren schönen Händen entschlüpfen lassen, und – – vielleicht den Sopha, oder die allerliebste kleine Puppe des Hrn. Bibiena ergreifen, um die Vapeurs zu zerstreuen, die ihnen die Untreue und die Betrachtungen unsers Helden verursachet haben.
Woher es wohl kommen mag, meine schönen Damen, dass die meisten unter Ihnen geneigter sind, uns alle Torheiten, welche die Liebe nur immer begehen machen kann, zu verzeihen, als die Wiederherstellung in den natürlichen Stand unsrer gesunden Vernunft? Gestehen Sie, dass wir Ihnen desto lieber sind, je besser wir durch die Schwachheiten, wozu Sie uns bringen können, die Obermacht Ihrer Reizungen über die Stärke der männlichen Weisheit beweisen – – Was für ein interessantes Gemälde ist nicht eine Deanira mit der Löwes nervichten Liebhabers umgeben, und mit seiner Keule auf der Schulter, wie sie einen triumphierend-lächelnden Seitenblick auf den Bezwinger der Riesen und Drachen wirft, der, in ihre langen Kleider vermummt, mitten unter ihren Mädchen mit ungeschickter Hand die weibische Spindel dreht? – Wir können eine oder zwo, auf welche diese kleine Exclamation nicht passt; aber wenn wir ohne Schmeichelei reden sollen, (welches wir freilich nicht tun sollten, wenn wir die Klugheit zu Rate zögen,) so zweifeln wir, ob die Weiseste unter allen, zu eben der Zeit, da sie sich bemüht, den Torheiten ihres Liebhabers Schranken zu setzen, sich erwehren kann, eine solche kleine still-triumphierende Freude darüber zu fühlen, dass sie liebenswürdig genug ist, einen Mann von Verdiensten seines eignen Werts vergessen zu machen.
Eine alltägliche Anmerkung werden Kenner denken, welche weder mehr noch weniger sagt, als was Gay in einer seiner Fabeln tausend mal schöner gesagt hat, und was wir alle längst wissen – – dass die Eitelkeit die wahre Triebfeder aller Bewegungen des weiblichen Herzens ist – – Wir erkennen unsern Fehler, ohne gleichwohl den Kennern einzugestehen, dass unsre Anmerkung so viel sage. Aber nichts mehr hievon!
Hingegen können wir unsern besagten Leserinnen, um sie wieder gut zu machen, eine kleine Anecdote aus dem Herzen unsers Helden nicht verhalten, und wenn er auch gleich dadurch in Gefahr kommen sollte, die Hochachtung wieder zu verlieren, in die er sich bei den ehrwürdigen Damen, welche nie geliebt haben, und,