, dass sie es der Tugend nicht verzeihen würde, wenn sie ihr ihren Liebhaber so unbarmherzig entführen wollte) – – was wurde nun aus der armen Danae? Von dieser war nun die Rede nicht mehr? Und der tugendhafte Agaton bekümmerte sich wenig darum, ob seine Untreue, ein Herz welches ihn glücklich gemacht hatte, in Stücken brechen werde oder nicht? – – Aber, meine schöne Dame, was hätte er tun sollen, nachdem er nun einmal entschlossen war? Um nach Syracus zu gehen, musste er Smyrna verlassen; und nach Syracus musste er doch gehen, wenn sie alle Umstände unparteiisch in Betrachtung ziehen; denn sie werden doch nicht wollen, dass ein Agaton sein ganzes Leben wie ein Veneris Passerculus (lassen Sie Sich das von Ihrem Liebhaber verdeutschen) am Busen der zärtlichen Danae hätte hinweg buhlen sollen? Und sie nach Syracus mit zunehmen, war aus mehr als einer Betrachtung auch nicht ratsam; gesetzt auch, dass sie um seinetwillen Smyrna hätte verlassen wollen. Oder meinen Sie vielleicht er hätte warten, und die Einwilligung seiner Freundin zu erhalten suchen sollen? – – Das wäre alles gewesen, was er hätte tun können, wenn er eine geheime Absicht gehabt hätte, da zu bleiben. Alles wohl überlegt, konnte er also, deucht uns, nichts mehr tun als was er tat. Er hinterliess ein Briefchen, worin er ihr sein Vorhaben mit einer Aufrichtigkeit entdeckte, welche zugleich die Rechtfertigung desselben ausmacht. Er spottete ihrer nicht durch liebes-Versicherungen, welche der Widerspruch mit seinem Betragen beleidigend gemacht hätte; hingegen erinnerte er sich dessen, was sie um ihn verdient hatte zu wohl, um sie durch Vorwürfe zu kränken. Und dennoch entwischte ihm beim Schluss ein Ausdruck, den er vermutlich grossmütig genug gewesen wäre, wieder auszulöschen, wenn er Zeit gehabe hätte, sich zu bedenken; denn er endigte sein Briefchen damit, dass er ihr sagte; er hoffe, die Hälfte der Stärke des Gemüts, womit sie den Verlust eines Alcibiades ertragen, und den Armen eines Hyacints sich entrissen habe, werde mehr als hinlänglich sein, ihr seine Entfernung in kurzem gleichgültig zu machen. Wie leicht, setzte er hinzu, kann Danae einen Liebhaber missen, da es nur von ihr abhängt, mit einem einzigen Blicke so viele Sclaven zu machen, als sie haben will! – – das war ein wenig grausam – – Aber die Gemüts-Verfassung, worin er sich damals befand, war nicht ruhig genug, um ihn fühlen zu lassen, wie viel er damit sagte.
Und so endigte sich also die liebes-geschichte des Agaton und der schönen Danae; und so, meine schöne Leserinnen, so haben sich noch alle liebes-Geschichten geendigt, und so werden sich auch künftig alle endigen, welche so angefangen haben.
Sechstes Capitel
Betrachtungen, Schlüsse und Vorsätze
Wer aus den Fehlern, welche von andern vor ihm gemacht worden, oder noch täglich um ihn her gemacht werden, die Kunst lernte selbst keine zu machen; würde unstreitig den Namen des Weisesten unter den Menschen mit grösserm Recht verdienen als Confucius, Socrates oder König Salomon, welcher letzte, wider den gewöhnlichen Lauf der natur, seine grössesten Torheiten in dem Alter beging, wo die meisten von den ihrigen zurückkommen. Unterdessen bis diese Kunst erfunden sein wird, deucht uns, man könne denjenigen immer für weise gelten lassen, der die wenigsten Fehler macht, am bäldesten davon zurückkommt, und sich gewisse Cautelen für zukünftige Fälle darauszieht, mittelst deren er hoffen kann, künftig weniger zu fehlen.
Ob und in wie fern Agaton dieses Prädicat verdiene, mögen unsre Leser zu seiner Zeit selbst entscheiden; wir unsers Orts haben in keinerlei Absicht einiges Interesse ihn besser zu machen, als er in der Tat war; wir geben ihn für das was er ist; wir werden mit der bisher beobachteten historischen Treue fortfahren, seine geschichte zu erzählen; und versichern ein für allemal, dass wir nicht dafür können, wenn er nicht allemal so handelt, wie wir vielleicht selbst hätten wünschen mögen, dass er gehandelt hätte.
Er hatte während seiner Fahrt nach Sicilien, welche durch keinen widrigen Zufall beunruhiget wurde, Zeit genug, Betrachtungen über das, was zu Smyrna mit ihm vorgegangen war anzustellen. Wie? rufen hier einige Leser, schon wieder Betrachtungen? Allerdings, meine Herren; und in seiner Situation würde es ihm nicht zu vergeben gewesen sein, wenn er keine angestellt hätte. Desto schlimmer für euch, wenn ihr, bei gewissen Gelegenheiten, nicht so gerne mit euch selbst redet als Agaton; vielleicht würdet ihr sehr wohl tun, ihm diese kleine Gewohnheit abzulernen.
Es ist für einen Agaton nicht so leicht, als für einen jeden andern, die Erinnerung einer begangenen Torheit von sich abzuschütteln. Braucht es mehr als einen einzigen Fehler, um den Glanz des schönsten Lebens zu verdunkeln? Wie verdriesslich, wenn wir an einem Meisterstücke der Kunst, an einem Gemälde oder Gedichte zum Exempel, Fehler finden, welche sich nicht verbessern lassen, ohne das Ganze zu vernichten? Wie viel verdriessliche, wenn es nur ein einziger Fehler ist, der dem schönen Ganzen die Ehre der Vollkommenheit raubt? Ein Gefühl von dieser Art war schmerzhaft genug, um unsern Mann zu vermögen, über die Ursachen seines Falles schärfer nachzudenken. Wie errötete er jetzt vor sich selbst, da er sich der allzutrotzigen Herausforderung erinnerte, wodurch er ehmals den Hippias gereizt, und gewissermassen berechtiget hatte, den Versuch an ihm zu machen, ob